Zwei Tonnen Äpfel und tausend Liter Direktsaft. bei der Mostviertelhalle. Ansturm der Haager Bürger und Schüler übertraf die Erwartungen.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 09. Oktober 2019 (03:29)
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Trotz strömenden Regens hatten die Kinder viel Spaß daran, ihre mitgebrachten Äpfel in der fahrbaren Siebbandpresse von Wastlbauer Karl Wagner zu frischem Direkt-Apfelsaft zu verarbeiten.

Die Vielfalt an Apfelsäften im Supermarkt ist enorm. Wo die dafür verwendeten Äpfel herkommen, ist aber in vielen Fällen ein gut gehütetes Geheimnis und wird am fertigen Produkt gar nicht angeführt. Viele Säfte werden zudem nicht direkt aus Äpfeln gepresst, sondern aus Konzentraten hergestellt.

Um der Bevölkerung die hohe Qualität von regionalem Apfelsaft ins Bewusstsein zu rufen und auch schon die Kinder und Jugendlichen für dieses Thema zu sensibilisieren, starteten die Landwirtschaftskammer NÖ und der Obstbauverband NÖ die Initiative „Apfelsaft aus Apfel g´macht“ und touren damit durchs Land. Am Mittwochvormittag war man damit in Haag zu Gast und stieß auf großes Interesse.

Franz Gleiß
Bürgermeister Lukas Michlmayr (4. von links) konnte Vertreter der Landwirtschaftskammer rund um Vizepräsidentin Theresia Maier (8. von links) sowie Schüler und Vertreter der HLW rund um Direktorin Waltraud Ehmayr (6. von links) und Fachvorständin Marianne Edermayr (9. von links) zum Apfelsaft-Pressen bei der Haager Mostviertelhalle begrüßen.

„Es freut mich, dass ihr alle gekommen seid“, begrüßte Bürgermeister Lukas Michlmayr trotz strömenden Regens einige Klassen der ASO, der Musikmittelschule und der HLW. Die Schüler hatten im Vorfeld fleißig Äpfel in den eigenen Gärten gesammelt, um daraus dann selbst in der fahrbaren Siebbandpresse von „Wastlbauer“ Karl Wagner aus Strengberg ihren eigenen Klassensaft herzustellen. Gemeinsam mit den Äpfeln, die die Haager Bürger angeliefert hatten, wurden an diesem Vormittag insgesamt zwei Tonnen Äpfel zu tausend Litern Direktsaft verarbeitet. Eine Menge, mit der die Veranstalter nicht gerechnet hatten.

„Der Apfelsaft muss nicht unbedingt mit dem Flugzeug zu uns herkommen, wir haben das auch in Österreich"

Im großen Rummel um die mobile Presse gingen die Ausführungen der Vertreter der Landwirtschaftskammer und des Obstbauverbandes fast ein wenig unter. Theresia Maier, Vizepräsidentin der niederösterreichischen Landwirtschaftskammer, betonte in ihrer kurzen Rede, dass man mit der Aktion vor allem sicherstellen wolle, dass Kinder wissen, wie Apfelsaft gemacht wird und die Eltern erfahren, wo sie direkt gepressten Saft kaufen können. „Der Apfelsaft muss nicht unbedingt mit dem Flugzeug zu uns herkommen, wir haben das auch in Österreich“, bekräftigte sie.

Bernhard Datzberger, Obmannstellvertreter des niederösterreichischen Obstbauverbandes, erklärte den Unterschied zwischen Direktsaft und Apfelsaftkonzentrat. Letzteres werde etwa in großen Mengen in China hergestellt und dann in Form von Dicksaft in die ganze Welt exportiert. „Trinkt Apfelsaft aus der Region“, lautete daher Bernhard Datzbergers eindringlicher Appell.

Dass eine rot-weiß-rote Fahne auf einem im Supermarkt gekauften Apfelsaft nicht immer heißen muss, dass die Äpfel auch aus Österreich kommen, führte Andreas Ennser vom Referat Obstbau der NÖ Landwirtschaftskammer aus. „Es kann auch sein, dass Apfelsaftkonzentrat importiert und dann in Österreich rückverdünnt wurde. Das ist eigentlich ein Schwindel, aber gesetzeskonform. Das ist ein Schlupfloch, das die Industrie nehmen darf“, erklärte Ennser.