Dietl & Papst: „Es ist Zeit, die Jungen ranzulassen“. Strengbergs Bürgermeister Roland Dietl und Vizebürgermeisterin Maria Papst treten bei der Gemeinderatswahl nicht mehr an.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 13. November 2019 (04:54)
Ein Bild mit Symbolcharakter: Bürgermeister Roland Dietl und Vizebürgermeisterin Maria Papst verlassen mit Ende der Periode die Gemeindepolitik. Die beiden Strengberger, die in der Volksschule schon gemeinsam die Schulbank drückten, treten bei der Gemeinderatswahl im Jänner nicht mehr an und machen Platz für ihre Nachfolger Johann Bruckner und Lukas Schatzl
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NÖN: Sie haben sich entschlossen, bei der Gemeinderatswahl im Jänner nicht mehr anzutreten. Was waren die Gründe dafür?
Roland Dietl: Ich denke, dass ich einfach das Alter dafür habe. Ich werde ja immerhin 64 Jahre alt und glaube, dass man die Jungen ranlassen sollte. Ich habe das auch zu Hause auf unserem Bauernhof so gehalten und meinem Sohn schon vor einigen Jahren das ganze Haus übergeben. Und fad wird mir in Zukunft sicher nicht werden. Wenn ich will, habe ich zu Hause jede Menge Betätigung. Deshalb habe ich auch keine Angst davor, dass es mit der Politik nun zu Ende geht.
Maria Papst: Ich bin seit 25 Jahren in der Politik. Das ist schon sehr lange. Jetzt ist es an der Zeit, dass die nächste Generation übernimmt. Ich bin auch als Schuldirektorin seit einigen Wochen in Pension und weiß, was auf mich zukommen wird. Dass ich mich völlig neu orientieren muss und dass ein völlig neuer Lebensabschnitt für mich beginnt, aber ich hoffe, es wird wieder etwas Neues kommen. Dass ich nur daheim herumsitze, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.

NÖN: Was hat Ihnen die Politik rückblickend persönlich gebracht?
Papst: Wenn ich so zurückschaue, dann habe ich irre viel gelernt – für mich selbst und für meine Persönlichkeit.
Dietl: Ich habe nie vorgehabt, Bürgermeister zu werden. Mein Vorgänger hatte gesundheitliche Probleme und da hat mich Maria gelöchert, bis ich Ja gesagt habe. Es war eine schöne Erfahrung. Aber als Bürgermeister wird man mit Dingen konfrontiert, von denen man vorher keine Ahnung hatte. Keine Frage: Ich habe viel gelernt dabei und es hat mir auch gefallen. Daher gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

NÖN: Wie fällt Ihre Bilanz der gemeinsamen Arbeit aus?
Dietl: Wir haben miteinander sehr viel geschafft. Ich habe mir nicht vorstellen können, dass wir so viel umsetzen können. Als ich das Bürgermeisteramt übernommen habe, habe ich mir gedacht: Was sollen wir jetzt noch machen? Es ist ja eh alles gemacht. Aber es ist dann doch noch sehr viel geschehen in den zehn Jahren: Vom Spar-Markt über die Siedlungserweiterung bis zum Straßenbau und jetzt noch die Wasserversorgung mit dem neuen Brunnen.

NÖN: Was waren für Sie die wichtigsten Projekte Ihrer Amtszeit?
Dietl: Sicher der Spar-Markt, die Wasserversorgung und der Zuzug, denn sonst hätten wir unsere Strukturen und die Schule nicht in dieser Form erhalten können. Natürlich hat die Gemeinde viel Geld in die Infrastruktur investieren müssen, aber das macht sich sicher irgendwann bezahlt.
Papst: Was für mich sehr wichtig war, war der soziale Zusammenhalt. Ich war ja lange Sozialreferentin und habe lange die Gesunde Gemeinde betreut. Als ich dann die Schule übernommen habe, habe ich mich auf unser Bildungszentrum spezialisiert. Mir war es wichtig, dass wir da wirklich gute Qualität schaffen. Zum Beispiel waren wir eine der ersten Gemeinden, die eine Kleinkindgruppe hatte.

