Waldviertel

Erstellt am 08. Februar 2019, 05:54

von Markus Lohninger

Gmünder Arbeitsmarkt verpasste Digitalisierungs-Welle. Arbeitsmarkt in Bezirk Gmünd hinkt bei Digitalisierung extrem nach.

Symbolbild

Straßen und Gehsteige in großen Teilen des Gmünder Bezirkes stehen seit zwei Jahren im Zeichen von Baustellen zur Fertigstellung des Breitband-Pilotprojektes des Landes NÖ, zugleich sorgten in der Bezirkshauptstadt vor wenigen Wochen die bundesweit ersten aktiven Mobilfunk-Sendemasten mit 5G-Technologie für Aufsehen. Der Schwung kommt offenbar gerade noch rechtzeitig: Einer mit 1. Februar online gegangenen Studie des Wirtschaftsforschungs-Institutes zufolge hat der Gmünder Bezirk nämlich die Digitalisierungs-Welle bisher völlig verpasst.

Bundesweit waren der Studie zufolge im Untersuchungszeitraum 2017 immerhin 19,7 Prozent aller unselbsständig Erwerbstätigen in hoch digitalisierten Branchen beschäftigt – im Bezirk Gmünd lag der Anteil jedoch bei lediglich 7,6 Prozent.

Eindeutiges Schlusslicht auch im Waldviertel

Bundesweit gab es damit nur einen Bezirk, dessen Arbeitsmarkt noch weniger von der Digitalisierung profitierte, und das war Jennersdorf am äußersten Zipfel des Burgenlandes mit 7,4 Prozent. Horn und Zwettl liegen jeweils über zehn, Waidhofen und Freistadt über 15 Prozent.

Negative Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt konnten die Studienautoren nicht feststellen, eher das Gegenteil. „Die Beschäftigung wuchs in hoch digitalisierten Branchen in allen Bundesländern seit 2010 stärker als die Gesamtbeschäftigung“, heißt es in der Studie, die im Internet unter der Kurzadresse https://bit.ly/2UD4CwR abrufbar ist.

Die Nettoeffekte eines höheren Digitalisierungsgrades der Wirtschaft auf die Gesamtbeschäftigung eines Ortes seien positiv, „wobei Regionen außerhalb der Zentren – bei entsprechender Ausstattung mit Humankapital – sowie die stärker von der Industrie geprägten Bundesländer besonders von einer hoch digitalisierten lokalen Wirtschaft profitieren dürften“.

Darin sieht Michael Preissl, Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer Gmünd, die Chance für den aktuellen Nachzügler.

„Wir sind ein traditionell starker Industriebezirk. Und wir haben durch die Handelsakademien, die HTL in Karlstein oder die Ausbildungsmöglichkeiten in Krems auch die Menschen mit der nötigen Grundausbildung in Reichweite“, sagt Preissl zur NÖN: „Entwickeln sich dank Digitalisierung zusätzliche Arbeitsplätze, dann sind das neue Chancen für gut ausgebildete Arbeitskräfte, bei uns die Berufskarrieren starten zu können.“

AK- & WKO-Bezirkschefs: Schub durch Breitband

Betriebe wie NBG und Internex in Gmünd oder RZA in Amaliendorf, aber auch Dienstleister in etlichen weiteren Branchen sind seit Jahren im digitalen Sektor verankert, mussten für grundsätzliche Infrastruktur hohe Investitionen tätigen. Breitband-Technologie ermögliche ihnen nun das Vordringen in neue Bereiche, die Erhöhung der Service-Qualität oder deutlich reduzierten Aufwand für den „Support“ beim Kunden. Das wiederum ermögliche Wachstum, zusätzliche Beschäftigung und das Entstehen neuer Betriebe, ist Preissl überzeugt.
Aktuell seien hochdigitalisierte Bereiche bei uns tatsächlich mit wenigen Ausnahmen noch wenig ausgeprägt, kann sich Wirtschaftskammer-Bezirksobmann Peter Weißenböck die unterdurchschnittliche Beschäftigungs-Dichte im Bezirk erklären. „Digitalisierung ist noch nicht wirklich ein großes Thema“, sagt er. Weißenböck verspricht sich durch die aktuellen technischen Innovationen aber genauso wie Preissl einen kräftigen Schwung. Und, zur Frage des in der Studie genannten „Humankapitals“: „Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Beschäftigten ist in der Branche heute schon da, sie kann relativ schwer gedeckt werden. Aber das ist heute in fast jeder Branche so…“

Beim AMS nimmt der Bezirksgeschäftsstellen-Leiter Gerhard Ableidinger bei höheren digitalen Berufen weder nennenswerte Arbeitslosigkeit noch nennenswertes Arbeitsplatz-Angebot wahr. „Die Suche dürfte bei Betrieben und Beschäftigten eher auf individueller Ebene geschehen“, glaubt Gerhard Ableidinger. Eine große Hoffnung regionaler Entscheidungsträger zerstreuen die Studienautoren indes.

Wifo sieht Bedarf für Entwicklungs-Strategie

Eine bessere Breitband-Infrastruktur schlage sich nämlich, wie es heißt, wesentlich geringer auf die Bevölkerungs-Entwicklung einer Region nieder, als bisher angenommen. Möglichkeiten wie Teleworking seien kein wirkliches Mittel gegen Abwanderung.

Die Breitband-Strategie müsse vielmehr in eine ganzheitliche Entwicklungs-Strategie für ländliche Regionen eingebettet werden, sagte Studienautor Matthias Firgo vorige Woche bei der Präsentation der Ergebnisse, „sodass auch andere wesentliche Infrastrukturbereiche in ausreichender Qualität vorhanden sind, wie öffentliche Nahversorgung, öffentlicher Verkehr oder Kinderbetreuungsplätze“.