Untreue-Prozess gegen Banker. Angestellter soll das Geld von Kunden eingesackt haben. Vor Gericht gesteht er nicht. Gutachten sollen Unschuld beweisen.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 21. Oktober 2019 (09:52)
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Symbolbild

„Ich habe der Bank immer blind vertraut“, sagt eine 92-Jährige vor Gericht. 16.000 Euro soll ein Bankangestellter aus der Region von ihrem Konto in die eigene Tasche gesteckt und die Unterschriften auf den Auszahlungsbelegen gefälscht haben. Untreue und Urkundenfälschung wird dem Mann nun vorgeworfen in einem Prozess am Landesgericht.

Nachdem man dem Angeklagten auf die Schliche gekommen war, soll er bei Vorgesetzten geständig gewesen sein. „Wir haben ihm die Möglichkeit gegeben, reinen Tisch zu machen“, erklärt ein Vertreter der Bank vor Gericht. Doch dann kam es ans Tageslicht: Der Banker soll sich auch an Konten anderer älterer Menschen bedient haben. 29.300 Euro beträgt der Schaden laut Staatsanwaltschaft.

Angeklagter verdächtigt andere Mitarbeiter

Im Prozess bestreitet der Angeklagte sämtliche Vorwürfe, verdächtigt andere, die sich an seinem Computer eingeloggt und Unterschriften gefälscht hätten. „Ein Bauernopfer also“, meint darob der Richter.

An Manipulation durch andere Mitarbeiter glaubt ein Zeuge nicht. „Auf den Belegen ist die Nummer seines Stand-PCs vermerkt“, erklärt er. Auch mögliche Hackerangriffe eines Servicetechnikers schließt er aus.

Und sagt: „Wir haben uns die Überwachungsvideos angesehen. An den Tagen, an denen die Gelder behoben wurden, waren die Kunden nicht in der Bank.“ „Man sieht aber auch auf keiner Aufnahme, dass mein Mandant in die Kassa greift“, entgegnet der Verteidiger des Angeklagten.

Der Rechtsanwalt beantragt die Einholung von Gutachten. Ein Grafologe soll prüfen, ob Unterschriften gefälscht sind. Und ein Gutachten eines Informationstechnikers will der Jurist einholen lassen, „zum Beweis, dass die Buchungen nicht vom Angeklagten durchgeführt wurden.“ Der Prozess wurde vertagt.