NÖN: Wassermangel war in den letzten Jahren im Sommer stets ein großes Thema und wohl eine große Herausforderung für die Gemeinde?
Dietl: Ja, das war speziell dann, wenn alle ihre Pools füllen, ein großes Problem. Meistens ist auch noch ein Rohrbruch dazugekommen. Und es war notwendig, manchmal auch über Nacht die Wasserversorgung einzustellen. Wir mussten ja schauen, dass wir über die Runden kommen und dass am nächsten Tag wieder Wasser da ist.
Papst: So viel Negatives das Ganze auf der einen Seite hatte, es hatte auch etwas Positives – nämlich in dem Sinn, dass man den Wert des Wassers wieder etwas schätzen lernt. Aber natürlich war es für die Bevölkerung und für uns schon eine Herausforderung und eine harte Zeit.

NÖN: Ein wichtiges, aber auch umstrittenes Projekt, war der Umbau des Hallenbades in eine weitere Kindergartengruppe. Haben sich die Wogen da mittlerweile geglättet?
Dietl: Da war es gut, dass wir eine Zweidrittelmehrheit gehabt haben. Sonst hätten wir das Projekt nicht durchgestanden. Am meisten hat uns damals geärgert, dass Leute darüber geschimpft haben, dass das Hallenbad zugesperrt wird, die noch nie drinnen waren. Jetzt wird aber nicht mehr darüber gesprochen. Es wäre auch nicht möglich gewesen, alle zwei Projekte umzusetzen und sich einen Neubau von Kindergarten und Hallenbad zu leisten.

NÖN: In den letzten zehn Jahren wurde also viel Positives für die Gemeinde erreicht. Gab es auch negative Erfahrungen mit den Bürgern?
Dietl: Was ich nicht mehr tun würde, ist zu versuchen, zwischen zwei zerstrittenen Nachbarn zu vermitteln. Da ist man der Deschek. Die Folge daraus war, dass ich eine Aufsichtsbeschwerde der BH bekommen habe, weil ich zu lange zugeschaut habe. Es ist zwar bei der Aufsichtsbeschwerde nichts herausgekommen, weil wir eh alles richtig gemacht haben, aber ich würde das heute nur mehr nach Paragrafen abhandeln und aus.
Papst: Ich habe als Vizebürgermeisterin den Vorteil gehabt, dass ich nicht unbedingt an der vordersten Front gestanden bin. Natürlich ist der Bürgermeister da wesentlich mehr gefordert. Vielleicht hatte ich auch einen Bonus als Frau, dass man mich dann nicht so hart angegangen ist.

NÖN: Welche Aufgaben sehen Sie auf ihre Nachfolger Johann Bruckner und Lukas Schatzl zukommen?
Papst: Weil wir so viel Zuzug haben, ist es in Zukunft wichtig, dass wir den Leuten Heimat geben. Dass man sie da verwurzelt und bindet. Nur bauen alleine ist zu wenig. Man muss schauen, dass sich die Leute in Strengberg daheim fühlen. Da muss man als Gemeinde etwas bieten.
Dietl: In den nächsten Jahren wird die Praxis des praktischen Arztes neu zu besetzen sein. Das wird sicher auch eine Herausforderung werden.

NÖN: Gibt es eine Prognose für die Wahl? Wie viele Mandate wird die ÖVP künftig haben?
Dietl: Ich hoffe, dass wir unsere 15 Mandate halten. Ich bin mir da eigentlich ziemlich sicher, weil wir nicht schlecht gearbeitet haben und das Team passt. Ich habe ein gutes Gefühl. Ziel ist ein Mandat mehr.

NÖN: Apropos Team. Gibt es neben Ihnen weitere Abgänge in der ÖVP?
Dietl: Ja, mit Gerlinde Gschwandtner, die ein Jahr jünger ist als wir, geht ein weiteres Mitglied aus dem Gemeindevorstand. Was uns aber sehr freut, ist, dass wir in der Fraktion sehr viele neue und junge Gesichter haben.