Rauchverbot tritt in Kraft: "Hoffnung stirbt zuletzt". Vielfach herrscht Endzeitstimmung. In der Gastronomie ist blauer Dunst ab 1. November verbannt.

Von Hans Kopitz. Erstellt am 29. Oktober 2019 (03:10)
Schauplatz Café La Strada: Lokalpächterin Claudia Yaldiz mit Seniorchef Nubar Yaldiz (Zweite und Dritter von rechts) mit ihren Gästen Karl Marchsteiner, Trafikantin Susanne Kadanka, die nach eigenen Angaben schon eine Stunde auf ihr Zigaretterl verzichten kann, und Architekt Walter Matzka (von links), der mit der Neuregelung gar nicht einverstanden ist.
Hans Kopitz

Aus, Schluss, vorbei! Ab 1. November müssen alle Gasthäuser, Bars und Kaffeehäuser rauchfrei sein – ob die Besitzer oder Pächter wollen oder nicht.  Das Café La Strada am Rathausplatz preschte dabei schon vor. Es hatte wegen Umbau kurz geschlossen und öffnete danach wieder rauchfrei.

„Als ich den Wiener Flughafen gebaut habe, herrschte dort Rauchverbot, aber in meiner Bauhütte bestimmte ich.“ Architekt Walter Matzka

Nicht alle Gäste waren entzückt davon, denn viele – auch Frauen – gehen ins Kaffeehaus, um zur guten Schale Melange eine Zigarette genießen zu können. Jetzt muss man nach dem Kaffee das Lokal verlassen, wenn man rauchen möchte – und das ist gerade in der kalten Jahreszeit nicht unbedingt bequem.

Einige Stammgäste nahmen es eher locker oder sogar mit Humor und sagten „gerade jetzt, wo ich zu Rauchen beginnen wollte, wird es abgeschafft“, andere aber waren schon giftig und wie man sagt „angefressen“.

Einer, der mit der neuen Regelung überhaupt nicht einverstanden ist, ist Architekt Walter Matzka. „Es ist eine Unverschämtheit, dass man den Lokalbesitzern, die meist mit viel Geld vor gar nicht allzu langer Zeit ihr Lokal mit Glaswänden und Ähnlichem getrennt haben, um dem Gesetz Folge zu leisten, jetzt vorschreibt, als Nichtraucherlokal zu agieren. Die Bevormundung der Bürger wird immer größer. Warum lässt man die Wirte nicht selbst entscheiden, ob sie ihr Lokal rauchfrei oder nicht führen wollen?“

Matzka erinnert sich: „Ich rauche seit meinem 14. Lebensjahr – und das lasse ich mir jetzt im Alter nicht nehmen. Ich sehe ein, wenn die öffentlichen Ämter rauchfrei gehalten werden müssen, alles andere ist ein Eingriff in die Privatsphäre. Als ich seinerzeit den Wiener Flughafen gebaut habe, herrschte dort auch Rauchverbot, aber in meiner Bauhütte bestimmte ich. Wir hatten damals tausende Arbeiter am Bau und meine Hütte war in den Pausen immer voll, denn da durfte geraucht werden – und es wurde geraucht, sodass man oft den Gegenüberstehenden gar nicht erkennen konnte.“

Ein bisschen in der Zwickmühle ist Anton Buchsbaum, Wirt des Bahnhofsrestaurants, denn er ist Besitzer eines Gasthaus- und Beherbergungsbetriebes sowie Trafikant. „Unser Gasthof wurde 1882 gegründet, ist also zwei Jahre älter als Coca-Cola, aber so etwas war bis jetzt noch nicht da. Ich habe 2006 den Betrieb in der sechsten Generation übernommen und ich strebe natürlich danach, dass dieses Wirtshaus weiter besteht, wo Essen, Trinken, Schlafen und Rauchen dazu gehören.“

„Bin neugierig, worauf das Ganze hinausläuft“

Buchsbaum wird sich auf die neue Situation einstellen müssen: „Keine Angst, es wird sich einpendeln, wir werden einen wetter- und windgeschützten Vorraum mit einem Stehtisch errichten, denn ich habe ja auch einen Beherbergungsbetrieb und muss für meine Gäste einen Raucherraum bereitstellen. Aber ich bin neugierig, worauf das Ganze noch hinausläuft und was sich die Gesetzgeber noch alles aus den Fingern saugen.“

Es wird höchstwahrscheinlich noch einige Diskussionen darüber geben, wenn in der Nacht vom 31. Oktober auf 1. November um Mitternacht die Zigaretten in den Gaststätten ausgedämpft werden und die Raucher ins Freie strömen. Für sie ist das passend zu Halloween der blanke Horror.