„Vindobona“ vor Rückkehr auf die Franz-Josefs-Bahn? . Wien-Gmünd-Prag-Berlin 30 Jahre nach Abzug des einstigen Paradezuges ab Dezember 2022 wieder geplant. Landesrat Schleritzko: Gespräche mit CZ Vize-Verkehrsminister „positiv verlaufen“.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 31. März 2021 (05:54)
Landesrat Ludwig Schleritzko Mitte der Vorwoche bei der Videokonferenz zum Thema.
Büro LR Schleritzko

Nicht nur bei Bahnfreunden ist im Waldviertel das Wort „Vindobona“ mit einem Mix aus Nostalgie und Wehmut verbunden: 30 Jahre, nachdem dieser hochwertige und schnelle internationale Paradezug für Wien-Prag-Dresden-Berlin von der Franz-Josefs-Bahn abgezogen wurde, stehen die Zeichen nun auf ein Comeback mit Dezember 2022!

Legendärer ostdeutscher Schnelltriebwagen der Baureihe 175 am Weg zwischen Berlin und Wien durchs Waldviertel.
Archiv Schmied

Ein Blick zurück: Gleise als Tor durch den „Eisernen Vorhang“. Man schrieb das Jahr 1957, der „Eiserne Vorhang“ trennte mitten im „Kalten Krieg“ die Fronten von „Ost“ und „West“. Zwischen „West-Berlin“ und dem Waldviertel lagen die damalige Tschechoslowakei und Deutsche Demokratische Republik als Sperrzone, deren Übertreten nicht selten tödlich endete.

Aber: Es gelang, die Hauptstädte (Ost-) Berlin, Prag und Wien mit dem Schnellzug Vindobona zu verbinden. Den Betrieb teilten sich die Bahngesellschaften ÖBB, DR, & ČSD, von Berlin ging‘s via Fähre weiter bis Kopenhagen und Stockholm. Der Vindobona bediente die kürzeste Strecke für Prag-Wien über die Franz-Josefs-Bahn und Gmünd. – Das durch die Grenze nach den Weltkriegen an den Rand gedrängte Waldviertel bekam ein Tor in die weite Welt.

Nach 1992: Abgang auf Raten. Im Revolutionsjahr 1989 wurden der Fall des Eisernen Vorhanges und das Öffnen der Grenzen bejubelt. Keine drei Jahre später setzte es aber die nächste Ohrfeige für das Waldviertel, wie so oft auf Raten: 1992 wurde der Vindobona durch die ÖBB für die FJB-Elektrifizierung vorübergehend an die längere Nordbahn-Strecke via Hohenau abgezogen – und kam nie mehr zurück. Das Waldviertel verlor die Wien-Prag-Direktverbindung mit Anbindung an Berlin und später gar Hamburg. 2014 wurde der Vindobona schließlich generell eingestellt.

Rückkehr eines fallen gelassenen Helden. Für 2020 tauchte der Name plötzlich wieder in internationalen Fahrplänen auf, der Vindobona wurde für die Relation Berlin-Dresden-Prag-Wien reaktiviert – aber wieder über die längere Nordbahn-Trasse.

Bereits damals bekundete der NÖ Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) via NÖN sein Interesse daran, den Vindobona auch zurück ins Waldviertel zu bringen. Jetzt kann er konkrete Anhaltspunkte dafür liefern: „Wir arbeiten daran, den Vindobona rund 30 Jahre nach seinem Abzug aus dem Waldviertel wieder zurückzuholen“, sagt er: „Entsprechende Gespräche mit dem tschechischen Vize-Verkehrsminister Jan Sechter haben bereits stattgefunden und verliefen positiv.“

Vision: FJB-Verbindung zum Start für Wochenpendler zwischen Freitag und Montag. Schleritzkos Vision ist es, den Vindobona parallel zum Betrieb auf der Nordbahn auch auf der FJB zu führen – mit Endbahnhof Wien-FJB. Dann könne man auch aus dem Waldviertel wieder rasch nach Prag gelangen, in einer „abgestimmten Umsteigerelation“ weiter nach Dresden und Berlin reisen.

Nach dem auf tschechischer Seite für 2023/24 erwarteten Abschluss aktueller Bahnausbau-Maßnahmen werde es möglich, aus Gmünd in zwei Stunden nach Prag zu kommen – und in weiteren 4 Stunden nach Berlin. Die Fahrtzeiten zwischen Wien und Prag seien dann über die FJB-Trasse und Gmünd gleich wie jene über die Nordbahn.
In einem ersten Schritt denkt Landesrat Schleritzko diese Verbindung für klassische Wochenpendler zwischen Freitag und Montag an. Aber: „Wird der Zug genutzt, könnte das Angebot später auf die ganze Woche ausgeweitet werden.“

Bund soll noch auf den Zug aufspringen. Realistisch möglich sei die Umsetzung des Vorhabens mit Fahrplanwechsel im Dezember 2022, sagt Schleritzko. Technisch und organisatorisch wurde die Option demnach unter anderem hinsichtlich Fahrzeugumlauf und Trassenverfügbarkeit erfolgreich geprüft und bereits mit der tschechischen Seite akkordiert. Was es noch braucht, das ist die Zustimmung des Bundes, der die Bestellung formal über die Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft mbH einleiten muss.

Schleritzko: „Keine so großen Investitionen und Streckenveränderungen seit Elektrifizierung.“ Geht der Plan auf, so wird er aus der Sicht von Schleritzko nach angekündigten Investitionen im Rahmen des „Mobilitätspaketes nördliches NÖ“ von fast 600 Millionen Euro „eine weitere Stärkung“ für die FJB, die er als „Rückgrat des Öffentlichen Verkehrs im Waldviertel“ bewertet.

„Seit der Elektrifizierung der Bahn gab es keine so großen Investitionen und grundlegenden Streckenveränderungen, wie wir sie mit dem Mobilitätspaket und gerade der Anbindung an die Weststrecke sowie dem selektiven zweigleisigen Ausbau planen“, sagt Schleritzko vor dem Hintergrund aktueller Debatten über eine durchgehende Zweigleisigkeit bis Gmünd. Dank ausgebauter Angebote seien die Fahrgastzahlen zwischen 2012 und 2018 um ein Fünftel gesteigert worden: „Mit den neuen Investitionen planen wir, noch einen Schritt weiterzugehen.“

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