Wenn der Müll in den Herzen landet. Tatjana Zinner sorgt mit ihrer Arbeit „Kunst geht heim – 2020 mit Herz“ für Abwechslung in der Stadt und lädt zum Kunst-Erleben ein.

Von Karin Pollak. Erstellt am 09. August 2020 (05:56)

Das im Vorjahr gestartete Kunstprojekt „Kunst geht heim“, mit dem die Wultschauer Künstlerin Tatjana Zinner leere Auslagen in Weitra künstlerisch gestaltet hat, wird jetzt fortgesetzt: In Weitra ist das „Herz“ eingezogen.

Bei „Kunst geht heim – 2020 mit Herz“ sorgt sie bis Dezember für Abwechslung im Stadtbild, erweitert diese lebendige Ausstellung laufend und lädt so immer wieder zum Entdecken neuer Kunst ein. „Künstlerisches Denken wird für alle Menschen und Lebensbereiche wichtiger, weil es eine grenzenlose und verbindende Dimension offenbart. Es ist wichtig, mit Kunst Zeichen zu setzen, um immer wieder daran zu erinnern, welche Kraft und Möglichkeiten gemeinschaftliches Denken und Handeln haben. Es ist die Lebensgrundlage für das Glück jedes Einzelnen“, ist Zinner überzeugt.

„Mit welchen Inhalten fülle ich mein Herz?“

Gerade öffentliche Plätze würden ungewohnte Perspektiven entwickeln, Zinner nützt sie mit ihren aussagekräftigen und anmutenden Herzen. Ihre Objekte im öffentlichen Raum und Installationen in leeren Auslagen lassen die Sinne erwachen. Zinner arbeitet mit vorhandenen Materialien. Ihre mit Müll befüllten Herzen haben einen tiefen Hintergrund: „Die Auswahl der Materialien erinnert an unsere Lebenseinstellung. Mit welchen Inhalten fülle ich mein Herz? Was brauchen wir nicht mehr und landet im Müll?“

„Kunst-Schatz-Suche“ bis „Kunst-Advent“

Bei drei Kunstspielen, Vernetzen, Finden und Hinterlassen von Herzen, können Besucher Kunst erleben und aktiv an Kunstprozessen teilhaben. Das erste Kunstspiel-Objekt ist vor dem „Torhaus“ installiert, die anderen folgen in Kürze. Im Rahmen der Kunstspiele ist für 25. und 26. September eine „Kunst-Schatz-Suche“ geplant. Teilnehmer begeben sich auf die Suche „ihres“ Herzens, können eines von zwei Kunstwerken finden. Schatzkarten zur Teilnahme liegen im „Torhaus“ auf. Tatjana Zinner hat für ihr neuestes Projekt Künstler aus der Region eingeladen: Herbert Forstner, Dieter Helm, Walter Schnabl, Christoph Sorgner und Myriam Urtz steuern Objekte bei. Vertreten sind auch zwei Künstler aus dem Burgenland und einer aus Syrien.

Bereits vorhandene Herzen werden von den Künstlern auch zum Kauf angeboten. „In diesen Zeiten ist es wichtig, Menschen mit Kultur Abwechslung zu bieten und einen Impuls mit auf den Weg zu geben. Mit diesem Projekt unterstützt man auch die regionale Kunst und die regionale Wirtschaft“, sagt Zinner. Sie möchte auch in Zukunft verstärkt in der Region mit Gemeinden und Unternehmen zusammenarbeiten. Zu dem Zweck wurde auch die regionale Impuls- und Kommunikationsplattform für Kunstinteressierte, „ARTus!“ gegründet. Ein Herz wurde von Heini Staudinger (Gea) bereits angekauft.

Ende November soll das Projekt in den „Kunst@Advent“ münden. Dabei sollen als Highlights von Helm (Raum, Ton) und Gottfried Pfeiffer (Licht) in den historischen Gewölberäumlichkeiten Zisterne und Karner zwei Raum-Klang-Installationen umgesetzt, und damit die Möglichkeit für Kunstspaziergänge erweitert werden.

Motiv für Liebespärchen

Tatjana Zinner erhält Unterstützung von der Stadtgemeinde Weitra. Sie habe bewiesen, dass sie „ein Gespür dafür hat, was man in Weitra machen kann“, sagt VP-Vizebürgermeisterin Petra Zimmermann-Moser: „Im Vorjahr hat sie ein hervorragendes Kunstprogramm am Adventmarkt angeboten und so ist die Idee entstanden, mit ihr zusammenzuarbeiten. Tatjana ist eine großartige Künstlerin, die versucht, aktuelle Themen mit der bildenden Kunst umzusetzen.“

Applaus kommt auch von Bürgermeister Patrick Layr: Die Herzen würden zunehmend zum Fotomotiv von Touristen – und immer öfter auch von Liebespärchen.