Erntehelfer-Stammpersonal geht ab. Erntehelfer aus der Ukraine dürfen nicht einreisen. Erdbeerernte wird zur Herausforderung.

Von Ingrid Vogl und Josef Penzendorfer. Erstellt am 29. April 2020 (04:34)
Der milde Winter machte es möglich, dass in Haag – am Bild Simon Lehner – bereits am 19. März mit der Spargel-Ernte begonnen wurde.
Lehner

Dass der heurige Winter besonders mild war und die Ernte deshalb einige Wochen früher startete als üblich, war für die heimischen Spargelbauern im Nachhinein gesehen ein Glücksfall. „Für den Spargel sind wir mit Arbeitern versorgt. Alle sind ein paar Tage vor Beginn der Sperren gerade noch rechtzeitig angekommen“, erklärt Franz Lehner, der in seinem Betrieb in Haag 26 rumänische Erntehelfer beschäftigt.

Schlechter sieht die Situation jedoch für die Erdbeeren aus, die nun ab dieser Woche geerntet werden. Denn hierfür mangelt es an Arbeitskräften. „Ich hoffe noch auf unser Stammpersonal aus der Ukraine. Sie wollen bei uns arbeiten und haben die Genehmigung, dürfen aber nicht kommen“, umschreibt Lehner die Problematik. So musste er zuletzt für die 15 bis 20 Arbeitskräfte, die er noch zusätzlich benötigt, auf in Österreich arbeitslos gemeldete Personen zurückgreifen.

Ungeübte Arbeiter keine große Unterstützung

Eine wirkliche Hilfe seien diese aber nicht gewesen, klagt Lehner. „Das war fast wie in einem Hotel – jeden Tag ein ständiges Kommen und Gehen, weil ihnen die Arbeit nicht gefällt. Sie sind alle keine Fachleute und bis sie eingearbeitet wären, sind sie schon nicht mehr da“, berichtet Lehner. Diesen ständigen Wechsel sei man vom Stammpersonal nicht gewohnt. „Die sind gekommen und wollten auch arbeiten“, betont er.

Auch wenn Lehner weiter auf die Ankunft der ukrainischen Helfer hofft, ist der Bedarf an Arbeitskräften vorerst einmal gedeckt. Auch er kann nämlich auf einige jener 138 Erntehelfer zurückgreifen, die am Freitag aus Rumänien eingeflogen wurden. Sie wurden direkt nach der Ankunft noch am Flughafen auf das Coronavirus getestet und müssen, bis ein Ergebnis vorliegt, in den Betrieben noch in Heim-Quarantäne.

Ganz ähnlich wie in Haag ist die Situation bei Mario Halbmayr-Detter in Wolfsbach. Die Spargelernte ist auch hier schon voll im Laufen. „Derzeit arbeiten etwa 15 Personen bei uns. Die sind schon seit Februar im Betrieb. Wenn im Mai aber die Erdbeerernte beginnt, bräuchte ich insgesamt 40 bis 50 Erntehelfer. Leider ist derzeit die Lage aber sehr unsicher und ich hoffe, wir können tatsächlich alles ernten“, blickt Halbmayr-Detter den nächsten Wochen mit gemischten Gefühlen entgegen.

Nachdem bis zuletzt keine organisierten Transporte im größeren Ausmaß durchgeführt werden konnten, hatten Arbeiter, die schon seit 15 Jahren im Betrieb tätig sind, versucht, aus Rumänien durch Ungarn mit dem Auto selbst anzureisen, was aber auch sehr unsicher sei. „Sie brauchen ein Gesundheitsattest aus Rumänien und unsere Arbeitsbewilligung“, erklärt Halbmayr-Detter und betont, dass die rumänischen Mitarbeiter auf das Einkommen als Erntearbeiter angewiesen seien.

Halbmayr-Detter ist auch mit einem Forstbetrieb in Salzburg und einigen Betrieben in der Region in Kontakt, um zumindest für die Spitzenzeit einige Arbeiter zugeteilt zu bekommen. Er wird auch auf das inländische Erntehelferportal zugreifen. „Durch die zuletzt kühle, windige Witterung ist die Ernte zum Glück ein wenig hinausgezögert worden, das kommt uns nun zugute“, bleibt er optimistisch.