Gemeinderat zieht "hinaus" in die Katastralen. Öffnungsschritte in Traismauer betreffen auch die Mandatare. Die Sitzungen finden wieder vor Publikum statt. Dabei verlässt man vorerst die Stadt, das erste Treffen findet in Wagram statt.

Von Alex Erber. Erstellt am 23. Juni 2021 (04:02)
Bürgermeister Herbert Pfeffer regte die Tour durch die Katastralen an.
Schwab, Schwab

„Transparente Demokratie ist mir persönlich ein ganz besonderes Anliegen! Ich möchte daher eine Einladung an die Bevölkerung aussprechen, an den öffentlichen Sitzungen des Gemeinderates teilzunehmen“, sagt Bürgermeister Herbert Pfeffer. Die SPÖ hat bereits beraten: Einstimmig fiel die Entscheidung, die nächsten Sitzungen des Gemeinderates in den Katastralgemeinden abzuhalten und damit direkt vor Ort zu tagen.

Umlaufbeschluss, Videokonferenz, Livestreaming: nicht förderlich für die Bürgernähe. „Auch der Prozess der NÖ Stadterneuerung hat darunter stark gelitten“, berichtet SPÖ-Vizebürgermeister Thomas Woisetschläger.

Nun sei es an der Zeit, noch mehr Bürgernähe zu leben und vor allem in der modernen Zeit auch auf alte Traditionen zu setzen: „Beim Redn kumman d‘ Leit zaum!“, weiß Stadtchef Pfeffer.

Wagram wurde vor 50 Jahren eingemeindet

Auftakt für die Tour durch die Katastralen ist bereits am Mittwoch, 30. Juni. Die Gemeinderatssitzung wird im Saal des Landgasthofs Huber in Wagram stattfinden.

Nicht zufällig: Einerseits wolle man damit ein Zeichen setzen, dass die Stadt zu ihrer Wirtshauskultur hält und auf die krisengeschüttelte Branche aufmerksam macht, andererseits ist es 50 Jahre her, dass Wagram eingemeindet wurde.

1971 kamen drei Gemeinden hinzu

Wagram ob der Traisen war die erste Gemeinde, die sich bereits 1968 an Traismauer angeschlossen hat. 1971 kamen Stollhofen, Frauendorf-Hilpersdorf und Gemeinlebarn hinzu. Die Katastralgemeinden Oberndorf, Waldlesberg und St. Georgen waren Ortsteile von Traismauer. Aber auch in diesen Katastralen sind Sitzungen des Gemeinderates geplant.

Bürgermeister Pfeffer wird in den Sitzungen auch ein paar Zeilen aus den Protokollen sowie ein paar Forderungen der Gemeinden zitieren, die an die Stadt Traismauer gerichtet wurden. Pfeffer: „Manches darf nicht vergessen werden, weil es zu respektieren und immer noch umzusetzen ist. Selbstverständlich sofern es noch möglich und sinngemäß ist, denn es finden sich auch ein paar Passagen, die einem ein leichtes Schmunzeln entlocken.“

Am Ende sind dann Wortmeldungen erlaubt

Die Sitzungen werden abgesehen von den Schauplätzen auch einen anderen Charakter als bisher haben: „Oftmals treten Bürger mit einem Anliegen an uns heran und möchten während einer Sitzung bei den einzelnen Themen mitdiskutieren. Doch das geht laut Gemeindeordnung gar nicht. Diese Struktur möchte die SPÖ Traismauer nun aufbrechen und so wird der Bürgermeister am Ende der öffentlichen Gemeinderatssitzungen der anwesenden Bevölkerung die Möglichkeit bieten, mit den Gemeindemandataren in Diskussion zu treten“, blickt Woisetschläger voraus.

Und Bürgermeister Pfeffer ergänzt: „Ich möchte damit gerne verkrustete Strukturen aufweichen und gerade nach der Zeit der Absonderungen mit den Menschen ins Gespräch kommen.“