Bedrohliches E-Mail wegen verletzter Ehre. Österreichischer Schwiegersohn? Für türkischen Vater (56) ein Ding der Unmöglichkeit. Der Mann landete auf der Anklagebank.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 22. Oktober 2019 (04:01)
Symbolbild
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„Wenn Ihr Kopf auf Ihrem Körper bleiben soll, dann halten Sie sich von meiner Tochter fern“, teilte ein türkischstämmiger Herzogenburger via E-Mail dem Lebensgefährten seiner Tochter mit.

Wegen der schweren Nötigung landete der 56-Jährige vor einer Strafrichterin. Geständig ist er im Prozess am Landesgericht in St. Pölten nicht.

„Wenn Ihr Kopf auf Ihrem Körper bleiben soll, dann halten Sie sich von meiner Tochter fern“

Ob es dem Angeklagten ein Dorn im Auge war, dass seine erwachsene Tochter mit einem Österreicher liiert ist? Das verneint der 56-Jährige, erklärt, dass er tolerant sei und macht für den Inhalt seines Mails den Google-Übersetzer verantwortlich.

Die Richterin will es genauer wissen. „Was haben Sie denn aus dem Türkischen übersetzt?“, fragt sie. Die Antwort bleibt der Angeklagte schuldig.

„Was haben Sie denn aus dem Türkischen übersetzt?“

Vor dem Vater habe die Tochter ihre Liebe jahrelang geheimgehalten. „Sie hatte große Angst, dass er keine andere Nationalität akzeptieren würde“, erzählt ihr Lebensgefährte, weshalb die Tochter den Kontakt zum Vater abgebrochen hat. Nachdem der 25-Jährige das bedrohliche Mail bekommen hatte, trudelte eine WhatsApp-Nachricht bei ihm ein.

„Ich habe dich gefunden“, schrieb der 56-Jährige und stand nur wenige Stunden danach vor der Tür des 25-Jährigen. „Da habe auch ich Angst gehabt, die Tür nicht geöffnet, sondern die Polizei gerufen.“

„Unglaubwürdig und lebensfremd“, sagt die Richterin zur Verantwortung des 56-Jährigen und verhängt über ihn zehn Monate bedingt verhängte Freiheitsstrafe. Rechtskräftig.