Seitenstetten

Erstellt am 14. Juni 2018, 05:22

von Hermann Knapp

Abrissdrama: Abbruch erneut verordnet. Bürgermeister Spreitzer hat erneut den Abbruch verordnet, „weil ich vom Gesetz her gar nicht anders handeln kann.“ Familie Mayr kündigt erneuten Einspruch an.

Der Stein des Anstoßes: Der Zubau der Familie Mayr in Seitenstetten ist zu hochgeraten. Foto: Knapp  |  Knapp

Nächster Akt im Trauerspiel um das Haus der Familie Mayr in der Weidersdorferstraße. Im Vorjahr hat sie das Gebäude aufgestockt, wie sich herausstellte, ohne gültigen Baubescheid. Außerdem ist der Zubau zu hoch und zu nahe an der Grundgrenze. Eine Anzeige durch einen Nachbarn bei der Behörde brachte die Sache ins Rollen. Wo letztlich in der Verfahrenskette Bauherr, Planer, Familie, Kommune Versäumnisse vorliegen, ist bislang ungeklärt.

Bürgermeister erließ abgeänderten Bescheid

Bürgermeister Johann Spreitzer hat bereits im März einen Abbruchbescheid für den Zubau erlassen, gegen den die Familie, mithilfe ihres Rechtsanwalts, Einspruch erhoben hat. Dieser bescheinigte dem Bescheid des Ortschefs, selbst an „nicht sanierbaren Mängeln“ zu leiden, weil nicht genau daraus hervorgehe, um welchen Bauteil es sich nun eigentlich konkret handle und welche Maße überschritten worden seien.

Die Gemeinde hat sich mit einer Reaktion auf den Einspruch Zeit gelassen. Jetzt hat Bürgermeister Johann Spreitzer im Zuge einer sogenannten „Berufungsvorentscheidung“ aber einen abgeänderten Bescheid erlassen.

„Das Gebäude wurde am 21. März von einem Ziviltechniker vermessen. Aufgrund dessen Daten hat das Gebietsbauamt ein ausführliches Gutachten erstellt. Dieses ergibt, dass es sich um einen konsenslosen Bau handelt. An drei Seiten wurden die genehmigten acht Meter Bauhöhe überschritten. An der höchsten Stelle ist das Haus sogar 9,10 Meter hoch. Der Abstand zum Nachbargebäude beträgt im Mittel zwei Meter, auch das entspricht nicht der Bauordnung“, sagt der Ortschef.

Baubescheid 2003 ist 2010 erloschen

Diese Angaben sind nun in den neuen Bescheid eingeflossen. Abgerissen werden müsste übrigens der gesamte Zubau. „Denn der letzte gültige und auch umgesetzte Baubescheid stammt aus dem Jahr 1972 – und der Bestand von damals ist wieder herzustellen“, sagt Spreitzer. Es habe 2003 zwar auch einen gültigen Baubescheid für einen Zubau gegeben, dieser sei aber nicht realisiert worden und seine Gültigkeit daher im Jahre 2010 erloschen.

„Natürlich hat niemand ein Interesse daran, dass der gesamte Zubau abgerissen wird. Aber ich kann nicht anders handeln, ohne mich des Amtsmissbrauchs schuldig zu machen“, sagt der Bürgermeister.

Die Familie habe allerdings die Möglichkeit, einen gültigen und genehmigungsfähigen Bauplan einzureichen. Sobald der in Kraft sei, könne der neue Gebäudeteil adaptiert und somit ein vollständiger Abriss vermieden werden.

Die Familie Mayr kündigt an, dass sie den Bescheid erneut beeinspruchen werde. 14 Tage lang hat sie ab Zustellung Zeit dazu. Das Verfahren wird also auf jeden Fall in die nächste Runde gehen.