Bauernbundobmann Andreas Pum: „Es braucht Aufschrei“. Andreas Pum über seine Zeit als Bauernbundobmann und Sorgen der Landwirte.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 05. März 2019 (04:00)
Knapp

NÖN: Sie waren zehn Jahre Bezirksbauernbundobmann. Wird Ihnen diese Funktion fehlen?
Pum: Ich bin damals mit dem Slogan „Denken in Generationen, leben mit Traditionen für eine Zukunft mit Visionen“ gestartet, weil ich glaube, dass Politik nicht nur auf eine Periode ausgerichtet sein darf, sondern zukunftsweisend sein muss. So habe ich es immer gehalten und ich sehe meine Arbeit im Rückblick positiv. Wir haben in diesen zehn Jahren viel erreicht, wie zum Beispiel eine höhere Wertschätzung der Regionalität und Qualität der heimischen Produktion durch die Konsumenten. Ich hatte viele Mitstreiter und habe viele persönliche Freundschaften geschlossen. Dieses gemeinsame Engagement für die Sache wird mir natürlich fehlen. Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass der Umgang der Partei mit Funktionären manchmal doch Wertschätzung vermissen lässt. Und das Modell der Direktwahl stellt die große Familie ÖVP immer wieder auf den Prüfstand.

Sie haben aber selbst entschieden, nicht mehr als Bezirksbauernbundobmann zu kandidieren?
Pum: Ja, es hätte keinen Sinn gemacht, weil ich politisch den Bezirk nicht mehr in der vollen Intensität abdecken kann. Ich habe in der Region bei Treffen und Zusammenkünften immer viel Unterstützung erfahren, letztlich reichte es aber nicht für ein Mandat. Für den Westen des Bezirks ist das schade, weil er nun von ÖVP-Seite keinen politischen Vertreter im Land hat.

Wie sieht Ihre politische und berufliche Zukunft aus?
Pum: Politisch werde ich mich natürlich vor allem auf St. Valentin konzentrieren, wo ich ja Stadtrat bin. Beruflich wird der Ausbau meines eigenen landwirtschaftlichen Betriebs (Schweinemast) im Mittelpunkt stehen. Natürlich habe ich in meinen Jahren in der Politik ein breites Netzwerk aufgebaut. Da gibt es interessante Angebote und ich schließe nicht aus, dass ich künftig in einem anderen Bereich tätig werde.

Was waren rückblickend gesehen die „Highlights“ Ihrer Obmannschaft.
Pum: Es waren insgesamt zehn sehr intensive Jahre, in denen man auch manchmal ein dickes Fell brauchte. Eingestiegen als Bezirksbauernbundobmann bin ich ja gleich mit dem Milch-Boykott im Jahr 2008. Da gab es heiße Diskussionen. Immerhin haben wir ein Fünftel der niederösterreichischen Milchproduktion im Bezirk. Damals gab es einen enormen Riss in der Bauernschaft. Letztlich hat sich aber gezeigt, dass der Weg der Zusammenarbeit mit den Genossenschaften der richtige war. Die letzten zehn Jahre waren allgemein von der Diskussion über die Einkommenssituation der Bauern geprägt und von der Frage, wie zusätzliche Leistungen der Landwirte im ländlichen Raum abgegolten werden können. Da hat es zum Beispiel mit dem Investprogramm durchaus politische Erfolge gegeben. Es hat sich aber auch klar gezeigt, dass unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft nur in der Regionalität eine Chance hat. Unsere Hauptaufgabe war, den Markt für die heimischen Produkte abzusichern und den Konsumenten klar zu machen, welchen Wert Regionalität und Qualität haben. Das ist uns auch gelungen, durch das AMA-Gütesiegel zum Beispiel.

Die Bauern stehen aber trotzdem im internationalen Wettbewerb.
Pum: Der Großteil produziert für den großen Markt und steht daher unter enormem Preisdruck. Es wird immer schwieriger, die Produktion im Land und damit die Versorgungssicherheit der Bevölkerung zu erhalten. Eine Folge davon ist auch der Strukturwandel, den wir erleben. In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Betriebe im Bezirk um 25 Prozent gesunken und diese Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Viele Landwirte versuchen auch, sich Nischen zu erschließen – Direktvermarktung, Obst, Mostheurige, Kürbis- oder Speiseeis- oder Lavendelproduktion sind da Beispiele dafür.

Was muss der Bauernbund künftig vor allem tun?
Pum: Auf Preisgerechtigkeit pochen. Die Bauern haben jetzt Einkommen wie im Jahr 2013, das ist nicht fair und lässt nicht genügend Investitionen in die Betriebe zu. Da braucht es noch einen viel stärkeren politischen Aufschrei.