Klimakrise als große Aufgabe. Verbaute Flächen, Preisdruck und der Klimawandel sind stets Thema. Die Zahl der Biobauern steigt.

Von Nadja Straubinger, Marlene Groihofer und Hans Kopitz. Erstellt am 22. Oktober 2019 (03:45)
Marlene Groihofer
Anna Bracher verkauft in St. Pölten am Wochenmarkt am DomplatzProdukte aus eigener Herstellung:„Wir bemühen uns, nur die beste Qualität zu erzeugen.“

 Einst lag ihr Betrieb inmitten von Feldern. Heute braucht es ein paar Ampelstopps, bis Anna Bracher ihre Äcker erreicht.

„Die Stadt ist zu uns herausgewachsen“, sagt die Landwirtin. Gemeinsam mit Mann Bernhard betreibt sie einen Bauernhof im Norden von St. Pölten. „Es ist besorgniserregend, wie viel verbaut wird“, sagt die Viehofnerin.

„Die Stadt ist zu uns herausgewachsen“,

Jeder betonierte Quadratmeter fehle der Umwelt. Keiner sei rückgängig zu machen: „Was soll das in Zukunft für die Landwirtschaft bedeuten?“ Von Milchwirtschaft und Mastschweinen leben die die Brachers und vertreiben ihre Produkte direkt: Eier, Fleisch, ein Käsesortiment.

„Die Kunden schätzen unsere Arbeit und sind auch bereit, einen gewissen Preis dafür zu bezahlen. Dafür erwarten sie perfekte Qualität.“

Alles sei von Hand gemacht und dementsprechend aufwendig: „Ob unsere Kinder mit der Direktvermarktung weitermachen werden? Sie sehen, wie viel Zeit wir investieren . . .“.

„Die lange Trockenphase und die Spitzentemperaturen haben wir heuer schon stark gespürt"

Rudolf Hell aus Statzendorf ist Landwirt mit Leib und Seele: „Die lange Trockenphase und die Spitzentemperaturen haben wir heuer schon stark gespürt, da kann man den Klimawandel nicht mehr leugnen. Ich habe einen landwirtschaftlichen Kleinbetrieb, habe heuer an einen meiner beiden Söhne den Hof übergeben, der ihn weiterführt. Ich bin mit meinen 57 Jahren also jetzt Altbauer und stehe jeden Samstag am Herzogenburger Bauernmarkt. Zum Preis- und Mengendruck kann ich nur sagen: Wo kein Mengendruck da ist, ich auch kein Preisdruck da.“

„Der Erntezeitpunkt kommt immer früher"

Die Klimaveränderung sieht St. Pöltens Landwirtschaftskammerobmann Anton Hieger als eine der größten Herausforderungen der Branche: „Der Erntezeitpunkt kommt immer früher. In meiner Jugend gab es das nicht, dass man erst vor Mitte August damit fertig war. Derzeit gibt es im August gar keine Ernte mehr.“ Auch im Frühjahr gehe es vorzeitig los.

Anton Hieger: „Das ist besonders für den Rübenrüsselkäfer ein Vorteil.“ Bei 17 bis 18 Grad Celsius sei er aktiv und könne in einem Tag ein ganzes Feld abräumen. „Auch der Borkenkäfer profitiert von Trockenheit und Wärme.“

„Es herrscht Futternot"

Besonders schwer habe es heuer das Grünland erwischt, weiß Hieger: „Es herrscht Futternot, viele Landwirte haben Silomais zugekauft und eingelagert. Das kann aber nur eine Überbrückungsmaßnahme sein.“

Die Erträge seien sehr unterschiedlich – bei schlechteren Böden habe sich die Trockenheit bemerkbar gemacht. Auch ein großer Preisdruck herrsche im Moment: „Besonders bei Getreide und Zuckerrübe.“

Rund 3.097 landwirtschaftliche Betriebe gab es im Bezirk St. Pölten bei der jüngsten Erhebung 2010, davon 227 Biohöfe. Die Biobetriebe sind laut Landwirtschaftskammer im Steigen begriffen.

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