Musikschulen im Lockdown: „Man muss Abstriche machen“. Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Marlene Ortner. Erstellt am 14. April 2021 (05:29)
Felix Dorfmayr spielt Posaune und Schlagzeug. Der 16-Jährige ist auch Mitglied der Musikkapelle Ernsthofen und spielt in der Big Band sowie in Ensembles der Musikschule mit. Während des Lockdowns übt er gleich viel wie in Präsenz-Phasen. 
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Markus Schmidbauer ist seit 20 Jahren bei der Musikschule Oberes Mostviertel tätig und seit acht Jahren Leiter. Herausforderungen, wie sie die Corona-Pandemie mit sich brachte, sind aber auch für den Haager neu. „Im ersten Lockdown haben wir zuerst etwas experimentiert. Allerdings haben wir dann schnell alles auf SchoolFox umgestellt!“, erklärt der Musikschulleiter. Die App kennen bereits viele aus der Schule und daher fiel die Verwendung den meisten von Beginn an nicht schwer.

„Es ist natürlich kein eins zu eins Präsenzunterricht, man muss Abstriche machen und die Einschränkungen akzeptieren“, betont Schmidbauer, dass der Online-Unterricht ganz gut funktioniere. Der Kontakt zur Musikschule bleibe dadurch erhalten, worüber viele Eltern sehr dankbar seien, da der Unterricht einen Fixpunkt für ihre Kinder in einer sonst so unsicheren Zeit darstellt. Allerdings rechnet man trotzdem mit einem geringen Rückgang der Schülerzahlen.

„Viele Schüler haben auch beim Online-Unterricht große Freude und üben sehr brav“, erzählt der Musikschulleiter. Im September und Juli letzten Jahres konnten auch einige Prüfungen erfolgreich durchgeführt werden. „In diesem Jahr hatten wir insgesamt dreizehn Prima la Musica-Teilnehmer, einer davon darf sogar zum Bundeswettbewerb fahren. Das freut uns natürlich sehr“, erklärt Schmidbauer.

Dietmar Winkler ist seit 30 Jahren Musikschulleiter des Musikschulverbandes Haidershofen-Ernsthofen-Behamberg und spielt selbst E-Bass und Posaune. Aufgrund der Corona-Pandemie musste sich auch seine Musikschule umstellen und neu strukturieren. „Der Unterricht im Lockdown wird über Skype oder Zoom abgehalten. Dabei können Einzelstunden relativ gut gestaltet werden. Das funktioniert erschreckend gut“, erklärt Winkler. Allerdings fehle der Gruppenunterricht in Präsenz und der persönliche Austausch untereinander.

„Gemeinsames Musizieren verbindet und fördert die Motivation. Vor allem für jüngere Kinder ist es ein wesentlicher Bestandteil der musikalischen Ausbildung“, betont der Musikschulleiter. Die meisten Schüler sind sehr gewillt und freuen sich auf die digitalen Unterrichtsstunden. Mittlerweile funktionieren diese auch sehr gut. „Im ersten Lockdown mussten das Bild und der Ton einmal bei allen Schülern richtig eingerichtet werden und auch alle Lehrer mussten sich einmal zurechtfinden“,sagt Winkler.

Hoffnung auf Auftritte treibt die Motivation an

Als dauerhafte Lösung sieht der Musikschulleiter den Online-Unterricht natürlich nicht an. Vor allem Auftritte seien wichtig für die Motivation der Kinder und Jugendlichen. Dabei hatte der Musikschulverband im letzten Jahr Glück in der Planung, da zu den für Auftritte geplanten Zeitpunkten im Herbst Präsenz-Unterricht möglich war. „Ich bin auch den Eltern und Kindern und Jugendlichen sehr dankbar, dass sie sich schnell umgestellt haben und uns die meisten Lernenden in der Musikschule erhalten geblieben sind“, erklärt Winkler. An die hundert Musikschüler wollen Mitte Mai bis Anfang Juni ihre Übertrittsprüfungen machen. „Die Hoffnung, dass bald wieder Auftritte und Konzerte stattfinden können, ist natürlich groß und treibt die Motivation der Schüler an“, stellt der Musikschulleiter klar.

Einer, der den Online-Unterricht nutzt, ist der 16-jährige Felix Dorfmayr aus Ernsthofen. Seit ungefähr sieben Jahren spielt er Posaune und Schlagzeug, im Moment bereitet er sich auf die Prüfung für das silberne Leistungsabzeichen auf der Posaune vor. „Ich übe während des Lockdowns eigentlich gleich viel wie in Präsenz-Phasen“, erzählt der HTL-Schüler. Vor allem beim Schlagzeugspielen vermisst Dorfmayr allerdings den Unterricht in der Musikschule. „Über Skype funktionieren die Musikstunden meistens gut, manchmal hängt das Internet etwas, aber das kann man meist schnell beheben.“

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