Wölbling

Erstellt am 20. Januar 2019, 04:23

von Birgit Kindler

Wieviel Frau darf‘s denn sein?. Sängerin aus Wölbling hat Kabarett-Programm über das Wohlfühlen im eigenen Körper geschrieben.

Mit ihrer Tochter Tori lebt Ingrid Diem derzeit in Wölbling.  |  privat

„Jeder kennt jeden und das Leben ist stressfrei und friedlich. Und der Postler weiß alles“, schmunzelt Ingrid Diem. Die erfolgreiche Sängerin und Kabarettistin lebt seit 2015 in Wölbling. Mit ihrem Song „BMI - Body Mass Index“ sprach sie vielen Menschen aus der Seele und ist so einem noch größeren Publikum bekannt geworden. In die Gemeinde ist die Künstlerin gezogen, weil ihre Tochter Tori eine Schule am Land besuchen sollte.

Bernhard Eder  |  NOEN

„Durch eine Einladung zu einem Event in der Wohngemeinschaft ‚Pomali‘, lernte ich Wölbling kennen und war gleich begeistert“, sagt die 39-Jährige, die aus dem Marchfeld stammt und viele Jahre in Wien gelebt hat. Auch sie weiß das Landleben zu schätzen: „Wenn man jeden Tag 400 Leute sieht, braucht man einen Rückzugsort. Wenn ich von Wien heimfahre und das Stift Göttweig sehe, dann bringt mich das in positivem Sinn runter.“ Die Künstlerin unterrichtet zwei Mal pro Woche in Wien an der Popakademie junge Erwachsene in Popgesang. „Der Austausch mit den jungen Frauen macht Spaß und hält frisch. Sie sind viel selbstbewusster, als ich es damals war und haben die Fähigkeit, groß zu denken“, sagt Diem. In ihrem Hauptberuf ist die gebürtige Wienerin aber Sängerin. „Das wollte ich schon seit meiner frühesten Kindheit werden, ich habe auch immer mit der Rundbürste vor dem Spiegel geübt.“

Diem kann von ihrem Beruf leben, seit sie 18 Jahre ist. „Ein Projekt folgte auf das nächste. Ich musste auch nie zu einem Casting. Für mich wurde immer der Teppich ausgerollt. Ich habe nie Existenzängste gehabt und einfach darauf vertraut, dass es weitergeht.“ Auf der Bühne stand sie schon mit Größen wie Wolfgang Ambros, Maya Hakvoort oder Doretta Carter. Sie war Sängerin bei den Rounder Girls und übernahm die Hauptrolle bei den Melker Sommerspielen 2015 beim Stück „Life is live“. „Fünf Tage vor der Premiere erfuhr ich, dass ich die weibliche Hauptrolle übernehmen soll. Der Intendant hat einfach darauf vertraut, dass ich das kann“, so Diem. Auch als Sängerin für Studioalben von Left Boy bis Andy Borg war sie im Einsatz. „Ich habe alle Stile bis auf Klassik gesungen, fühle mich aber im deutschen Soul zu Hause“, erklärt sie. Das sei die Sprache in der sie ihre Gefühle am besten ausdrücken kann. 2017 hat sie ihr erstes Soloalbum „Eins und Eins“ herausgebracht – mit lauter selbst geschriebenen Songs.

Mit Lied „BMI“ Nerv der Zeit getroffen

Für besonders viel Aufmerksamkeit sorgte ihr Lied „BMI - Body Mass Index“, das sie 2018 auf youtube stellte. Damit hat Diem den Nerv der Zeit getroffen. Knapp 22.500 Aufrufe hat das Video bereits. Dass sie so viel Aufmerksamkeit bekommt, damit hat sie nicht gerechnet. „Ich habe das Lied in erster Linie für mich selbst gemacht und gehofft, dass es ein paar Leute ansehen.“

Auch Diem hat Erfahrung mit zahlreichen Diäten und weiß auch selbst, was ein Jojo-Effekt ist. Ausschlaggebend dafür, dieses Lied zu schreiben, sei ein Besuch in einem Kaffeehaus gewesen. „Ich habe vier Frauen zugehört, die sich selbst ‚zerlegt‘ haben und ganz hässlich über ihren Körper gesprochen haben. Und ich habe mir gedacht, die schauen so aus, wie ich gern aussehen würde.“ Nicht einmal aufs Klo gehen hat sie sich getraut, weil sie nicht an ihnen vorbeigehen wollte. „Aber dann habe ich mir gedacht ‚man ist anscheinend nicht mal so zufrieden‘ – also kann ich mich auch gleich entspannen und so annehmen wie ich bin.“

Aus diesen Gedanken ist jetzt auch ihr erstes Kabarettprogramm mit dem vielsagenden Titel „Wieviel Frau darf‘s denn sein?“ entstanden. „In diesem Programm habe ich meine Gewichtsschwankungen und mein derzeitiges Single-Dasein verarbeitet“, erklärt sie. Ihr Kabarett hat neben Humor aber auch eine Botschaft. „Nämlich sich selbst so anzunehmen, wie man ist. Natürlich werden im Programm auch einige passende Lieder zu hören sein.“

Wie lange Diem noch in Wölbling leben wird, weiß sie noch nicht. Auf jeden Fall aber so lange, bis die Tochter die Volksschule beendet hat. „Wölbling ist ein herrlicher Ort für Familien. Als Neo-Single zieht es mich doch langfristig eher in eine Stadt“, lächelt sie.