Traismaurer stellte Hitler-Bild ins Regal. 21-Jähriger soll gegen Verbotsgesetz verstoßen haben. Geschworene sprechen ihn von Wiederbetätigung einstimmig frei.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 15. Januar 2019 (04:38)
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Symbolbild

„Das Ganze war nur ein richtig blöder Scherz“, sagt ein 21-Jähriger vor einem Geschworenensenat. Im Wohnzimmer einer Wohngemeinschaft in Traismauer stellte er ein Foto von Adolf Hitler in einem Bücherregal auf. Wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz wird ihm nun der Prozess gemacht.

Von Mitte August bis 20. September war, so die Staatsanwältin, das 20 mal 15 Zentimeter große Foto, versehen mit dem Text „Onkel Adi aus Purkersdorf“, in einem Rahmen im Regal, „wo es jeder Bewohner und Besucher sehen konnte“. Zehn bis 20 Personen hätten, so die Anklägerin, das getan. „Für Wiederbetätigung muss man kein Nazi sein, es reicht, nationalsozialistische Ziele zu aktualisieren. Mit der Glorifizierung Adolf Hitlers ist der Tatbestand erfüllt“, meint sie.

Anders sieht das der Verteidiger des nicht geständigen Römerstädters. „Nicht jede Darstellung ist tatbestandsmäßig, es kommt immer auf den Kontext an. Sonst müsste jeder Buchhändler vor Gericht“, sagt der Rechtsanwalt im Prozess am Landesgericht in St. Pölten.

Was der Angeklagte mit der Aktion erreichen wollte? „Es war makabrer Humor“, erklärt er. Und er erzählt: „Zuerst habe ich ein Foto von Atatürk ausgedruckt. Das habe ich in den Rahmen gegeben und einem Mitbewohner ins Zimmer gestellt.“

Weil der türkischstämmige Bursche den türkischen Republiks-Gründer nicht kannte, druckte der 21-Jährige dann das Hitler-Foto aus, zeigte auch das dem Mitbewohner und fragte: „Und den kennst a ned?“

„Onkel Adi aus Purkersdorf“

„Ich wollte ihn pflanzen“, erklärt der Angeklagte im Prozess. Wie der Mitbewohner reagiert hat? Er hat gesagt, das sei sein Onkel aus Fünfhaus. Weil Fünfhaus kommt öfters in Texten eines Rappers vor.“

Den Schriftzug „Onkel Adi aus Purkersdorf“ habe dann sein Mitbewohner verfasst. Warum Purkersdorf? „Weil ich jeden Tag in die Arbeit über Purkersdorf nach Wien gefahren bin“, so der 21-Jährige.

Lange sei das Foto dann in einer Schublade gelegen, bis es schließlich im Regal zwischen Bierdosen landete und es dann Polizisten, die gegen den dritten Mitbewohner ermittelten (Suchtgift), bei einer Hausdurchsuchung entdeckten.

Das letzte Wort des Traismaurers vor Urteilsverkündung? „Ich mach’ das nie wieder.“

Die acht Geschworenen sind sich einig und sprechen den 21-Jährigen einstimmig frei. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.