Anwalt klagt den Mandanten: Jurist gegen Winzer. Wölblinger Weinbauer fühlte sich falsch beraten und zahlte das Honorar nicht. Im August folgt ein Prozess.

Von Alex Erber. Erstellt am 15. Juli 2020 (04:58)
Foto: NP27/Shutterstock.com (Gericht) bzw. Alextype/Shutterstock.com (Weinbau)
NP27/Shutterstock.com (Gericht) bzw. Alextype/Shutterstock.com (Weinbau)

Nein, Freunde werden sie mit Sicherheit nicht mehr, der Wölblinger Winzer Andreas Mader und der Herzogenburger Rechtsanwalt Hans-Peter Pflügl.

Der Weinhauer wirft dem Advokaten falsche Auskunft vor und hat daher das Honorar nicht vollständig bezahlt. Pflügl klagte, bekam recht. Mader blieb hartnäckig, im August gibt es ein Wiedersehen vor Gericht.

Dabei hatte alles harmonisch begonnen. Im Zuge eines anderen Verfahrens, es ging um gefährliche Drohung, fungierte Pflügl als Anwalt von Mader. Der Mandant fühlte sich gut aufgehoben.

Dann wollte Maders Gattin die Scheidung. Weil er positive Erfahrung gemacht hatte, ließ sich der 50-Jährige im noch laufenden Verfahren zunächst erneut von Pflügl vertreten.

Der Knackpunkt war und ist die Vermögensaufteilung.

„Ich frage mich, ob er einen landwirtschaftlichen Betrieb zerstören darf.“Der Winzer über seinen Ex-Anwalt

Pflügl riet Mader, sich Gedanken über die Grundstücksaufteilung zu machen, da er im gegenteiligen Fall seine Gattin ausbezahlen müsse.

Mader kontaktierte daraufhin andere Anwälte sowie die Landes-Landwirtschaftskammer. Dort erhielt er die Auskunft, dass ein Unternehmen, und eine Landwirtschaft gilt als Unternehmen, bei einer Scheidung nicht aufgeteilt werden darf. Jedoch: Mader muss dann seiner Frau die in den Ehejahren erbrachte Leistung und den Einsatz für die Landwirtschaft, dazu zählt auch die Kindererziehung, finanziell ausgleichen. Als Vermögenswert wird die Landwirtschaft herangezogen.

Experten vergleichen den vorliegenden Fall mit dem halb gefüllten Glas Wasser, das je nach Betrachtungsweise halb voll oder halb leer ist.

Andreas Mader fühlte sich falsch beraten, beschwerte sich bei der Rechtsanwaltskammer: „Ich frage mich, ob Hans-Peter Pflügl einen landwirtschaftlichen Betrieb zerstören darf.“

Der Ausschuss der Rechtsanwaltskammer antwortete Mitte Jänner: „Sehr geehrter Herr Kollege! Nach eingehender Prüfung des Sachverhaltes gelangt die Rechtsanwaltskammer NÖ zu dem Ergebnis, dass kein Anlass besteht, gegen Sie standesbehördlich einzuschreiten.“

Offen sind 3.744 Euro

Jetzt geht es ums Geld. Hans-Peter Pflügl verlangte rund 5.323,90 Euro. Mader bezahlte jedoch „nur“ rund 2.000 Euro, die Kosten für die Vertretung im Strafverfahren wegen gefährlicher Drohung.

Weil der restliche Betrag trotz Aufforderung nicht einlangte, klagte der Anwalt seinen ehemaligen Mandanten. Mitte Mai erließ das Bezirksgericht St. Pölten einen bedingten Zahlungsbefehl. Bei Pflügl offen sind exakt 3.323,90 Euro, mit Gerichtskosten und Zinsen beläuft sich der Betrag auf 3.744 Euro.

Andreas Mader legte Einspruch ein, im August gibt es vor Gericht ein weiteres Verfahren. Der Weinbauer hat einen anderen Anwalt gefunden, und zwar Stefan Gloß aus St. Pölten. Über ihn ist er voll des Lobes.

Eines gelang Gloß nicht. „Herr Mader wäre an einer vergleichsweisen Bereinigung interessiert“, schrieb er seinem Kollegen. Antwort: „Ich halte fest, dass ich angesichts des Verhaltens des Andreas Mader natürlich nicht bereit bin, diesem in irgendeiner Form (nochmals) entgegenzukommen.“ Was er im NÖN-Gespräch bekräftigte.