Kerstin Suchan-Mayr: „Noch auf Suche nach Miteinander“. Seit einem Jahr sitzt St. Valentins Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr auch im NÖ Landtag. Mit der NÖN sprach sie über ihre neue Aufgabe und die Unterschiede zur Gemeinde.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 08. März 2019 (03:20)
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Kerstin Suchan-Mayr: Grundsätzlich habe ich ja im Vorfeld gewusst, worauf ich mich einlasse und habe mich natürlich erkundigt, wie groß der Zeitaufwand sein wird. Einmal im Monat findet am Donnerstag die Landtagssitzung statt, wo ich im Grunde den ganzen Tag nicht da bin. Am Donnerstag davor sind Ausschusssitzungen mit der Klubsitzung. Was noch dazukommt, sind Termine zwischendurch am Land oder im Bezirk, wo man als Mandatarin vor Ort sein muss. Aber manche Termine, die ich sowieso auch als Bürgermeisterin wahrgenommen hätte, überschneiden sich. Also vom Zeitaufwand her war es so, wie ich es auch eingeschätzt habe. Es ist durchaus machbar und funktioniert sehr gut.

Die Gemeinde kommt also nicht zu kurz?

Suchan-Mayr: Nein. Ich weiß, dass ich in meinem Team Leute habe, die hinter mir stehen und dass wir da im Haus gut funktionieren. Da muss ich nicht jede Minute da sein und kann auch zusätzliche Aufgaben wahrnehmen. Das passt so ganz gut.

Welche Aufgaben haben Sie im Landtag genau?

Suchan-Mayr: Ich bin im Kommunalausschuss sowie im Wirtschafts- und Finanzausschuss als Mitglied. Seitens der SPÖ bin ich Fraktionssprecherin für kommunale Angelegenheiten, Finanzen sowie für Kinder und Familien.

Gibt es Dinge, die Sie von der Gemeindeebene ins Land mitnehmen können oder umgekehrt?

Suchan-Mayr: Ja, zum Beispiel im Bereich Finanzen. Es war anscheinend im Landtag nicht üblich, dass man über den Rechnungsabschluss spricht. Als Bürgermeisterin sage ich, der Voranschlag ist zwar das, was ich mir vornehme und wo ich alle Vorhaben, die im nächsten Jahr gemacht werden, irgendwie greife und fasse. Aber der Rechnungsabschluss ist eigentlich dann das Zeugnis von dem, was ich wirklich gemacht und umgesetzt habe. Da kann man ja viel mehr herauslesen. Ich denke, es ist schon wesentlich, dass man darüber diskutiert. Dass das nicht üblich war, versteht man nicht, wenn man aus der Praxis kommt.

Die Arbeit am Land unterscheidet sich also grundsätzlich von der in der Gemeinde?

Suchan-Mayr: Ja, man sieht die Kollegen jeden Monat bei der Landtagssitzung. Die Kommunikation funktioniert dann so, dass wer hinausgeht und redet. Ich bin irgendwie immer noch auf der Suche nach dem Miteinander, das so propagiert wird. Dass man sich auch zwischendurch zusammenfindet und gewisse Dinge ausmacht. Es sind auch die Ausschusssitzungen nicht wie in der Gemeinde, dass man eineinhalb bis zwei Stunden zusammensitzt und alles ausdiskutiert. Ich war im Land noch in keiner Ausschusssitzung, die länger als zehn oder fünfzehn Minuten gedauert hat. Das ist ganz anders.

Und der Umgangston bei den Debatten ist wohl auch rauer als im Gemeinderat?

Suchan-Mayr: Auf alle Fälle. Vor allem wenn sich die Kollegen der FPÖ auf die SPÖ einschießen. Da ist so eine Antipathie, dass ich mich frage, wo die herkommt. Das ist schon sehr befremdlich und das kenne ich aus der Gemeinde so nicht. Da kann man mit jedem reden.

Bei der Diskussion über die Ökostromnovelle musste die SPÖ ja auch harte Kritik einstecken.

