Gemeinde sucht neuen Arzt. Albrecht Niel geht Ende Juni in Pension. Die Kassenstelle ist bereits ausgeschrieben.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 23. April 2019 (05:45)
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Symbolbild

Der praktische Arzt Albrecht Niel (65) wird mit Ende Juni in den Ruhestand gehen. Die Kassenstelle wurde von der Ärztekammer bereits ausgeschrieben. Ab 1. Juli könnte sie ein neuer Arzt übernehmen.

So flott wird es vermutlich aber nicht gehen, denn Nachfolger für Allgemeinmediziner zu finden wird auch im Bezirk immer schwieriger. Das zeigt sich am Beispiel Mauer bei Amstetten. Dort steht die ehemalige Praxis von Leopold Klem schon fast ein ganzes Jahr leer.

In Seitenstetten kommt hinzu, dass Niel in seinem Privathaus ordiniert und die Praxis daher für einen Nachfolger nicht zur Verfügung stehen wird. Niel selbst wollte gegenüber der NÖN kein Statement abgeben.

Bürgermeister Johann Spreitzer versichert, dass die Gemeinde alles tun werde, um einen potenziellen Nachfolger die Einrichtung einer neuen Ordination zu erleichtern. „Wir hoffen, natürlich sehr, dass sich bald ein Nachfolger für Dr. Niel findet“, sagt der Ortschef.

Immerhin wird Seitenstetten auch nach der Pensionierung Niels nicht ohne ärztliche Versorgung dastehen. Gemeindearzt Ernst Derfler (63) betreibt ja eine große Praxis und will auf jeden Fall noch zwei bis vier Jahre praktizieren. „Ideal wäre es für mich, wenn ich einen jungen Kollegen oder eine junge Kollegin für 20 Stunden fände. Wir könnten eine Gemeinschaftspraxis machen oder ich könnte sie oder ihn auch anstellen“, sagt Derfler.

Diese Regelung würde einem neuen Arzt die Möglichkeit geben sich einzuarbeiten und die Patienten kennenzulernen. „Ich würde dann noch zwei Jahre voll arbeiten, also bis ich 65 bin, und danach reduzieren. Mir ist es aber natürlich genauso recht, wenn ein Kollege eine eigene Praxis eröffnet. Ich möchte auf jeden Fall gut mit ihm zusammenarbeiten“, sagt Derfler.

Zu viel Bürokratie und Einschränkungen

Dass immer weniger Ärzte nach einer Kassenstelle streben und die Zahl der Wahlärzte zunimmt, liegt für Derfler an der überbordenden Bürokratie und an Einschränkungen durch die Gebietskrankenkasse, die für ihn völlig unverständlich sind. „So dürfen wir zum Beispiel Frauen nicht mehr zu einer Routinemammografie zuweisen. Dabei ist der Brustkrebs der häufigste Krebs und mir ist es wichtig, dass sich meine Patientinnen regelmäßig untersuchen lassen.“

Er sei, so Derfler, ein begeisterter, praktischer Arzt und von der Wichtigkeit seiner Arbeit überzeugt. „Es ist einfach ein unendlich schöner Beruf, auch durch die lange Beziehung, die man mit den Patienten hat.“ Von den vom Land propagierten Primärversorunseinheiten hält Derfler nichts.

Bezüglich medizinische Versorgung ist Seitenstetten mit seinen 3.300 Einwohnern nach Derflers Einschätzung für einen Arzt zu groß, für zwei aber fast zu klein.

SPÖ-PS-Obmann Alois Schlager, zuständig für Gesundheit, Soziales und Generationen, glaubt, dass es schwierig wird einen Nachfoler für Niel zu finden. „Wir haben ja keine Ordinationsressourcen, die wir einem neuen Arzt anbieten könnten. Es ist höchst an der Zeit, dass die Gemeindemehrheit das Thema ärztliche Versorgung endlich ernster nimmt. Wir plädieren ja schon länger für eine Primärversorgungseinheit. Diese wäre auch ein Beitrag zum „Lebensraum – Ortszentrum“, über den wir ja gerade diskutieren.“

Nach Ansicht Schlagers müsse die Gemeinde in Sachen medizinischer Versorgung aktiver und auch vorausschauender sein. Der SP-PS-Obmann erinnert daran, dass seine Fraktion ja vorgeschlagen habe, eine neue Volksschule zu bauen und das alte Gebäue als Gesundheitszentrum zu nutzen.