FJB-Ersatz: Ein Volksfest für Viren im vollen Bus. Ärger bei Passagierin: Sicherheits-Regeln, die Chris Lohner vor Wien durchsagt, waren im Bus-Ersatzverkehr nichtig.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 15. Juli 2020 (05:50)
FJB-Reisende Margit Maurer aus Weitra nach dem beengten Erlebnis im Ersatzbus: „Alle sich möglicherweise im Umfeld befunden habenden Corona-Viren müssen gejubelt haben.“
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Bilder sagen oft mehr als Worte, und das tut auch jenes, das der NÖN aus einem trotz Coronamaßnahmen heillos überfüllten ÖBB-Schienenersatzbus in der vorigen Woche zugespielt wurde. Dabei erzählt das Bild zwar wirklich viel, aber nicht das komplette Fiasko, das sich laut Augenzeugen-Bericht abgespielt haben soll.

Geduldfrage – und massives Sicherheits-Risiko

Der für die Strecke Gmünd-Göpfritz angekündigte Ersatzverkehr per Autobus habe am 5. Juli noch tadellos funktioniert, sagt die Weitraerin Margit Maurer. Dann sei schwer verständlich über Lautsprecher die Info gekommen, dass die Fahrt nach Wien wegen eines Schadens in Tulln ende – wieder ein Bus genommen werden müsse. Bloß sei beim Busterminal keiner in Sicht gewesen.

„Nach halbstündiger Wartezeit war der Unmut bei allen schon recht groß, alle Urgenzen waren erfolglos“, schreibt Maurer. Dann sei ein einziger Linienbus vorgefahren, der am Weg diverse Bushaltestellen bediente, statt normaler 25 Minuten für die Strecke mehr als eine Stunde benötigte – und vor allem den Andrang nicht bewältigen konnte. Maurer hält das für hochgradig verantwortungslos: „Alle sich möglicherweise im Umfeld befunden habenden Corona-Viren müssen gejubelt haben – der Bus war rettungslos überfüllt, von Mindestabstand keine Rede.“ Etliche Reisende hätten, samt Koffern und Kinderwagen, stehen bleiben müssen. Als Draufgabe habe sich noch eine Frau ohne Schutzmaske in den überfüllten Bus „gequetscht“.

Bei Beschwerde vom ÖBB-Kundendienst ausgelacht?

Über den Lautsprecher einer Mitreisenden sei zu hören gewesen, wie diese beim Anruf des ÖBB-Kundendienstes ausgelacht wurde. In Klosterneuburg ging es für die Passagiere wieder ins Freie – wohin, das hätten sie, so Maurer, auf eigene Faust in Erfahrung bringen müssen. Kühl und fast leer habe sich der Schnellbahn-Waggon präsentiert, prompt sei von Chris Lohner die Aufforderung durch den Lautsprecher gekommen, den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand einzuhalten, berichtet Margit Maurer fassungslos. Was sie besonders stört: Der Schaden sei nach Auskunft einer anderen Reisenden bereits am Vortag bekannt gewesen, dennoch sei die Situation nicht besser gelöst worden.

ÖBB rechtfertigt sich mit „Kurzfristigkeit der Maßnahme“

ÖBB-Sprecher Daniel Pinka bedauert auf NÖN-Nachfrage den Vorfall. Der Betrieb auf der FJB habe allerdings erst in den frühen Morgenstunden wegen einer technischen Störung bei St. Andrä-Wördern teils eingestellt, im Abschnitt Klosterneuburg-Weidling bis Tulln ein Ersatz organisiert werden müssen.

Wegen der „Kurzfristigkeit der Maßnahme“ sei es dabei zu Wartezeiten und vollen Bussen gekommen: „Dafür wollen wir uns bei den Fahrgästen entschuldigen, bitten aber auch um Verständnis, dass es bei unvorhergesehenen Ereignissen wie diesen nicht immer sofort möglich ist, den gewohnten Reisekomfort sicherzustellen.“ Man habe umgehend nachgebessert und das Problem binnen weniger Stunden beseitigen können.