Kein Arzt seit Jahresbeginn. Dass die Kassenstelle von Walter Irauschek noch nicht nachbesetzt ist und es in Haidershofen derzeit keinen Hausarzt gibt, löste einen Disput zwischen FPÖ und ÖVP aus.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 21. Januar 2020 (04:34)
Edith Mühlberghuber gibt dem Bürgermeister die Schuld für den fehlenden Hausarzt.
FPÖ

Seit dem 1. Jänner ist Allgemeinmediziner Walter Irauschek in Pension. Ein Nachfolger für die Kassenstelle des Hausarztes wurde aber noch nicht gefunden. Somit steht die Gemeinde derzeit ohne Arzt da. Ein Umstand, der im Wahlkampf für die bevorstehende Gemeinderatswahl natürlich nicht unberücksichtigt blieb. Für die FPÖ war der Schuldige an der Situation nämlich schnell gefunden: Bürgermeister Manfred Schimpl (ÖVP).

„Bürgermeister hat zwei Jahre verschlafen“

„Die Bürger sind gezwungen, dass sie nach Steyr, St. Valentin oder Haag ausweichen, weil man in der Nachbargemeinde Behamberg auch keine Patienten mehr nimmt. Dass es in einer Großgemeinde mit 3.600 Einwohnern keinen Arzt gibt, ist nicht verständlich. Das hat Bürgermeister Schimpl verbockt. Er hat zwei Jahre verschlafen“, greift Nationalratsabgeordnete und FPÖ-Bezirksparteiobfrau Edith Mühlberghuber zu deutlichen Worten. Schimpl habe sich zu sehr darauf verlassen, dass ein großes Gesundheitszentrum kommt, ist Mühlberghuber überzeugt.

„Aber wer setzt sich schon in eine alte Blechhütte“, kritisiert sie. Das angesprochene Vitalzentrum, das Ewald Wartecker in Eigenregie um 1,2 Millionen Euro im ehemaligen und nunmehr leer stehenden Betriebsgebäude der Wartecker Immobilien GmbH im Ortszentrum von Haidershofen errichten wollte, platzte im Vorjahr aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Ärzte, die eingezogen wären, gab es auch nicht.

Bürgermeister Manfred Schimpl (ÖVP) weist alle Vorwürfe strikt zurück.
Vogl

Stattdessen wird nun die Raika ein neues Gebäude errichten, in dem die für das Vitalzentrum bereits fix gewesene Apotheke und eine Praxis für den neuen Arzt beheimatet sein werden. Und das ist für die Freiheitlichen der nächste Kritikpunkt. „Was bringt eine Apotheke, wenn ich keinen Arzt habe? Und wenn wir jetzt eine Apotheke bekommen, dann wird es nie einen Hausarzt mit Hausapotheke geben. An einem anderen Standort wie etwa in Vestenthal wäre eine Hausapotheke aber möglich gewesen“, betont Mühlberghuber.

Das sei nicht korrekt, weil Vestenthal nicht außerhalb der Zone für eine weitere Apotheke liege, widerspricht Bürgermeister Manfred Schimpl, der sich die Schuld für den fehlenden Arzt nicht in die Schuhe schieben lassen will. „Dass ich nichts getan habe, ist eine grobe Unterstellung. Wenn wer nichts getan hat, dann war es die Frau Nationalrätin. Ich würde mir schon erwarten, dass ich von ihr einmal Unterstützung kriege“, spielt Schimpl den Ball an Mühlberghuber zurück.

Dass es keinen Hausarzt in der Gemeinde gibt, damit steht Haidershofen ja momentan nicht alleine da. In Niederösterreich sind derzeit 25 Kassenstellen für Allgemeinmediziner unbesetzt, darunter auch Stellen in Ballungsgebieten oder größeren Städten. „Ich kann keinen Arzt anstellen. Die Nachbesetzung der offenen Stellen fällt in die alleinige Zuständigkeit von Ärztekammer und Österreichischer Gesundheitskasse. Natürlich können aber auch die keinen Arzt dazu zwingen, eine ausgeschriebene Stelle zu übernehmen. Und mehr als mich zu bemühen, kann ich nicht tun“, stellt Schimpl klar.

Bürgermeister ist nicht für Besetzung zuständig

Dass man sich nicht bemüht habe, einen Arzt zu finden, lässt der Ortschef nämlich nicht gelten und verweist auf die Ausschreibung, bei der man dem künftigen Arzt großzügige Unterstützung verspricht. So darf dieser die Detailplanung der neuen Räumlichkeiten übernehmen. Beschlossen ist auch bereits, dass die Gemeinde bis zu 100.000 Euro für die Errichtung der Praxis zur Verfügung stellt und zusätzlich in der Anfangsphase bei der Miete unterstützend eingreift.