Lebenswerk vernichtet: fünf Millionen Schaden. Technischer Defekt bei LED-Lampen Ursache für Brand bei Auto & Reifen GmbH in St. Valentin. Betrieb wird weitergeführt, Halle neu aufgebaut. Grundwasser wird untersucht.

Von Ingrid Vogl und Karl Fuchs. Erstellt am 11. August 2014 (11:32)
Die Trümmer einer Existenz. Der verheerende Brand vernichtete das Reifenlager und verursachte einen Gesamtschaden in Höhe von mindestens fünf Millionen Euro. Foto: Fuchs
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Eine Million Liter Löschwasser, 10.000 Liter Schaum und 3.000 Kilo Löschpulver. Eine 300 Meter hohe Rauchsäule, die bis zu 40 Kilometer weit zu sehen war. Ein Gesamtschaden von mindestens fünf Millionen Euro. Nackte Zahlen, die die Dimension des Großbrandes, der am Montagabend in der Auto & Reifen GmbH im Gewerbepark St. Valentin ausgebrochen war, mehr als deutlich machen.

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„Der Brand hat mein ganzes Lebenswerk zerstört, das ich mir in den vergangenen 33 Jahren mit meinem Geschäftspartner aufgebaut habe“, war das Entsetzen bei Geschäftsführer Günther Kneidinger verständlicherweise groß. Obwohl das Feuer rasch bemerkt wurde, war die Katastrophe nicht mehr zu verhindern gewesen.

Brand breitete sich extrem rasch aus

Der Brand war gegen 19 Uhr im Bereich des Reifenlagers ausgebrochen und breitete sich schnell auf das gesamte Firmengebäude aus. Nachdem die Alarmanlage im Gebäude einen Einbruchsalarm ausgelöst hatte, hielt Günther Kneidinger Nachschau und stellte dabei bereits Rauchaustritt im Dachbereich des Reifenlagers fest. Mehr als einige wenige persönliche Gegenstände aus dem Wohnbereich und einen Stapler aus dem Werkstättenbereich konnte er aber nicht mehr retten.



Mehr als zehn Notrufmeldungen waren in der Zwischenzeit in der Bereichsalarmzentrale der Feuerwehr Amstetten eingegangen, denn die schwarze Rauchsäule war bis nach Amstetten und Linz sichtbar. 18 Feuerwehren mit rund 300 Mann und 50 Einsatzfahrzeugen aus Ober- und Niederösterreich kämpften wenig später gegen die Flammen. Auch ein ferngesteuerter Löschroboter kam zum Einsatz.

Die notwendigen, großen Mengen Löschwasser wurden vom Ennskanal, von acht Hydranten und zahlreichen Tanklöschfahrzeugen entnommen. Erst nach mehr als 24 Stunden konnte „Brand aus“ vermeldet werden. Die Lagerhalle wurde komplett vernichtet, ebenso 36.000 Reifen.

Bevölkerung wurde via Ö3 gewarnt

Die Bevölkerung war durch den Großbrand nicht direkt gefährdet. Als Sicherheitsmaßnahme wurden die Anrainer am Montag gegen 21 Uhr zwar von der örtlichen Einsatzleitung via Ö3 aufgefordert, Fenster und Türen wegen der großen Aschewolke und wegen des giftigen Rauches zu schließen. Diese Aufforderungen bekam aber nur ein Bruchteil mit.

„Ich war bis halb drei Uhr früh vor Ort. Dass es eine Warnung gegeben hat, habe ich erst im Nachhinein gehört“, erklärte etwa Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr. Nachdem der Rauch aufgrund günstigen Windes kerzengerade aufgestiegen war, hielt sich die Gefahr ohnehin in Grenzen.

Technischer Defekt bei Lampen als Ursache

Die Brandursache war anfangs noch unklar. Brandstiftung wurde von den Brandermittlern jedoch rasch ausgeschlossen. Untersuchungen des Landeskriminalamtes NÖ gemeinsam mit einem Brandsachverständigen des Bundeskriminalamts ergaben letztendlich einen technischen Defekt einiger LED-Lampen im Reifenlager als Auslöser.

Trotz der Brandkatastrophe hat Günther Kneidinger den Blick bereits wieder nach vorne gerichtet. „Wir werden in zwei Monaten in St. Valentin einen Notbetrieb aufnehmen. Das Übrige wird im Filialbetrieb Marxrieser in Strengberg gemacht. Im Frühjahr 2015 wird für unsere Kunden dann ein neuer Betrieb zur Verfügung stehen“, betonte er.

Kneidinger hat auch ein Versprechen für jene Kunden parat, deren gelagerte Winterreifen samt Felgen verbrannt sind: „Alle Kunden kommen auf alle Fälle zu ihrem Recht. Wir sind gerade dabei, jeden einzelnen Kunden brieflich anzuschreiben, wie die Abwicklung erfolgen wird.“

„Wahrscheinlich mit blauem Auge davongekommen“

Die größte Sorge bereitet dem Geschäftsführer, ob die Versicherungssumme von fünf Millionen ausreichen wird, da die Umweltschäden in der Umgebung noch nicht wirklich bekannt sind. Dahingehend dürfte er aber noch Glück im Unglück gehabt haben. „Wir sind wahrscheinlich mit einem blauen Auge davongekommen. Zum Glück ist das meiste Löschwasser über das Kanalsystem abgeflossen und in die Kläranlage geflossen“, gab Umweltstadtrat Leopold Aschauer Entwarnung. Ins selbe Horn stößt Stadtrat Andreas Pum.

„Man kann davon ausgehen, dass nichts passiert ist. Die Kläranlage ist voll in Betrieb. Wir haben Spezialmittel verwendet, damit die Biologie nicht vernichtet wird“, fasste er die Situation zusammen. Die Belastung für die Kläranlage war jedenfalls enorm. Die 1.000 Kubikmeter Löschwasser entsprechen nämlich der Menge, die üblicherweise täglich an Zufluss in die Kläranlage kommt.

Grundwasser wird nun genau untersucht

Obwohl keine Probleme gemeldet wurden und kein konkreter Verdacht besteht, wird das Grundwasser in St. Valentin nun genau untersucht.

„Wir haben veranlasst, dass Sonden gesetzt werden und Proben entnommen werden. Das ist Standard und eine reine Sicherheitsmaßnahme. Bei so großen Mengen Löschwasser muss man das anschauen“, betonte Bezirkshauptmann Martina Gerersdorfer. In voraussichtlich ein bis zwei Wochen werden die Proben ausgewertet sein.