Biomasse: „Brauchen eine Übergangslösung“. Fällt die Ökostromnovelle, gibt es auch für das nicht geförderte Werk in Ernsthofen, das weiter bestehen soll, keinen Ausweg.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 12. Februar 2019 (05:16)
ÖVP
Für Landtagsabgeordneten Anton Kasser und Nationalrat Andreas Hanger (von links) wäre das Aus der Ökostromnovelle angesichts der großen Menge an Schadholz „kurzsichtig und grob fahrlässig“.   F

Die Ökostromnovelle, die im Jänner im Nationalrat mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit von ÖVP, FPÖ und NEOS beschlossen wurde, steht vor dem Aus. Verweigert die SPÖ am Donnerstag wie angekündigt im Bundesrat die Zustimmung, sind österreichweit 47 Biomasseanlagen – darunter 14 in Niederösterreich wie etwa die Anlage bei der Firma Umdasch in Amstetten – gefährdet. Sie würden die Ökostromförderung verlieren, eine generelle Neuregelung der Förderung von erneuerbaren Energien ist aber erst für 2020 geplant.

„Nein zu Biomasse heißt Ja zu Atomstrom“

„Die Auswirkungen wären fatal, wenn die SPÖ nicht mitstimmt. Wer dagegen ist, ist für Kohle und Atom“, griff ÖVP-Bezirksparteiobmann Andreas Hanger im Rahmen einer Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag zu deutlichen Worten. Weniger CO2-Ausstoß, eine erhöhte Netzstabilität, da Biomasseanlagen im Vergleich zu Wind- und Wasserkraftanlagen unabhängig von Jahreszeit und Witterung sind, eine geringere Auslandsabhängigkeit und die Sicherung von Arbeitsplätzen würden eindeutig für Biomasse sprechen, betonte Hanger.

Das sieht auch Landtagsabgeordneter Anton Kasser so. „Ich beschäftige mich seit 30 Jahren mit dem Thema. Immer überparteilich, weil Klima keine Parteigrenzen kennt. Das Thema parteipolitisch zu missbrauchen, ist richtig dumm“, sparte auch er nicht mit Kritik. Gerade derzeit, wo durch Borkenkäferschäden, Windwurf und Schneedruck enorme Schadholzmengen anfallen, seien Biomasseanlagen unverzichtbar.

900 bis 1.000 Kubikmeter Hackschnitzel pro Tag

Negative Auswirkungen hätte das Aus der Ökostromförderung auch auf das Biomasseheizkraftwerk in Ernsthofen. Dieses ist zwar zu wenig effizient, um in die Förderkriterien zu fallen, soll aber nach 13 Jahren trotzdem weiter bestehen. „Der Beschluss am Donnerstag ist die Grundvoraussetzung, dass wir uns überhaupt für einen Weiterbestand des Werks einsetzen können. Ich würde mir da und dort eine Ausnahmeregelung als Übergangslösung wünschen“, erklärt Bürgermeister Karl Huber.

Eine Idee, die auch Bezirksbauernbundobmann Andreas Pum am Herzen liegt, denn im Ernsthofner Werk werden zwischen 900 und 1.000 Kubikmeter Hackschnitzel pro Tag verwertet. Es versorgt drei Firmen im Betriebsansiedlungsgebiet Ernsthofen ebenso mit Wärme wie die St. Valentiner Großbetriebe CNH, Engel und Magna. „Die Firma Magna hat vor 13 Jahren eine große Investition getätigt und spezielle Versorgungsleitungen von Ernsthofen nach St. Valentin installiert und so einen wesentlichen Beitrag für die Umwelt geleistet. Es konnten dadurch in diesen Jahren rund 40.000 Tonnen CO2 eingespart werden“, gibt Karl Huber zu bedenken.

Gemeinsame Suche nach einer Lösung

Die Verträge mit den Kunden laufen Ende Mai aus. Die Werke in St. Valentin könnten wieder an die bestehenden Gasleitungen anschließen, für die Betriebe in Ernsthofen müsste man aber in neue Leitungen investieren. „In Wahrheit sind alle daran interessiert, dass die Anlage weiterläuft. Das liegt im Interesse von Gemeinde, Betreiber, Landwirtschaft und Industrie“, erklärt Andreas Pum. Ziel sei es, die Wärmenutzung im Sommer zu steigern.

„Mit welchen Ideen auch immer“, stellt Andreas Pum klar.
Er wird diese Woche Gespräche mit der EVN, die das Werk betreibt, führen. Erste Gespräche mit der Nachbargemeinde St. Valentin hat Karl Huber auch bereits geführt. „Natürlich muss man schauen, dass man eine umweltfreundliche Lösung findet“, erklärt SPÖ-Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr .