Franziska Wohlmann-Pfeifer: „Begeisterung war in mir“. Franziska Wohlmann-Pfeifers Herz schlägt seit jeher für das Theater.

Von Sandra Frank. Erstellt am 17. April 2019 (02:56)
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Wie Franziska Wohlmann-Pfeifer überhaupt nach Niederösterreich und zum Theater kam, erzählt die Intendantin des Guntersdorfer tww im Gespräch mit der NÖN.

Ohne Franziska Wohlmann-Pfeifer würde im Bezirk, genauer gesagt in Guntersdorf, etwas Entscheidendes fehlen: das Theater. Seit 33 Jahren gibt es bereits das „Theater Westliches Weinviertel“, kurz und knapp unter tww im Sprachgebrauch verankert. Und dieser „Unrunde“ wird gemäß der tww-Tradition groß gefeiert, gleich drei Tage lang (17. bis 19. Mai).

Vorhersehbar war es nicht, dass das „Wienerkind aus dem Arbeiterbezirk Favoriten“ einmal in Niederösterreich Wurzeln schlagen würde. Wohlmann-Pfeifers Lebensmittelpunkt sollte sich erst mit dem Einstieg ins Berufsleben aufs Land verlagern. Die ausgebildete Volksschullehrerin wollte unbedingt unterrichten. In der Bundeshauptstadt war aber kein Job frei, also nahm sie eine Lehrerstelle in Sitzendorf an. „Nur für ein Jahr …“, erinnert sich die Pädagogin schmunzelnd. Aus diesem einen Jahr sollte ein ganzes Leben werden.

„Die Theaterbegeisterung war in mir drin“, weiß die heute 68-Jährige noch genau, wie alles begann: in einem Wiener Gasthaus. Dort wurde nämlich im Freien unter Linden („Ich hab‘ den Duft noch in der Nase.“) Theater gespielt. Sonntags Kindertheater. Ihre Familie gehörte zum Stammpublikum. „Beim Kindertheater war immer ein Clown dabei, daher kommt wohl meine spätere Liebe zu Arlecchino.“ Und einmal, da war sie gerade vier oder fünf Jahre, wurde „Der Verschwender“ von Ferdinand Raimund gespielt. Was dem Stück noch fehlte: sieben Kinder. „Sie haben mich an der Kassa gefragt, ob ich mitspielen möchte.“

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Das tww-Logo

In der Volksschule spielte die Regisseurin immer Theater, besuchte Aufführungen in ihrer Freizeit, organisierte das Theater der Jugend in der Schule. Für ihre Deutsch-Matura verzichtete sie aufs Lernen, stattdessen ging sie zwei- bis dreimal pro Woche ins Theater.

Trotzdem war Wohlmann-Pfeifers Berufswunsch ein anderer. „Ich hatte eine Volksschullehrerin, die ich über alles geliebt habe. Ich wollte so werden wie sie“, erzählt sie.

„Ich hatte eigentlich immer Glück“, blickt die Intendantin auf ihren Weg von Wien nach Guntersdorf zurück: So spielte sie zuerst mit ihren Volksschülern Theater. Was die Kinder hatten, das wollten die Eltern auch. Also arbeitete Wohlmann-Pfeifer mit den Erwachsenen. Und da saß einmal ein Mann im Publikum, der von ihrer Regie begeistert war und sie ansprach.

„Der Mann war Helmut Korherr“, wie sie später herausfand. Der wiederum inszenierte gerade den „Räuberhauptmann Grasel“ in Wien und wollte, dass Wohlmann-Pfeifer das Stück auch am Land spielt. Sie sagte zu, obwohl sie keine Schauspieler an der Hand hatte, und okkupierte den „stimmungsvollen Garten“ von Milan und Irina Racek, mit denen sie bereits damals im Jahre 1983 gut befreundet war.

Wie sie dann zu den Schauspielern gekommen ist? „Ich bin herumgefahren und hab mir aus jedem Ensemble die Besten geholt“, lacht die Intendantin bei der Erinnerung an damals. Einer davon war übrigens Karl „Carlo“ Frank von der Theatergruppe Eggenburg.

Für das Gelingen der Premiere hatte die Regisseurin nun alles: eine wunderschöne Bühne und Schauspieler. Was sie – zumindest am Premierentag – nicht hatte: gutes Wetter. Weil es regnete, musste das Ensemble in ein Gasthaus ausweichen. „Der Grasel“ wurde dennoch ein Erfolg. Ein Deutscher aus Stuttgart saß im Publikum und wollte das Stück samt Schauspieler in seiner Heimat haben. „Also haben wir auch dort gespielt.“

In der nächsten Printausgabe der Hollabrunner NÖN erfahren Sie, wie das tww in Guntersdorf sesshaft wurde und warum Freitag, der 13., immer eine wichtige Rolle spielte.