Region Herzogenburg: „Frühjahr war eine Katastrophe“. Mit Einbußen rechnen Landwirte in der Region. Vor allem Unteres Traisental war von Trockenheit betroffen.

Von Hans Kopitz, Michael Schwab, Birgit Kindler und Melanie Baumgartner. Erstellt am 01. Juli 2020 (03:45)
„Für uns ist das das Wetter jedes Jahr eine Herausforderung – egal, wie es ist“, so Landwirt und Winzer Thomas Böck – mit Tochter Charlotte im Arm. Er sieht seine Zukunft schon gesichert, denn Sohn Maximilian – obwohl erst sechs – hilft dem Papa hier am Sojafeld, wo er nur kann.
Hans Kopitz

Mit einer langen Trockenperiode, bis endlich der lang ersehnte Regen kam, hatten die Bauern in der Region heuer schon zu kämpfen. „Das Frühjahr war eine Katastrophe – zu trocken und zu warm. Im Februar und März war die Vegetation viel zu weit fortgeschritten – und der Frost im April hat den Obstbäumen stark geschadet. Die lange Trockenheit im Mai bringt rund 50 Prozent Verlust beim Getreide. Der Kukuruz, der im Vorjahr Jahr zur selben Zeit so hoch war, wie meine achtjährige Tochter groß ist, ging ihr heuer bis zur Hüfte, dafür wächst er jetzt jeden Tag bis zu zehn Zentimeter. Hier ist der Regen gerade zur richtigen Zeit gekommen“, so Franz Schildberger, Landwirt in Wielandsthal, der auch Waldbesitzer ist. Er beklagt, dass die steigenden Temperaturen die Population der Borkenkäfer stark beschleunigen.

Auch Bio-Obstbauer Lorenz Lindner rechnet mit einer geringeren Ernte.
Günther Schwab

Auch für Thomas Böck, Winzer und Landwirt aus Getzersdorf, ist das Wetter jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung. „Wir haben zum Beispiel 15 Marillenbäume in unserem Garten und heuer vielleicht drei bis fünf Früchte dran. Die Trockenheit im Frühjahr zehrte schon sehr stark an den Nerven, die Pflanzen auf den Feldern brauchen einen Grundstock, um wurzeln zu können, deshalb wäre Feuchtigkeit im März und April wichtig gewesen, aber das kann man jetzt leider nicht mehr aufholen. Durch die Trockenheit gehen die Schädlinge vermehrt auf die Pflanzen los, deshalb wird auch Pflanzenschutz immer wichtiger. Aber natürlich sollte man ihn mit Sachverstand und hauptsächlich nachts anwenden, um Bienen und Schmetterlinge zu schützen, die zu dieser Zeit nicht unterwegs sind. Für das Getreide kam der Regen leider viel zu spät. Für die Sojapflanzen – denen das warme Klima recht gut tut und die in den Klimawandel hineinpassen – und den Mais kam er gerade noch rechtzeitig“, so Böck.

Es freut ihn auch, dass seine beiden Kinder Maximilian und Charlotte bereits jetzt Interesse an der bäuerlichen Arbeit zeigen und überall mithelfen wollen.

Lorenz Lindner, Bio- Obstbauer aus Traismauer, rechnet mit einer geringeren Ernte im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem bei Marillen ist es sehr unterschiedlich. „In den niederen Lagen hat der Spätfrost im März einen erheblichen Schaden angerichtet. In höheren Lagen ist die Situation deutlich besser. Die Dürre im Frühjahr und auch ein Hagelgewitter im Juni haben den Obstkulturen zugesetzt. Die Regenperiode ab Mitte Mai hat zumindest die Trockenschäden in Grenzen gehalten“, erklärt Lindner.

Unteres Traisental stark betroffen

Vor allem das Untere Traisental war von der Trockenheit betroffen, „auch schon in den vergangenen beiden Jahren“, wie Bezirksbauernkammer-Obmann Anton Kaiblinger erzählt. Den Niederschlag sieht er grundsätzlich positiv. „Der Regen war für die Landwirtschaft großteils noch keine Tragik, allerdings kam es im Gemüse- und Obstbau zu Ernteproblemen. Für Wintergerste, Raps und Weizen ist er allerdings zu spät gekommen, diese Früchte werden ja schon in den nächsten Wochen geerntet. Für die Ernte wäre es jetzt eine Erleichterung, wenn die Böden wieder trockener werden. Vor allem dem Wald hat der Niederschlag aber gutgetan. Wir hoffen, dass sich der Borkenkäfer dadurch nicht so stark vermehrt. Der Rübenrüsselkäfer ist kein Thema mehr.“ Wie es mit dem Maiswurzelbohrer aussieht, kann noch nicht gesagt werden. Dieser Schädling war im vergangenen Jahr vor allem im Perschlingtal stark vertreten.

Wie die Ernte bei Herbstfrüchten wie Mais sein werde, wisse man derzeit ebenso wenig.

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