Suchan-Mayr: Das tut mir persönlich im Herzen weh, wenn man Inserate sieht, dass die SPÖ für Atomstrom wäre. Da frage ich mich dann wirklich, wo 1992 die ÖVP-Kollegen waren, als ich mit 17 Jahren Busse organisiert habe und in Temelin gestanden bin und dort demonstriert habe. Dass man uns da jetzt mit irgendwelchen Meldungen, die aus der Luft gegriffen sind, ins andere Eck rücken will, ist sehr schlimm.

Wenn Sie Ihre beiden Aufgaben vergleichen. Worin liegt der spezielle Reiz?

Suchan-Mayr: Ich glaube, man merkt in der Gemeinde, dass ich Bürgermeisterin mit Leib und Seele bin. Da kann man bei den Dingen, die man diskutiert, die man plant, die man in den Voranschlag schreibt, auch konkret die Auswirkungen sehen. Da redet man mit den Bürgern und weiß, was gut und was schlecht ankommt. Im Land hat man dagegen manche Themen, die jetzt nicht so wesentlich für die Basis sind. Wenn man etwa den einen oder anderen Rechnungshofbericht diskutiert. Da gibt es viele Themen, die einfach auf einer anderen Ebene sind. Aber es gibt auch Themen, die durchaus Auswirkungen auf uns in der Region haben.

Zum Beispiel?

Suchan-Mayr: Etwa der Beschluss der neuen Donaubrücke. Oder beim Bereich der Kinderbetreuung, wo manches auf Gemeindeebene nicht funktioniert, weil es auf Landesebene den Rahmen nicht gibt. Wir haben zum Beispiel immer wieder Anfragen von jungen Burschen, die gern Zivildienst im Kindergarten machen würden. Das ist bei uns aber nicht möglich. Jetzt habe ich einen Antrag im Land eingebracht, denn in Wien, in der Steiermark und in Oberösterreich geht es. Der Antrag wurde ohne Diskussion einfach abgelehnt.

Mehr Erfolgserlebnisse gibt es also in der Gemeinde?

Suchan-Mayr: Da sitze ich auf dem Sessel, wo ich agieren kann. Da bin ich die, die machen kann, die sagen kann, das setzen wir um, da schauen wir, dass wir für die Bürger etwas machen. Im Land sitze ich halt auf der Seite, die nicht wirklich gehört wird. Wo man aber miteinander durchaus mehr zusammenbringen könnte.

Ein Thema, mit dem St. Valentin in den letzten Monaten österreichweit Schlagzeilen gemacht hat, ist die Initiative für eine plastikfreie Gemeinde. Ist das auch im Land von Bedeutung?

Suchan-Mayr: Das ist auch so ein Thema, das ich durchaus ans Land weitertrage. Wir wollen schauen, dass es etwa landesweit Green Events oder eine Förderung für Unverpackt-Läden gibt und dass man von Seiten des Landes Rahmenbedingungen schafft, dass die Umsetzung leichter wird und auch besser gelingt.

Nächstes Jahr finden Gemeinderatswahlen statt. Werden Sie wieder kandidieren und wollen Sie weiterhin auf beiden Ebenen weiterarbeiten?

Suchan-Mayr: Auf alle Fälle. In der Gemeinde hört man von den Leuten, wo sie der Schuh drückt. Nur mit dem Landtag allein, da würde mir ganz viel fehlen. Man könnte sich zwar in manche Themen noch verstärkt einarbeiten oder sich mit manchen Themen intensivst beschäftigen, aber ich glaube nicht, dass ich die Zeit so ausfüllen könnte, dass ich sagen würde, dass ich mit dem, was ich tue, selber befriedigt bin. Ich glaube auch, dass die Symbiose, dass man das eine oder andere ans Land weitertragen kann, gut passt. Es ist meiner Meinung nach ganz wichtig, dass viele Praktiker im Landtag sitzen. Und für die Gemeinde habe ich immer noch die hundert Prozent Engagement, die wir bei der letzten Gemeinderatswahl propagiert haben.

Beides zusammen ist auf Dauer also nicht zu viel Stress?

Suchan-Mayr: Ich habe keinen Stress. Ich habe zwar viel zu tun, aber das mache ich gerne. Ich fühle mich derzeit so, dass ich beides noch viele Jahre in der Form weitermachen kann.