Verbaler Schlagabtausch zur Mauthausner Donaubrücke. Grüne Schützenhilfe für Bürgerinitiative „Verkehr 4.0“. Dass sie Pläne für zweite Brücke zum Schildbürgerstreich erklärten, missfiel Verein „DoNeubrücke“.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 20. August 2019 (04:54)
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Der Stein des Anstoßes: Die Grünen NÖ rund um Landessprecherin Helga Krismer (rechts) – im Bild mit der St. Valentiner Grün-Gemeinderätin Monika Oberradter und Ludwig Riedl von der Bürgerinitiative „Verkehr 4.0“ – erklärten die Pläne zur neuen Mauthausner Donaubrücke zum Schildbürgerstreich.

Als das Land NÖ Anfang Juni im Gasthaus Stolli in Rems die Pläne für das Projekt „Neue Donaubrücke Mauthausen“ präsentierte, war der Aufschrei der Bürger aus St. Valentin, Ennsdorf und St. Pantaleon-Erla, die eine Transitroute von Tschechien bis zur Westautobahn befürchteten, groß. So groß, dass mittlerweile auch andere Brückenvarianten nicht mehr unmöglich scheinen und von den Verantwortlichen geprüft werden.

Schützenhilfe bekamen die besorgten Bürger nun vor Kurzem von den niederösterreichischen Grünen. Sie schlossen sich den Forderungen der Bürgerinitiative „Verkehr 4.0“ an, die bestehenden Verkehrswege auszubauen und die bestehende Donaubrücke am Bestand zu ersetzen beziehungsweise zu adaptieren. Die Errichtung einer zusätzlichen Donaubrücke an einem neuen Standort erklärten sie hingegen zum Schildbürgerstreich.

„Der Wissensstand in sachlichen Fragen scheint verbesserungsfähig.“Ludwig Riedl von der Bürgerinitiative „Verkehr 4.0“ zur Presseaussendung des Vereins „DoNeubrücke“

Eine Aktion, die beim Verein „DoNeubrücke“, der von Wirtschaftstreibenden aus dem Grenzgebiet von Ober- und Niederösterreich ins Leben gerufen wurde und der die Umsetzung einer zweiten Brücke beschleunigen möchte, auf völliges Unverständnis stieß. „Politische Kommunikation in Vorwahlzeiten zeichnet sich selten durch inhaltliche Qualität aus. Schlagzeilen produzieren – Fakten ignorieren, lautet die Devise, die scheinbar auch die Grünen Niederösterreich verfolgen“, schoss man sich in einer Presseaussendung auf Landessprecherin Helga Krismer ein.

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Markus Formann vom Verein „DoNeubrücke“ warf den Grünen vor, Fakten zu ignorieren.

Die neue Donaubrücke als Schildbürgerstreich zu bewerten, stellt für den Verein einen „Affront gegenüber 22.500 Pendlern“ dar. „Die ganze Tragweite der untragbaren Situation kann wohl nur jemand verstehen, der täglich davon betroffen ist. Hier würde ich dringend empfehlen, sich in deren Lage zu versetzen“, erklärte Markus Formann, eines der Vorstandsmitglieder des Vereins. „Die von der Grünen Landessprecherin angebotenen Lösungsvarianten sorgen bei all jenen, die die Rahmenbedingungen vor Ort kennen, für Kopfschütteln“, ergänzte er.

Eine Aussage, die ihrerseits für Kopfschütteln bei der Bürgerinitiative „Verkehr 4.0“ sorgte, deren Argumenten sich die Grünen ja quasi angeschlossen hatten. „Wir haben Frau Krismer vor Ort die Situation erklärt und die verschiedenen Standpunkte dargestellt“, sieht Ludwig Riedl von „Verkehr 4.0“ keinerlei Ferndiagnose der Grünen. Dass man schlecht recherchiert habe, wirft er vielmehr dem Verein „DoNeubrücke“ vor. „Herr Formann spricht von 22.500 Pendlern. Es fahren täglich zirka 20.000 Fahrzeuge über die Brücke, davon alleine 8.000 Lkw. Da diese wohl keine Pendler sind und auch noch diverser Individualverkehr stattfindet, würde ich sagen, dass weniger als 10.000 Pendler täglich die Brücke benutzen“, rechnet Riedl, der Gemeinderat in Ennsdorf ist, vor.

Auch eine zweite Aussage von Markus Formann kann Riedl nicht nachvollziehen. „Er fürchtet durch unseren Vorschlag der Neuerrichtung einer Donaubrücke am Standort jahrelange Verkehrsbeeinträchtigung. In der Zwischenzeit ist es auch den verantwortlichen Planern klar, dass dies nicht so ist, und wie schon in den 1960ern durch technische Maßnahmen gelöst werden kann“, stellt Riedl klar.

Am Montag dieser Woche fand übrigens ein bereits seit Längerem geplantes Gespräch zwischen „Verkehr 4.0“ und „DoNeubrücke“ statt. Das Gesprächsklima dürfte nach den Aussagen der letzten Tage vermutlich nicht das freundlichste gewesen sein. „Wir werden dort auch diverse technische Möglichkeiten diskutieren, da scheinbar der Wissensstand des Vereins „DoNeubrücke“ in sachlichen Fragen verbesserungsfähig ist. Dafür scheint das Marketing umso besser zu funktionieren“, hatte Ludwig Riedl im Vorfeld des Gesprächs angekündigt.

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