Vor Baustart am „Tor nach Wien“: Megaprojekt am Franz-Josefs-Bahnhof

Wien begrüßt Waldviertler künftig mit runderneuertem „Franzlbahnhof“ – und spektakulärem „Althan-Quartier“.

Erstellt am 28. November 2021 | 07:43
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Rund um den Franz-Josefs-Bahnhof, seit Generationen für viele Studenten und Arbeitspendler aus dem Waldviertel ein „Tor nach Wien“, braut sich im wahrsten Sinne Großes zusammen: Während die Gmünder Baufirma Leyrer+Graf demnächst für die ÖBB mit der Sanierung aller fünf Bahnsteige loslegt, laufen am Areal darüber die Vorbereitungen für die dann mit tausend Beschäftigten und einem Investitionsvolumen von etwa 500 Mio. Euro größte Baustelle der Bundeshauptstadt. Bis Ende 2023 sollen im „Althan-Quartier“ auf 2,4ha Fläche Büros für über 2.500 Beschäftigte, Shops & Gastro-Betriebe, zwei Wohngebäude, ein Hotel & mehr bezogen werden können.

Reisende gelangen bereits durch eine ausgehöhlte Bahnhofshalle zum Julius-Tandler-Platz, von wo sich nach Abschluss der Arbeiten ein neues Bild auf den derzeit siebenstöckigen „Glaspalast“ bieten wird: Der Abriss des wuchtigen Treppen- bzw. Rolltreppen-Vorbaus hoch zum früheren Bank-Austria-Gebäude schuf Platz für einen größeren Bahnhofs-Vorplatz, der Eingangsbereich wird komplett umgestaltet. Er soll durch eine massive Glasfront eine optische Verbindung in den Gebäude-Innenhof erhalten, der wiederum als Plaza mit Gastro-Vielfalt als Bereicherung für das ganze Grätzl gedacht ist und selbst eine Verbindung zu den künftigen Wohnhäusern mit etwa 250 Einheiten, dem Hotel und der Parkgarage darstellen soll.

Der Hof befindet sich zwei Ebenen über der Gleishalle

Darüber thronen derzeit fünf weitere Etagen, großteils schon komplett entkernt, die Raum für lichtdurchflutete Büroräume mit insgesamt gut 40.000 m² Nutzfläche bieten. Wäre der hier verarbeitete Stahlbeton abzutragen gewesen, so hätten 128 Tonnen Stahlbeton abtransportiert und eine ähnliche Last für den Neubau herangekarrt werden müssen, streicht eine Sprecherin von Immobilienentwickler 6B47 beim NÖN-Lokalaugenschein den Nachhaltigkeitsaspekt hervor. Mehr als 18.000 Tonnen CO₂ seien dadurch eingespart worden. Einige Lasten müssen dennoch herbewegt werden, weil über die bestehenden sieben Stockwerke noch drei zusätzliche Etagen aufgestockt werden.

Arbeiten laufen auch am Franz-Josefs-Bahnhof an

Die Baustelle läuft parallel zu jener am Bahnhof, ist aber wie berichtet ansonsten weitgehend davon getrennt: Alles überm Bahnhof und in Richtung Spittelau ist Sache der 6B47, der Bahnhof mit über 8.000 Fahrgästen ist ÖBB-Angelegenheit. Die ÖBB wollen bis Juli 2023 mehr als 54 Millionen Euro investieren, um Bahnsteige (inklusive Wegeleitsystem, Sitzgelegenheiten und weiterer Ausstattung), Zugänge und Eingangshalle zu erneuern sowie Barrierefreiheit zu ermöglichen. Dazu gehört auch ein „taktiles“ Leitsystem. Die Gleise und Weichen sollen bis Spittelau erneuert werden. Auch zwei neue Ausgänge (Nordbergstraße und Althanstraße) werden geschaffen. Leyrer+Graf hat den Auftrag für die Sanierung aller fünf Bahnsteige sowie der Verkehrsflächen und Belage (Steinmetzarbeiten) in der ganzen Ankunftshalle mit einem Volumen von 4,5 Millionen Euro erhalten. Los gehen soll es dort am 12. Dezember, bis März 2023 soll die Arbeit der Waldviertler abgeschlossen sein.

Für Bahnreisende wurden via NÖN durch den erwarteten Ausfall von meist zwei Bahngleisen Einschränkungen angekündigt, auch das ganze Jahr 2022 über. Die ÖBB informieren nun darüber, dass zwischen 12. Dezember 2021 und 10. Dezember 2022 die Züge der Linien S40 und R40 zwischen Wien Franz-Josefs-Bahnhof und Wien Heiligenstadt entfallen. Aber: „Züge der Linien REX4 und REX41 (mit Ausnahme der REX-Züge 2105, 2841, 2845 und vereinzelt geänderten Ankunfts- und Abfahrtszeiten) fahren wie gewohnt und stehen als Ersatz zur Verfügung.“ Alternativ könne mit gültigem Ticket für die Kernzone Wien auf die Straßenbahnlinie D und U-Bahn Linie U4 mit Umstieg in Wien Heiligenstadt ausgewichen werden. Während der Baumaßnahmen seien jedoch weitere Fahrplanänderungen zwischen Franz-Josefs-Bahnhof und Heiligenstadt möglich.