Bürgerinitiativen-Kampfansage: „Ziel ist Transitroute“. Bürgerinitiative „Verkehr 4.0“ will zweite Donaubrücke flussabwärts verhindern. Sie befürchtet Transitverkehr aus Tschechien.

Von Daniela Führer. Erstellt am 18. Juni 2019 (07:42)
Daniela Führer
„Wir werden einenAktionsplan aufstellen, der sich gewaschen hat“, lässt das Kernteam der Bürgerinitiative „Verkehr 4.0“ wissen. Plakate an verschiedenen Orten in St. Pantaleon und St. Valentin waren ein erster Schritt.

„Wir haben 25 Jahre um die B123-Umfahrung gekämpft. Wir wissen also, wie wir ein Projekt lange verhindern können“, erklärt Ludwig Riedl, Gemeinderat aus Ennsdorf, der sich an vorderster Front jahrzehntelang für die B123-Umfahrung als leidgeplagter Anrainer eingesetzt hat. Mittlerweile hat er gemeinsam mit 17 weiteren Bürgern aus St. Pantaleon-Erla, Ennsdorf und St. Valentin erneut eine Bürgerinitiative gegründet mit dem Namen „Verkehr 4.0“.

Daniela Führer
St. Pantaleons Vizebürgermeister Josef Alkin (VP) ist Teil der Bürgerinitiative. Er warnt davor, so viele Flächen für neue Straßen zu versiegeln.

Dieses Mal richtet sich der Kampf aber nicht für, sondern gegen ein Bauprojekt: und zwar gegen die geplante zweite Donaubrücke östlich der bestehenden zwischen Pyburg und Mauthausen.

Vorletzte Woche wurden die Pläne des NÖ Straßendienstes, wie berichtet, bei einer öffentlichen Planausstellung im Gasthaus Stolli in Rems erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Acht verschiedene Trassen von der geplanten, neuen Donaubrücke zur B1 Wiener Straße sollten dabei diskutiert werden.

Hunderte Bürger waren vor Ort und taten vor allem ihrem Ärger darüber lautstark Luft. „Wir haben in eineinhalb Stunden 600 Unterschriften gegen die neue Donaubrücke gewinnen können. Die Leute waren richtig sauer“, berichtet Michael Pichler.

„Lösung am Bestand wäre zeitlich absehbar“

Am Freitag lud schließlich die Bürgerinitiative erstmals zu einem Gespräch mit der Presse: „Wir wollten zuerst die Resonanz auf die öffentliche Präsentation in Rems abwarten und ob wir die Leute sensibilisieren und mobilisieren können“, erklärt Ludwig Riedl. Die hunderten Unterschriften und die Wut der Bürger führte nun zu Schritt 1: an die Öffentlichkeit gehen. Schritt 2 werde ehestmöglich folgen: „Wir wollen mit den zuständigen Landesräten in Ober- und Niederösterreich sprechen und ihnen mitteilen: Wir wollen keine der acht Varianten, die uns da auf den Tisch gelegt wurden!“ Bis vor zwei Jahren sei noch eine Lösung an der Bestandsbrücke angedacht gewesen. „Warum ist das plötzlich nicht mehr so?“, fragen sie sich.

Daniela Führer
Franz Zeiser aus St. Pantaleon hegt wie seine Mitstreiter eine Vermutung. „Bis November 2017 war eine Schrägvariante der neuen Brücke aktuell. Dann über Nacht aber nicht mehr, dann kam die Transitroute so richtig ins Spiel!“

Dass eine Lösung am Bestand möglich sei, davon sind die Aktivisten überzeugt. Mehr noch: Diese wäre ihrer Meinung nach auch viel schneller umsetzbar und es müssten keine neue, kilometerlange Trasse gebaut und wertvolle Grünflächen versiegelt werden.

Die Umsetzbarkeit des vorliegenden Plans über den Neubau einer zweiten Donaubrücke bezweifeln sie stark, denn Fakt sei: „Mit dem Rückhalt der Bevölkerung würden wir auch ein Verfahren am Verwaltungsgerichtshof anstreben“, sagt Ludwig Riedl. Bis dieses Verfahren abgeschlossen wäre, gäbe es schon ganz andere Logistikkonzepte und die zweite Brücke würde sich selbst ad absurdum führen – davon sind die Aktivisten überzeugt.

Angst vor Transitroute von Tschechien auf A1

Sie fordern nun zunächst das Nadelöhr, die Ampelkreuzung nach der Mauthausnerbrücke in Mauthausen, zu entschärfen. Danach die bestehende Brücke zu adaptieren und an die Bedürfnisse anzupassen sowie die neue Umfahrung Pyburg einzubinden. An der Umsetzbarkeit ihrer Forderungen zweifeln sie nicht, jedoch am Willen der Verantwortlichen. Vermutungen über eine „Lkw-Lobby“, wie sie es nennen, stehen im Raum: „Man will hier eine Transitroute von Tschechien auf die A1 totschweigen“, ist Zeiser überzeugt.

Daniela Führer
Die Bürgerinitiative fürchtet eine Transitroute quer durch Europa, die sich direkt durch St. Pantaleon und St. Valentin ziehe.

„Spätestens als klar wurde, mit der zweiten Brücke gibt es keine Anbindung an die Pyburg-Umfahrung und den Hafen, war fix: Das Ziel ist die Autobahn und somit eine Transitroute“, analysiert er. „Es geht hier um Interessen an einer Schwerverkehrstransitroute von Tschechien auf die A1. Mit dieser Brücke wäre dafür der Grundstein gelegt“, sagt Zellinger. Aber das wollen sie nicht und das würde auch die Bevölkerung nicht wollen. Daher werden sie neben Gesprächen auch sichtbare Zeichen setzen und alle Kanäle für ihre Forderungen nutzen. „Wir werden einen Aktionsplan aufstellen, der sich gewaschen hat. Es liegt noch viel Arbeit vor uns, aber wir werden auch viel bewegen“, erklärt Christian Zellinger aus Überzeugung.