Attacke mit Auto in Großrust: Zwei Jahre Haft. Streit um Geld. 42-Jähriger fuhr mit seinem Auto auf einen Pensionisten zu und gab Gas. Er habe ihm aber nur Angst machen wollen: Zwei Jahre Haft.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 19. April 2021 (17:02)
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6000 Euro und Werkzeug wollte der Angeklagte von einem Pensionisten in Großrust haben, als er Ende Mai 2020 plötzlich in seiner Werkstatt auftauchte. Herausgeben wollte der Pensionist weder das Geld noch das Werkzeug. Denn die 6000 Euro schuldete ein vormaliger Pächter der Werkstatt dem Angeklagten, nicht der Pensionist selbst.

Gehen wollte der Angeklagte, der extra aus Wien gekommen war, nach der Abweisung aber nicht. Er wurde handgreiflich und schlug ohne Vorwarnung mit den Fäusten auf den P67-Jährigen ein. Der zweite Mann, der mit dem Angeklagten in der Werkstatt war, versuchte diesen zurückzuhalten. Doch der ging wiederholt auf den am Boden liegenden Pensionisten los und trat auf ihn ein. Das alles belegen Standbilder, die die Videoüberwachung der Werkstatt aufzeichnete.

Angeklagter beschleunigte, will aber ausgewichen sein

„Ruf die Polizei“, schrie der Verletzte seiner Frau zu, die zu dem Zeitpunkt im Garten war. Das Wort Polizei dürfte den Angeklagten soweit abgelenkt haben, dass sich der 67-Jährige aufrappeln und flüchten konnte. Doch anstatt wegzufahren nahm der Angeklagte die Nummerntafeln von seinem Auto, stieg ein und fuhr dem Mann nach.

„Ich habe beschleunigt, als ich ihn gesehen habe“, gibt er zu. Er habe aber niemals die Absicht gehabt, den Mann zu überfahren, sondern habe diesem „nur Angst machen“ wollen. Er habe diesen glauben lassen wollen, er werde ihn überfahren.
Angst um sein Leben hatte der Pensionist nach eigener Aussage allemal. Er sprang zur Seite, als das Auto nur mehr ein paar wenige Meter entfernt war. Er habe ein paar Meter vor dem Mann auch nach links weggelenkt, sagt der Angeklagte. „Wenn ich ihn wirklich überfahren hätte wollen, wäre das leicht gewesen. Aber das hatte ich nicht vor“, sagt er.

Vor Gericht sagt er, der Pensionist habe einen Stein in den Händen gehabt und wollte diesen auf das Auto werfen. Deshalb habe er beschleunigt und sei auf ihn zugefahren. Der Pensionist sagt, an dieser Version der Geschichte „stimmt kein einziges Wort“.

Versuchter Mord oder Drohung mit dem Tod?

War es versuchter Mord oder nicht? Über diese Frage muss ein Schwurgericht entscheiden. Ausschlaggebend für die Antwort ist das Gutachten eines Sachverständigen. Und das ergibt: Der Angeklagte hätte das Auto auf den letzten zehn Metern bevor er den Pensionisten erreicht hätte, mit der Geschwindigkeit, mit der er fuhr, tatsächlich umlenken können. Wäre der Pensionist also nicht zur Seite gesprungen und hätte der Angeklagte, wie er sagt, wirklich zur Seite gelenkt, dann hätte er den Pensionisten nicht mit dem Auto erfasst.

Das bedeutet in den Augen der Staatsanwaltschaft :
Es war kein Mordversuch, sondern schwere Nötigung und versuchte schwere Körperverletzung. Zu dem Schluss kommen letzten Endes auch die Geschworenen. Der Angeklagte ist zweimal einschlägig vorbestraft. Am Ende bekommt er zwei Jahre Haft. Das Urteil ist rechtskräftig.