Großstelzendorf will seine Orgel retten. Die Sonnholz-Orgel von Großstelzendorf ist ein besonderes Kulturgut, das 70 Jahre nach der letzten Restaurierung allerdings schwer mitgenommen ist.

Von Christiane Fürst. Erstellt am 23. Juni 2019 (06:18)
Fürst
Pfarrer Michael Wagner mit einem abgebrochenen Stück der Orgel und Pfarrgemeinderätin Doris Schnöpf vor dem restaurierungsbedürftigenInstrument.

Der Abschluss der Innenrenovierung der Großstelzendorfer Kirche steht an. Nachdem 2007 die Kirche neu renoviert wurde, fehlt nur noch die Orgel. Zum letzten Mal wurde diese 1948 auf Vordermann gebracht. „Jeder möchte die Renovierungsarbeiten endlich abschließen“, weiß Pfarrgemeinderätin Doris Schnöpf.

Sämtliches Pfeifenmaterial von 1761 ist noch erhalten

Dass die Orgel etwas ganz Besonderes ist, wurde erst deutlich, als die Pfarre Kostenvoranschläge für die Restaurierung einholte. Zwei Experten ermittelten Gottfried Sonnholz als Erbauer. Der bedeutende Orgelbauer zeichnet für die Instrumente in Mariazell, Melk, am Wiener Karlsplatz sowie in den Hofkirchen in Wien und Ravelsbach verantwortlich.

Zuvor war Josef Silberbauer als Orgelbauer gehandelt worden. Es stellte sich aber heraus, dass dieser zu besagter Zeit zu beschäftigt gewesen war. Was die Großstelzendorfer Orgel von jener in Mariazell unterscheidet? Sämtliches Pfeifenmaterial aus 1761 ist noch erhalten und sorgt für den schönen Klang.

Die sieben Jahrzehnte seit der letzten Restaurierung gingen jedenfalls nicht spurlos an der außergewöhnlichen Orgel vorüber: Holzwürmer haben dazu geführt, dass nur noch vier von 14 Registern vollständig bespielbar sind. Dieses Manko könne durch die talentierten Organisten der Pfarre einigermaßen ausgemerzt werden. „Mir ist es schleierhaft, wie man mit so wenigen Tönen so gut spielen kann“, erzählt Pfarrer Michael Wagner sichtlich verblüfft.

Wagner: Kirche habe beim Hochwasser 2016 Glück gehabt

Neben der beschränkten Nutzbarkeit stelle das Instrument mittlerweile aber auch ein Sicherheitsrisiko dar. Im letzten Herbst sind Teile des Orgelgehäuses heruntergefallen, die Menschen hätten verletzen können. Weiters zittere Wagner davor, dass der Motor des Blasbalgs heiß läuft. Passiere dies, würde ein Brand ausgelöst werden.

Die Kirche habe beim Hochwasser 2016 Glück gehabt, weil nur wenig Wasser eingetreten sei. Andere Schäden, wie die Zerstörung eines Barockfensters durch Hagel, habe das Gotteshaus gut weggesteckt.

Wagner fände es schade, wenn die Orgel nicht restauriert werden würde, weil sie für ihn etwas kulturell Wichtiges für die Gegend symbolisiere. 145.000 Euro müssen aufgebracht werden. Dazu beitragen wollen die „Freunde der Orgel“, eine Interessengemeinschaft in Großstelzendorf, die bereit ist, Geld für die Restaurierung zu spenden.