Kammervertreter: „Kunden können differenzieren“. Waldviertler Kammervertreter: Glaubwürdigkeit von Regionalbanken in überregional starken Netzen steigt.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 06. August 2020 (06:00)
Franz Pruckner (Waldviertler Sparkasse; li.) und Johann Pollak (Raiffeisenbank Oberes Waldviertel) wurden als einzige Waldviertler Banker in die Interessensvertretung der WKNÖ wiedergewählt. Parallel dazu wirbelten aktuelle Ereignisse rund um die Commerzialbank mächtig Staub auf.
Wirtschaftskammer

Als die Direktoren Franz Pruckner und Johann Pollak am 14. Juli als einzige Waldviertler Banker in die Interessensvertretung der Sparte Bank & Versicherungen der Wirtschaftskammer NÖ bestätigt wurden, musste das Gesprächsthema nicht lange gesucht werden. Es handelte mal ausnahmsweise nicht nur von Corona: Es ging um die zeitgleich durch die Finanzmarktaufsicht (FMA) eingeleitete Schließung des Geschäftsbetriebes in der Commerzialbank Mattersburg. Die FMA beantragte ein Konkursverfahren über die Bank, bei der auf unklare Weise gut 500 Millionen Euro an Kundengeldern abhandengekommen sein sollen.

„Leute können sehr wohl differenzieren“

Natürlich sei die Sicherheit mit Blick auf Mattersburg im Kundengespräch aktuell oft ein Thema, räumen Pruckner, Vorstandsvorsitzender der Waldviertler Sparkasse mit Sitz in Zwettl, und Pollak, Geschäftsleiter der Raiffeisenbank Oberes Waldviertel (RBOW) mit Sitz in Schrems, zwei Wochen später ein. „Das geschieht aber aus Interesse, nicht aus Sorge“, sagt Pollak. Und Pruckner: „Genau in dieser Phase konnten vor allem Sparkasse und Raiffeisen mit ihrer Glaubwürdigkeit punkten.“ Die Menschen würden sehr wohl zwischen regionalen, in ein starkes überregionales Netz eingebetteten Banken sowie kleinen, für sich alleine stehenden Häusern unterscheiden, analysieren Pruckner und Pollak, die zusammen für mehr als 100.000 Konten von Kunden unterschiedlichster Einlagenhöhe die Verantwortung tragen.

Wie steht es um die Einlagen-Sicherheit?

Einlagen bei österreichischen Kreditinstituten bis zu 100.000 Euro pro „natürlicher oder juristischer Person“ und Bank sind garantiert. Erste und Sparkasse gewähren das über die gemeinsame und staatlich geprüfte S-Haftungs GmbH, deren Aufsichtsrat Franz Pruckner angehört. Alle anderen Institute zahlen in den gemeinsamen Fonds der Einlagensicherung Austria GmbH (ESA) ein – aus dem im Fall des Zusammenbruchs einer Bank die garantierten 100.000 Euro pro Person gedeckt werden. Reicht die Fondssumme nicht aus, müssen die anderen Institute Geld zuschießen. Alleine die RBOW zahle in den Topf an die 500.000 Euro jährlich ein, betont Johann Pollak: „Keine andere Branche muss für Sanierungen von Mitbewerbern mitzahlen.“

Innerhalb der S-Haftungs GmbH gibt es laut Franz Pruckner regelmäßige Stresstests. Die bis zu 100.000 Euro an Einlagen für jedes Konto müssen dann binnen fünf Tagen ausgezahlt werden können.

Das Risiko trifft die eher vermögenden Bankkunden

Privatkunden bei einem österreichischen Institut mit Einlagen von bis zu 100.000 Euro müssen sich aktuell also keine Sorgen machen. Über alles Geld jenseits dieser Marke gibt es im Insolvenzfall keine rechtlich verankerten Garantien, Einleger könnten darum komplett umfallen.

Das ist in der Causa der kleinen privaten Commerzialbank das Problem – anders als innerhalb der großen Bankenverbände, wie Pruckner und Pollak für Sparkasse & Raiffeisen betonen.

Bankenverbände intern solidarisch

Wenn innerhalb ihrer Verbände wirklich einmal ein Institut ins Straucheln komme, dann müssten alle anderen zusammenhelfen, um auch sämtliche Einlagen über 100.000 Euro zahlen zu können, betonen sie: Kein Kunde einer Raiffeisenbank oder Sparkasse habe daher bisher einen Schaden erlitten.

„Probleme einer Bank dürfen nie zulasten des Kunden gehen. Im Raiffeisen-Sektor würde in einem solchen Fall die bewährte Solidarität untereinander zum Tragen kommen“, sagt Pollak. Pruckner spricht für Sparkasse/ Erste von einem Haftungsverbund, der allfällige Turbulenzen einer Bank abfedern würde. Der Mechanismus laufe in beiden Verbänden intern und aus freien Stücken – zum Schutz aller.

„Vertrauen ist offenbar groß“

Alleine der Waldviertler Sparkasse vertrauen laut Pruckner knapp 2.000 Großkunden Beträge im zumindest sechsstelligen Bereich an. Pollak spricht von „gar nicht wenigen neuen Kunden, die plötzlich mit mehreren Hunderttausend Euro zu uns wechseln. Das Vertrauen in Raiffeisen ist offenbar groß.“

Kein Großkunde habe aktuell ohne konkreten Anlass – etwa eine Investition – hohe Einlagen abgezogen, betonen Waldviertler Sparkasse und RBOW.