Tourismus 2020: Das Gute liegt nahe. Waldviertels größter Reise-Veranstalter arrangiert sich mit Situation: Frank-Reisen setzt auf Nahtourismus.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 03. Juni 2020 (04:48)
Christoph Wurz (l.): barrierefreie VIP- Busse stehen bereit, Angst muss aber abgeschüttelt werden.
NOEN

Kroatien und Deutschland – das sind für den ersten Sommer nach Corona die Hoffnungsträger beim Waldviertler Reise-Platzhirschen Frank-Reisen. „Wir sind gut vorbereitet auf den Neustart, freuen uns sehr darauf“, sagt Geschäftsführer Christoph Wurz. Für klassische Destinationen wie Italien, Spanien oder Frankreich hat der auf Fernreisen spezialisierte Chef von 90 Beschäftigten vor Covid-19 aber noch wenig Hoffnung.

Am Österreich-Boom partizipieren

Die Buchung für Hotels in Österreich erfolgt häufig nicht übers Reisebüro, aber dennoch sollte das vor 95 Jahren in Heidenreichstein gegründete und nun in Waidhofen heimische erste Waldviertler Bus- und Reisebüro-Unternehmen vom Boom des Reisens innerhalb der Alpenrepublik profitieren können. Wurz: „Wir haben einige Tagesfahrten und Kurzreisen wie schönste Berge, Alpenpässe oder Genussreisen in der Pipeline. Einige – etwa Radreisen – sind schon buchbar, einige kurzfristig abrufbar.“

Der Nahtourismus sei heuer für die gesamte Branche essenziell, sagt Wurz.

Einige hunderttausend Euro an Anzahlungen für stornierte Touren habe Frank-Reisen seit März zurücküberwiesen – Geld, das zur Finanzierung von Immobilien, Fuhrpark oder Personal nötig wäre: Die Fixkosten laufen, egal ob der Komfortbus mit Respektabstand zwischen Sitzen nun rollt. Personal muss immer noch eher fürs Umbuchen und Stornieren als für Neubuchungen bezahlt werden. Oft würden Kunden einer Umbuchung anstatt des Stornos zustimmen, dankt Christoph Wurz, „viele unterstützen uns in dieser schwierigen Zeit“. Staatliche Hilfe habe es noch keine gegeben, dank der vor Corona stabilen Entwicklung und dem Linienbus-Geschäft sei man liquiditätstechnisch trotzdem auf gutem Weg.

Angst: keine gute Reisebegleiterin

Wie der Turbo wieder voll anlaufen soll? In der Reisebranche seien verantwortungsbewusstes Vorgehen, Sicherheit und Planbarkeit die Basis, betont Christoph Wurz. Nicht alle Faktoren kann er selbst beeinflussen. Zentrales misst Wurz der Regierung bei: „Wenn von offizieller Stelle die klare Aussage kommt, das Reisen wieder als sicher bewertet wird, dann werden die Menschen die Corona-Angst langsam abstreifen können.“

Er hofft auf alltagstaugliche Sicherheits-Regeln im Bus und ein Ende des ewigen Grenz-Wirrwarrs. Die Angst, beim Queren einer Grenze die Quarantäne zu riskieren, ist keine gute Reisebegleiterin…