Fast 4.000 verloren ihren Job. Höchste Steigerung in NÖ: Ab Mitte März schossen im Mostviertel die Arbeitslosenzahlen in die Höhe.

Von Christian Eplinger, Markus Glück, Andreas Kössl und Peter Führer. Erstellt am 08. April 2020 (05:12)
AMS; NÖN-Grak: Gastegger; Illustration: PODIS/Shutterstock.com

Die von der Coronavirus-Pandemie ausgelöste Entwicklung hat auch massive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Zählt das Mostviertel bei der Arbeitslosenquote normalerweise zu den Spitzenreitern in positivem Sinn, so gab es in den Bezirken Scheibbs, Melk und Amstetten sowie in der Statutarstadt Waidhofen Ende März die höchsten Anstiegsraten im Vergleich zum Vorjahr in ganz Niederösterreich (siehe Grafik).

Dabei hätte der März im Mostviertel noch sehr gut begonnen. „In den ersten beiden Märzwochen ist die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Februar dieses Jahres saisonbedingt noch um 20 Prozent oder 167 Personen zurückgegangen“, schildert Sepp Musil, Leiter des Arbeitsmarktservice (AMS) Scheibbs. Ähnliche Werte vermelden die AMS-Chefs aus Melk, Helmut Fischer (minus 20 Prozent/463 Personen), Amstetten, Harald Vetter (minus 11 Prozent/270 Personen), und Waidhofen, Anita Prüller (minus 10 Prozent/50 Personen). Mitte März kam dann die Trendwende. „Innerhalb von 16 Tagen stieg die Arbeitslosigkeit bei uns im Bezirk dann um 1.500 Personen. Aktuell sind bei uns 3.253 Personen ohne Job. Das ist eine enorme Herausforderung für das Melker AMS“, erklärt Fischer.

Höchster Wert seit vielen Jahrzehnten

Im Scheibbser Bezirk nahm die Arbeitslosigkeit innerhalb von 16 Tagen um beinahe 860 Personen zu. „Mit Ende März haben wir 1.545 Arbeitslose und eine voraussichtliche Arbeitslosenquote von 8,6 Prozent. Das ist zwar noch unter dem prognostizierten NÖ-Wert von 10,5 Prozent, aber der höchste Wert seit 20 Jahren“, weiß Sepp Musil.
Im Bezirk Amstetten waren mit Ende März 3.615 Personen beim AMS als arbeitslos vorgemerkt. Das sind um 1.196 Personen (plus 49,4 Prozent) mehr als noch im Februar dieses Jahres. Verglichen mit dem März des Vorjahres beträgt die Steigerung sogar 1.677 arbeitslose Personen (plus 86,5 Prozent). „Das ist die höchste Zahl an Arbeitslosen seit 1945“, analysiert der Geschäftsstellenleiter des AMS Amstetten, Harald Vetter.

Es handle sich zudem um den stärksten je gemessenen Zuwachs innerhalb einer so kurzen Zeit. Trotz des noch nie da gewesenen Anstiegs hätten die Amstettner AMS-Mitarbeiter es geschafft, alle für den Monat März gestellten Arbeitslosengeldanträge anweisungsreif zu bearbeiten. Weiters wurden seit 16. März über 500 Betriebe des Bezirks zum Thema Kurzarbeit informiert. Der Großteil dieser Betriebe hat sich dann auch für Kurzarbeit entschieden und Anträge auf Kurzarbeitsbeihilfe eingebracht.

Frauen stärker von Kündigungen betroffen

Im AMS-Bezirk Waidhofen nahm die Arbeitslosigkeit von Ende Februar bis Ende März um 69,4 Prozent zu. Während Ende Februar noch 480 Personen arbeitslos gemeldet waren, betrug ihre Zahl Ende März 813. „Innerhalb von nur 16 Tagen stieg die Arbeitslosigkeit um 313 Personen an“, sagt AMS-Chefin Prüller. „Das ist die höchste Zahl an Arbeitslosen seit mehr als 30 Jahren. Wir setzen nun alles daran, dass unsere Kunden so rasch wie möglich zu ihrem Geld kommen.“ Mit einer Steigerung von 131,5 Prozent traf die aktuelle Kündigungswelle in Waidhofen vor allem die Frauen. Ein Phänomen, das sich durch alle Mostviertler Bezirke zieht. Und noch etwas ist durch die Bank in allen Bezirken festzustellen: Alle rechnen mit einem totalen Einbruch des Stellenmarkts, auch wenn derzeit noch relativ viele offene Stellen gemeldet sind.

Dennoch sehen alle vier AMS-Leiter auch einen Hoffnungsschimmer am Horizont: Und dieser heißt Wiedereinstellungszusagen. „Viele bei uns gemeldete Personen besitzen diese, wenn die Coronakrise wieder vorbei ist“, weiß Prüller.