Photovoltaik-Anlage: Zweiter Anlauf war erfolgreich. Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Mostviertelhalle wurde am Donnerstag einstimmig beschlossen.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:08)
Die Haager Mostviertelhalle war am vergangenen Donnerstag erstmals Schauplatz einer Gemeinderatssitzung. Hier wurde auch beschlossen, dass am Dach der Halle eine Photovoltaikanlage errichtet wird. Bei der Gemeinderatssitzung im Mai, bei der im Umlaufweg abgestimmt wurde, scheiterte das Projekt noch am Veto der neun Mandatare der „Liste für Haag“. In der Vorwoche wurde die Anlage nun einstimmig beschlossen. Erstmals kam auch eine große Videowall zum Einsatz, auf der sämtliche Details zu den einzelnen Tagesordnungspunkten nachzulesen waren.
Gemeinde

Hatte die letzte Gemeinderatssitzung Mitte Mai noch online stattgefunden, so war der Wunsch des Gemeinderats groß, diesmal – mit dem dementsprechenden Sicherheitsabstand – zu einer „normalen“ Sitzung zusammenzukommen. Schauplatz der Sitzung war somit erstmals die Haager Mostviertelhalle.

„Es ist eine besondere Location und ich bin gespannt, wie es funktioniert“, erklärte Bürgermeister Lukas Michlmayr bei seinen einleitenden Worten. Und es funktionierte ganz hervorragend. Der vollzählig anwesende Gemeinderat segnete alle Tagesordnungspunkte mit einstimmigen Beschlüssen ab.

So auch die Errichtung einer 160-kW-Photovoltaikanlage auf dem Dach der Mostviertelhalle und des Mostviertelmuseums. Ein Projekt, das nach der letzten Sitzung noch für Wortgefechte zwischen der ÖVP und der „Liste für Haag“ gesorgt hatte. Damals war eine Finanzierung durch Anleihen geplant, die dafür nötige Dreiviertelmehrheit kam durch die Gegenstimmen der neun Bürgerlisten-Mandatare aber nicht zustande.

„Förderung von 113 Prozent“ für PV-Anlage

Um auf die 121.000 Euro teure Anlage, für die seitens der ÖMAG bereits eine Investitionsförderung in der Höhe von 37.500 Euro in Aussicht gestellt worden war, nicht verzichten zu müssen, schwenkte man nun auf die Aufnahme eines Kredits um. 60.000 Euro sollten zudem aus der Gemeindeinvestitionsmilliarde für die Anlage genommen werden.

Bezüglich der Förderungen konnte Bürgermeister Lukas Michlmayr bei der Sitzung dann sogar über eine Änderung berichten. „Es gab noch Nachbesserungen. Für Photovoltaikanlagen gibt es eine Förderung bis zu 80 Prozent und auch eine Doppelförderung ist erlaubt. Wenn ich jetzt alles zusammenrechne, komme ich auf eine Förderung von 113 Prozent. Auch wenn es nur 100 Prozent sein sollten, ist das eine tolle Geschichte. Die Anlage amortisiert sich, wenn die Förderung ausbezahlt ist“, erklärte Michlmayr.

Dass die Ausschreibung diesmal „gesetzeskonform gemacht wurde“ und eine Direktvergabe mit vorheriger Bekanntmachung an den Billigstbieter erfolgt, war auch im Sinne der „Liste für Haag“, die den ÖVP-Vorwurf des „Machtgehabes“ zurückwies. „Wir haben nur einen Gemeinderatsbeschluss, der noch nicht revidiert war, befolgt“, begründete Klubsprecher Martin Stöckler die Vorgangsweise der Liste Mitte Mai.

Diesmal wollte man nur einige technische Details zu Modulen und Wechselrichtern geklärt haben und wissen, wer die Anlage montieren würde. Der Auftrag wurde letztendlich an die Cleen Energy AG mit Sitz in Haag vergeben. Errichten wird die Anlage aller Voraussicht nach die Firma ETM von Stadtrat Christian Marquart, die selbst ein Angebot für die Anlage gelegt hatte. Dass – wie von der „Liste für Haag“ gefordert – ein Statiker beigezogen wird, der beurteilen soll, ob das Dach des Mostviertelmuseums für eine PV-Anlage geeignet ist, wurde auch bestätigt. „Wir werden uns absichern und es gibt zu hundert Prozent ein Gutachten“, stellte Stadtrat Martin Tojner (ÖVP) klar.

„Es freut mich, dass die Liste die Meinung der ÖVP angenommen hat“, betonte Bürgermeister Lukas Michlmayr nach der Gemeinderatssitzung. Ein gewisser Ärger über die Verzögerung des Projektes schwang aber dennoch mit. „Ich bin froh, dass die Anlage kommt, aber es ist jetzt das gleiche Angebot und das gleiche Produkt herausgekommen – mit dem einzigen Unterschied, dass wir den ganzen Sommer und somit Strom im Wert von 7.000 Euro verloren haben“, spart der Stadtchef nicht mit deutlichen Worten.

Stadtentwicklung soll in den Fokus rücken

Der Gemeinderat setzte am Donnerstag nicht nur ein Zeichen bezüglich Umwelt- und Klimaschutz, sondern ist sich auch einig, dass man künftig an einem Stadtentwicklungskonzept arbeiten will. „Im Ortszentrum tut sich viel – im negativen Sinne“, nannte Bürgermeister Lukas Michlmayr ein Beispiel, warum man sich mit der Egger & Partner GmbH aus Linz externe Begleiter für diesen zukunftsweisenden Prozess ins Boot holen wird. Grundvoraussetzung für die Einleitung des Prozesses ist die Aufnahme beim Verein NÖ Dorf- und Stadterneuerung. „Es gibt keine Kosten für den Beitritt, aber danach die Möglichkeit für eine Förderung bis zu maximal 14.500 Euro jährlich“, berichtete Michlmayr. Dass man einen diesbezüglichen Antrag stellen wird, wurde einstimmig beschlossen.

„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um der Gemeinde nach Corona wieder Leben einzuhauchen“, freut sich Michlmayr auf die Zukunft. Im September soll die Egger & Partner GmbH dann offiziell mit der Erstellung eines Stadtentwicklungskonzeptes beauftragt werden. Miteinfließen werden da natürlich auch jene Themen, die der Bevölkerung am Herzen liegen. „Es gibt die Überlegung, eine Umfrage durchzuführen, aus der wir dann herauslesen können, was den Haagern ganz besonders wichtig ist“, kündigt der Bürgermeister einen Bürgerbeteiligungsprozess an.

Hatte sich ein ähnliches Projekt vor 20 Jahren vor allem auf das Stadtzentrum und ein Stadtmarketing konzentriert, so soll es diesmal ein ganzheitliches Konzept geben, bei dem die Verkehrswege oder der Straßenlärm ebenso thematisiert und in Fokusgruppen bearbeitet werden wie die Digitalisierung im ländlichen Raum oder das schon seit Längerem angedachte gemeinsame Blaulichtzentrum für Feuerwehr und Rotes Kreuz.

Vier Jahre wird der Prozess extern begleitet, abgeschlossen ist er damit natürlich nicht. „Stadtentwicklung ist ein immerwährender Prozess und hat kein Abschlussdatum“, stellt Michlmayr klar.