Plötzlich wurde es billiger in Obritzberg-Rust. Anschlussgebühr: Gemeinde sollte für Haus der Gemeinschaft 37.018 Euro zahlen. Dass es letztendlich nur 21.725 Euro sind, stieß nicht überall auf Gegenliebe.

Von Alex Erber. Erstellt am 22. Mai 2019 (17:34)
Thomas Heumesser
Gebühr wurde beschlossen, wie es der Genossenschaftsausschuss mit der Gemeinde ausgehandelt hatte: Schriftführerin Eva Ronge, Kassier Ernst Spindler, Obmann Leopold Pasteiner und Obmann-Stellvertreter Josef Schuster (von links).

Die Abwassergenossenschaft Großhain/ Kleinhain/Angern hätte allen Grund zur Zufriedenheit: Die Wasserversorgung funktioniert problemlos, die Genossenschaft steht wirtschaftlich auf äußerst soliden Beinen. Und dennoch ist sie ins Schussfeld der Kritik geraten - aus den eigenen Reihen.

Es geht um die Anschlussgebühr für das Haus der Gemeinschaft, die von der Marktgemeinde Obritzberg-Rust, selbst Mitglied der Genossenschaft, zu entrichten ist. 37.018 Euro für rund 1.028 Quadratmeter sind zu bezahlen, diesen Betrag hat ein unabhängiger Ziviltechniker ermittelt.

Der Betrag ist im Gemeindehaushalt nicht budgetiert. „Das war ein Fehler“, räumt VP-Bürgermeisterin Daniela Engelhart ein. Sie ersuchte daraufhin den Vorstand der Genossenschaft, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die Kosten zumindest zu mindern.

Und der Vorstand rund um Obmann Leopold Pasteiner fand eine Möglichkeit. Die Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr Hain-Zagging verfügt weder über einen Kanal-, noch über einen Wasseranschluss. Also zog man die Fläche der Fahrzeughalle von der ursprünglichen errechneten Fläche ab, womit sich der Betrag, den die Gemeinde zu berappen hat, auf 21.725 Euro verminderte. Diese Lösung bot der Genossenschaftsausschuss der Gemeinde an, die zustimmte.

„Für alle Genossenschaftsmitglieder sollen die gleichen Bedingungen gelten"

Um den Deal unter Dach und Fach zu bringen, war die Zustimmung der Mitglieder der Genossenschaft notwendig. Die Versammlung am vergangenen Freitag im Heurigenlokal Korntheuer verlief bisweilen „hektisch“, wie es Obmann Pasteiner formulierte.

Denn im Vorfeld hatte Mitglied Erich Döller mobil gemacht und den Nachlass in der Höhe von rund 15.300 Euro kritisiert: „Für alle Genossenschaftsmitglieder sollen die gleichen Bedingungen gelten. Es wird ansonsten schwierig werden, gegenüber ,normalen‘ Mitgliedern die Zahlung der statutenkonformen Anschlussgebühr beziehungsweise Nachzahlungen zu argumentieren.“

"Man sollte aus der Angelegenheit kein Politikum machen. Die Genossenschaft ist und bleibt unpolitisch.“

Obmann Pasteiner: „Es handelt sich hier um einen Profilierungsversuch eines einzelnen Mitglieds. Dem Argument, dass in der Fahrzeughalle nur die Fahrzeuge stehen und sonst nichts, kann sich eigentlich kein Mensch mit Hausverstand verschließen. Man sollte aus der Angelegenheit kein Politikum machen. Die Genossenschaft ist und bleibt unpolitisch.“

Abstimmungsergebnis: 23 Mitglieder für den Nachlass, sechs dagegen, sieben Enthaltungen.