Hannes Wirlinger: Von Drehbuch zu Jugendbuch und retour. Drehbuchautor Hannes Wirlinger veröffentlicht mit „Der Vogelschorsch“ sein erstes Buch. Aus der Geschichte macht er nun auch ein Drehbuch.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 01. August 2019 (04:34)
Vogl
Stolz präsentiert Hannes Wirlinger sein Erstlingswerk „Der Vogelschorsch“. Aus dem Stoff des Buches wird nun auch ein Drehbuch entstehen.

Fans österreichischer Fernsehkrimis kennen seine Geschichten. Mit der Person Hannes Wirlinger bringen sie aber nur die wenigsten in Verbindung, denn als Drehbuchautor steht man auch bei hervorragenden Einschaltquoten nicht im Rampenlicht.

So war der St. Valentiner zehn Jahre lang einer der kreativen Köpfe hinter der Erfolgsserie „Soko Kitzbühel“ und steuerte auch Folgen für die ORF-Produktion „Fokus Mord“ bei, die im Vorjahr ausgestrahlt wurde. Mit seinem neuesten Projekt wird sich Wirlingers Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit steigern. Als Buchautor tritt er nun nämlich aus dem Hintergrund.

Aus dem Hintergrund in den Mittelpunkt

„Soko Kitzbühel ist für mich kein Thema mehr. Jetzt möchte ich mich neuen Dingen widmen“, erklärt der gebürtige Mostviertler, der seit seiner Studienzeit in Wien lebt, warum er unter die Buchautoren gegangen ist. Zwei Jahre dauerte es, bis die Geschichte vom „Vogelschorsch“, für die Wirlinger mit dem Mira-Lobe-Stipendium die höchste Staatsförderung Österreichs erhielt, nun als Buch erscheint.

Auf 300 Seiten schildert Wirlinger die Geschichte eines Außenseiters und eines jungen Mädchens, das anders als ihre Umwelt erkennt, dass dieser seltsame Mensch, dem sie den Namen Vogelschorsch gibt, ein ganz besonderer Mensch ist. Es ist eine Geschichte über den Tod und die Liebe, die Last zerrütteter Elternhäuser, über Freundschaft und die Suche nach bedingungsloser Loyalität und Verbundenheit.

Vogl
St. Valentiner Leser von Hannes Wirlingers Jugendroman werden die große Trauerweide beim Teich in Altenhofen als einen der Schauplätze der Geschichte wiedererkennen.

„Die Geschichte ist mitunter etwas traurig. Eben wie das Leben so ist mit all seinen Höhen und Tiefen“, erklärt Wirlinger. Eine Geschichte, die auch Illustratorin Ulrike Möltgen faszinierte. Eigentlich sollte sie nur das Buchcover gestalten. Sie war aber so fasziniert vom Text, dass sie – ohne eine extra Vergütung dafür zu wollen – das Buch komplett durchillustrierte. „Sie hat schon einige Auszeichnungen bekommen und ist in Deutschland wirklich eine große Nummer“, sieht Wirlinger Möltgens Mitarbeit an seinem Erstlingswerk als große Ehre.

„Den Vogelschorsch hat es in St. Valentin wirklich gegeben"

In den Roman, der für Jugendliche ab 14 Jahren gedacht ist, ließ Wirlinger auch einige Kindheitserinnerungen einfließen. „Den Vogelschorsch hat es in St. Valentin wirklich gegeben und man hat ihn auch so genannt. Er hat mir immer ein wenig leidgetan, obwohl ich ihn nicht wirklich kannte“, erinnert sich Wirlinger an den bereits verstorbenen Sonderling, der ihn zur Hauptfigur seines Buchs inspirierte. „Die Figur hat mich schon länger begleitet, sicher seit 20 Jahren. Irgendwann hat sie dann raus müssen“, schildert Wirlinger. Auch ein Schauplatz der Geschichte wird St. Valentinern bekannt vorkommen, denn die große Trauerweide beim Teich in Altenhofen ist ein beliebter Treffpunkt der Hauptprotagonisten.

„Ich bin schon sehr gespannt, wie das Buch ankommt“, fiebert Hannes Wirlinger der Veröffentlichung in dieser Woche entgegen. Auch auf das Feedback bei Lesungen – im Herbst ist auch eine in St. Valentin geplant – ist der Autor gespannt. Zuvor gibt es aber noch einiges zu tun, denn aus dem Vogelschorsch soll nun auch ein Drehbuch entstehen. „Ich bin als einer von drei Österreichern bei der Drehbuchwerkstatt München genommen worden. Ziel ist es, innerhalb eines Jahres aus dem eingereichten Stoff ein Drehbuch zu machen“, berichtet Wirlinger. Unterstützt wird er dabei von Dramaturgen.

„Dass man den eigenen Roman für ein Drehbuch adaptiert, ist für mich Neuland“, freut sich Wirlinger auf seine neue Aufgabe. Dass sich am Inhalt der Geschichte grundsätzlich etwas ändern wird, schließt er aus. „Aber vielleicht sind zu viele Charaktere drinnen für ein Drehbuch. Ob ich die alle brauche, kann man sicher noch hinterfragen. Das ist ein spannender Prozess“, erklärt Wirlinger. Dass „Der Vogelschorsch“ nicht sein einziges Jugendbuch bleiben wird, das steht für Hannes Wirlinger fest. Für eine bereits fertige Geschichte ist seine Agentin derzeit auf der Suche nach einem Verlag. Und eine weitere Geschichte hat Wirlinger bereits im Kopf.