Günther Simader-Marksteiner ist auf den Pilz gekommen. Günther Simader-Marksteiner züchtet Austernpilze, Kräuterseitlinge und Shiitake Pilze. Wie der Schweißingenieur aus St. Valentin auf die Idee dazu kam, erzählt er gerne.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 18. Dezember 2019 (04:35)
Günther Simader-Marksteiner mit seinen Austernpilzen, die ohne Düngung oder chemische Hilfsmittel gedeihen. 
privat

Dort, wo einst Küken großgezogen wurden, schießen die Schwammerl nicht aus dem Boden, sondern vielmehr aus mit Bio-Gerstenstroh gefüllten Säcken sowie aus Holzböcken, die aus der Steiermark bezogen werden – ohne Düngung oder chemischen Hilfsmitteln,

Doch wie kommt ein Stahlforscher der voestalpine eigentlich auf den Pilz? „Da muss ich ein bisschen ausholen“, meint Günther Simader-Marksteiner schmunzelnd. „Eigentlich bin ich gebürtiger Mühlviertler und auf einem Bauernhof als Einzelkind aufgewachsen.

Wir hatten ein paar Kühe und Hühner und eigentlich musste man damals schon darauf schauen, mit der Natur zurechtzukommen“, berichtet der 45-jährige Wahlmostviertler, der zunächst die Landwirtschaftsschule in St. Florian besuchte und dort seine Gattin Angelika, eine Landwirtstochter aus St. Valentin, kennenlernte.

Pilzzucht als zweites berufliches Standbein

Der gelernte Agraringenieur bildete sich schließlich weiter und ist nun bereits seit 2003 als Schweißingenieur bei der voestalpine in der Forschung und Entwicklung.

„Da kommt nun wieder mein beruflicher Bezug zur Nachhaltigkeit und Innovation ins Spiel, den ich auch am landwirtschaftlichen Betrieb lebe, den ich gemeinsam mit meiner Frau, die Volksschullehrerin ist, im Nebenerwerb führe. Wir bauen am elterlichen Betrieb meiner Gattin Weizen, Ackerbohnen und Zuckerrüben an und vor einem Jahr haben wir uns dazu entschlossen in die Zuchtpilzbranche einzusteigen.“

Bereut hat das Günther Simader-Marksteiner, der sich bewusst ein zweites berufliches Standbein schaffen wollte, bis dato nicht. „Gesunde Lebensmittel und deren regionale Herkunft sind heute in aller Munde und da bin ich beim Recherchieren eben auf die Pilze gestoßen.“

Nach einigen Umbauten und Adaptierungen – Lichtverhältnisse und eine konstante Raumtemperatur zwischen zehn und 17 Grad sind neben Sauberkeit und Hygiene für das Gedeihen der Pilze unerlässlich – ging es dann los mit der Pilzzucht, die derzeit auf knapp 100 Quadratmetern untergebracht ist.

Zuchtpilze sind nicht schadstoffbelastet

Abnehmer der Mostviertler Zuchtpilze sind neben der gehobenen regionalen Gastronomie im Umkreis von St. Valentin, Amstetten, Steyr und Linz, auch ökobewusste Jungfamilien und gesundheitsbewusste Senioren. „Wer sich ein wenig mit der Materie beschäftigt, weiß, dass Pilze kein Fett enthalten, Proteinspender sind, Vitamin B, C und D enthalten und sich positiv auf das Herz-Kreislaufsystem auswirken können“, klärt Günther Simader-Marksteiner auf. Deshalb kommen auch am eigenen Mittagstisch bis zu zweimal pro Woche Pilzgerichte auf den Tisch.

Doch wie schmecken die gezüchteten Pilze und wozu passen sie? „Der dezente, feine Geschmack des Austernpilzes erinnert ein bisschen an Kalbfleisch“, berichtet der Pilzzüchter. „Man kann den Austernpilz braten, grillen, gratinieren, frittieren, schmoren oder auch nur einfach roh im Salat genießen. Kräuterseitlinge eignen sich mit ihrem nussigen Geschmack und der festen Konsistenz wiederum zum roh essen in Salaten, als Fleischersatz sowie als Beilage zu Fleischgerichten, Ragouts und für Nudelsaucen“.

Dazu einfach Hüte und Stiele in Scheiben schneiden und kurz in etwas Butter oder Olivenöl dünsten und als Beilage zu Fleisch, Geflügel, Wild, Lamm, Fisch oder Eiergerichten reichen. Natürlich schmecken die Pilze aber auch hervorragend in einem Pilzragout zu Pasta oder Reis sowie in Gulasch, Geschnetzeltem, Pilzpfannen, Gemüsegerichten, Suppen, Risotto oder im Salat. „Getrocknete Shiitake-Pilze sind schließlich besonders aromatisch und perfekt zum Aufpeppen von Saucen, Suppen und Ragouts – sie brauchen vor dem Verwenden nur etwa 20 Minuten eingeweicht zu werden.“

Man merkt, dass Günther Simader-Marksteiner ganz in seinem Element ist, wenn er von seinen Pilzen spricht. „Seit Tschernobyl wissen wir um die hohe Schadstoffbelastung, denen Schwammerl ausgesetzt sind und die sie nicht abbauen können. Zudem ist zu bemerken, dass sie rarer werden. Da sind Zuchtpilze eine gute Alternative – auch, weil sie das ganze Jahr über geerntet werden können.“

Jeden Tag, wenn Günther Simader-Marksteiner von der Arbeit heimkommt, führt ihn sein erster Weg zu den Pilzen, die man übrigens schon ab einem Viertelkilo bei ihm ordern kann. „Die Pilze sind mein Hobby und auch mein Ausgleich. Auch meine Töchter Katharina und Theresa, die beide die HLW in Stadt Haag besuchen, sind oft mit von der Partie.“