20 Jahre Windrad in Ertl gefeiert. Franz Prenn ist begeisterter Landwirt und innovativer Stromlieferant.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 21. Juni 2020 (03:45)
Franz Prenn (3. Reihe Mitte) mit Teilnehmern des Energiestammtisches bei einer Exkursion im Juni 2008 – mit dabei waren neben Franziska Simmer auch die Stammtisch-Begründer Erich Apfalter (4. Reihe rechts) und Wolfgang Haidin (3. Reihe, 3. v. links). 
Penz/ Simmer

Sein Hobby ist das Spielen auf der Steirischen Harmonika, vor allem aber ist er Bauer voller Leidenschaft für diesen Beruf und Vordenker zugleich, hat er doch schon vor 35 Jahren als einer der ersten auf seinem Hof eine Hackschnitzelheizung installiert.

Wolfgang Haidin (links) und Franz Prenn vor dem vor 20 Jahren errichteten, innen begehbaren und fernüberwachten Windrad.
Penz/ Simmer

Der 59-jährige vierfache Familienvater Franz Prenn bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Frau Maria und seinen (Enkel-)Kindern in Ertl ein etwa 40 Hektar großes Anwesen. Selbstverständlich hat das umweltbewusste Landwirteehepaar auf dem 2013 neu errichteten Stallgebäude auch gleich eine 50-kWp-Photovoltaikanlage (PV) montiert, mit der sie immerhin 50.000 Kilowattstunden pro Jahr erwirtschaften.

Als Umweltpionier aber darf Prenn vor allem deshalb bezeichnet werden, weil er vor nunmehr 20 Jahren trotz zum Teil auch langwieriger Behördenwege ein Windrad errichten ließ, das jährlich etwa 230 Haushalte mit Strom versorgen kann, was die Nachhaltigkeit und Wichtigkeit dieser Investition unterstreicht.

Eine unerschöpfliche Energiequelle

Von der Idee im Jahr 1995 bis zur Umsetzung dauerte es fünf Jahre, Bürgermeister und auch Nachbarn standen seinem Vorhaben positiv gegenüber, sodass der begeisterte Landwirt sein großes Ziel verwirklichen konnte: „Sonnen- und Windenergie sind eben unerschöpflich, immer vorhanden und richten keinerlei Schaden an!“, zeigt sich der entschiedene Atomkraftgegner Prenn von seinem Weg, der natürlich ein finanzielles Risiko darstellte, überzeugt.

Auch der selbst ausgewählte Standort auf dem eigenen Grundstück war ihm wichtig. Prenn ist überzeugt, dass es auch in der Gegend viele bestens geeignete Flächen für Windräder gibt.

„Bedauernswert ist nur, dass der Einspeisetarif nicht gesetzlich geregelt ist. Überhaupt sollten von der Politik Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Ausbau von Windkraft leichter möglich und lukrativ machen“, fordert er.

Seine Anlage Enercon E-44-600 kW mit einer Nabenhöhe von 65 Metern und dem Rotordurchmesser von 44 Metern erzeugt bei 12,5 Meter Wind pro Sekunde mit 36 Umdrehungen in der Minute 600 kW Strom pro Stunde. Dem Betreiber wären Anreizsysteme für Häuslbauer wichtig. Das Anbringen einer Photovoltaikanlage sollte selbstverständlich werden. „Erfreulicherweise haben schon viele Gemeinden auf erneuerbare Energie ausgerichtete Energiekonzepte erarbeitet“, sieht Prenn die Entwicklung aber positiv.

Viele haben Windrad schon besichtigt

In all den Jahren sind so manche Exkursionen, Schulen, Interessierte aus nah und fern oder auch der Mostviertler Energiestammtisch mit Wolfgang Haidin vorbeigekommen, der selbst auf dem Dach seines Einfamilienhauses seit 2007 eine 5-kWp-PV-Anlage sowie auf einer von ihm angemieteten Dachfläche der Mittelschule eine 13-kWp-PV-Anlage betreibt.

Im nächsten Monat wird damit die 200.000-kWh-Stromproduktion überschritten. Beide Umweltpioniere sind sich einig: „Es bereitet einfach Zufriedenheit, ja bedeutet sogar große (Lebens)Freude, auf die Anlagen zu blicken – wissend, dass man mit der Erzeugung von ‚grünem‘ Strom der Umwelt Gutes tut!“