Die letzte Ehre für die Toten. Wolfgang Ulmer berichtet, wie er zum Job als Friedhofswärter kam, was ihn freut und was ihn stört.

Von Hans Kopitz und Nadja Straubinger. Erstellt am 29. Oktober 2019 (03:07)
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Das Laub der Bäume verfärbt sich, mit jedem noch so feinen Windhauch segeln sie zu Boden. Besonders auf den Friedhöfen wird dann das Gefühl der Vergänglichkeit immer stärker. Mit der Vergänglichkeit täglich zu tun haben die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung.

In Herzogenburg wird der Friedhof vom Städtischen Bauhof betreut – und der stellt auch den Totengräber. Nur so will der derzeitige Friedhofswärter, Wolfgang Ulmer, der vor zwei Jahren den Job von seinem Vorgänger Walter Piglmann übernommen hatte, nicht bezeichnet werden. Denn er schaufelt ja die Gräber nicht mit der Hand, sondern macht es mit dem Bagger – und außerdem muss er sich ja auch um den gesamten Friedhof, eingeschlossen die Kieswege, Bäume und Sträucher, kümmern.

Seit Traumberuf war es jedoch nicht, denn Wolfgang Ulmer hatte eigentlich gar keinen – und so erlernte er den Installateurberuf. Als vor nunmehr 25 Jahren – kommendes Jahr feiert er sein Jubiläum – eine Fachkraft für das Städtische Wasserwerk gesucht wurde, hat er sich gemeldet und wurde in den Dienst bei der Gemeinde aufgenommen.

Im Großen und Ganzen ist er mit seinem Job zufrieden: „Man muss realistisch denken, jetzt, wo ich noch zehn Jahre auf die Pension habe, bringt ein Umsteigen auch nichts mehr. Außerdem arbeite ich gerne, es ist eine schöne Arbeit hier in der frischen Luft, ich bin hier der Gärtner und kümmere mich um die Pflanzen, schneide die Sträucher und Bäume – und muss natürlich auch das Laub im Herbst entfernen. Ich mag Pflanzen und Blumen und habe auch zuhause Pelargonien, die ich hege und pflege – und außerdem habe ich einen kurzen Weg zur Arbeit“, so Ulmer, der als Single lebt.

Natürlich gibt es auch einige Sachen, die ihn stören: Er darf keine giftigen Spritzmittel mehr verwenden und so wächst ihm daher das Unkraut manchmal über den Kopf, denn der Friedhof ist ja groß – und außerdem der Schließdienst zum Wochenende, denn der Städtische Friedhof wird ja abends zugeschlossen und muss in der Früh wieder aufgesperrt werden. „Es schränkt das Privatleben schon ein, denn ein Thermen-Wochenende zwischendurch ist da nicht drinnen“, so Ulmer.

Er freut sich über jedes Lob, das er für den schön gestalteten Friedhof bekommt.

Und er nimmt auch die Jugendlichen etwas locker, die mit ihren Rad-Bremsmanövern die Schotterwege zerstören, obwohl sie eigentlich dort mit dem Rad gar nicht fahren dürften. Ein bisschen ärgert ihn das schon, aber das will er nicht so zeigen; da war sein Vorgänger schon viel strenger.

Natürlich geht es ihm auch zu Herzen, wenn ein Freund oder Bekannter stirbt und er für seinen letzten Weg sorgen muss. „Aber man kann nicht man nicht die Trauer für jeden, der hier zu Grabe getragen wird, an sich heranlassen, sonst könnte man diesen Beruf nicht machen“, so „Ulli“, wie er von den Mitarbeitern des Bauhofs genannt wird.

Die Arbeit mit dem Bestatter Hubert Hiesleitner klappt ausgezeichnet, er ist mit ihm schon seit den Kindertagen befreundet.

Josef Marchart kümmert sich um die Trauerfeier

Josef Marchart arbeitet seit vier Jahren am Friedhof der Landeshauptstadt. „Man muss sehr genau arbeiten, bei den Zeremonien darf nichts schief gehen“, ist sich Marchart seiner verantwortungsvollen Aufgabe bewusst. Er ist der erste, der in der Zeremonienhalle steht, und der letzte am Grab, bevor er es verschließt und den Sarg langsam in die Tiefe lässt.

Auf einem kleinen Zettel notiert sich Marchart, wann, wo und wie genau die Zeremonie ablaufen soll. Der Ablauf wird genau mit den Hinterbliebenen abgestimmt. Dann geht er in den Kühlraum, holt den Sarg und bahrt diesen in der eingeteilten Halle auf. Das Schmücken übernehmen die Gärtner, für die Kränze der Trauergäste stehen Kranzwagen zur Verfügung. „Ich schaue mir dann an, ob alle Kränze platziert wurden, ob alles mit den Kerzen in Ordnung ist und platziere, wenn gewünscht, den Fotobanner“, erklärt Marchart. Wenn gewünscht, bereitet er auch einen Tisch mit Engeln vor.

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