Manfred Schimpl: Eine Katastrophe für die Region“. MAN-Belegschaft in Steyr stimmte gegen Übernahme. Auch in NÖ befürchtet man nun die Schließung des Werks.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 14. April 2021 (09:24)
Mit dem Ergebnis der Urabstimmung könnten die MAN-Mitarbeiter selbst die Schließung des Standortes in Steyr besiegelt haben. 63,9 Prozent der Mitarbeiter stimmten gegen eine Übernahme durch Investor Siegfried Wolf.
MAN Steyr, MAN Steyr

Im Vorjahr war bekannt geworden, dass MAN im Zuge eines riesigen Spar- und Umstrukturierungsprogramms tausende Stellen weltweit einsparen und das Werk in Steyr bis 2023 schließen will. Ende September kündigte MAN die Standortgarantie, die den Bestand des Unternehmens in Steyr bis zumindest 2030 sichern hätte sollen. Schließlich trat Ex-Magna-Chef Siegfried Wolf mit seiner WSA Beteiligungs GmbH als Interessent auf den Plan. Er wollte von der aktuell knapp 1.900 Personen zählenden Stammbelegschaft, von der rund ein Drittel aus Niederösterreich kommt, rund 1.250 Leute übernehmen. Denen hätte allerdings eine bis zu 15-prozentige Kürzung des Nettoeinkommens gedroht. Im Gegenzug hätte es Bleibeprämien von 10.000 Euro und einen Sozialplan gegeben.

In einer Urabstimmung hat die Belegschaft des Steyrer Werks nun in der Vorwoche gegen eine Übernahme durch Investor Siegfried Wolf gestimmt. 94 Prozent der 2.356 stimmberechtigten MAN-Mitarbeiter und Leasingkräfte nahmen teil. Sie votierten zu 63,9 Prozent mit „Nein“, zu 34,9 Prozent mit „Ja“, der Rest war ungültig. Wolf hätte sich „ungeteilte Zustimmung“ gewünscht, aber zumindest zwei Drittel angepeilt. Die MAN-Zentrale in München will das Werk, wo inklusive Leihpersonal rund 2.300 Leute beschäftigt sind, nun schließen.

„In der Konsequenz dieses Ergebnisses muss MAN die Schließungspläne für das Werk wieder aufnehmen, weil wir außer diesem Angebot des Investors Wolf keine Alternativen vorliegen haben, die es lohnt weiterzuverhandeln“, erklärte VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. In Konzernkreisen war die Rede von einer „Selbstmord-Wahl“ und einer „Wahl für die Schließung des Standorts“. Der Betriebsrat gibt sich nach wie vor kämpferisch, auch die Politik forderte weitere Gespräche. Offen ist, ob noch Chancen für das Projekt des „Green Mobility“-Konsortiums rund um den Industriellen Karl Egger (KeKelit) bestehen. Mit diesem hatte die Belegschaftsvertretung geliebäugelt, die MAN-Zentrale hatte es hingegen als zu wenig konkret abgetan und nicht ins Auge gefasst. Nach dem Votum in Steyr betonte ein Sprecher des Konsortiums, dass man natürlich jederzeit weiterhin zu Gesprächen mit MAN bereit sei.

Karl Josef Stegh, Bürgermeister von Behamberg.
Gemeinde, Gemeinde

Für die Region ist das Werk der MAN in Steyr „natürlich sehr wichtig“. „Da hängen nicht nur tausende Arbeitsplätze, sondern inklusive der Zulieferstruktur rundherum eine Wirtschaftsleistung von einer Milliarde Euro dran“, erklärte der designierte Wifo-Chef Gabriel Felbermayr, der selbst aus der Region Steyr-Land stammt. Auch in den angrenzenden niederösterreichischen Gemeinden, in denen viele MAN-Mitarbeiter wohnen und Häuser gebaut haben, hat man das Ergebnis der Abstimmung mit Bedauern aufgenommen. Für den Behamberger Bürgermeister Karl Stegh wäre es „tragisch“, wenn das Werk schließt.

Manfred Schimpl, Bürgermeister von Haidershofen.
NOEN

Haidershofens Ortschef Manfred Schimpl spricht sogar von einer „Katastrophe“. „Wenn so viele in der Gemeinde arbeitslos werden, hat das ja auch Auswirkungen auf die Gemeinde. Da hängt ein Rattenschwanz daran“, gibt Schimpl zu bedenken.