Christoph Söllner: „Wer hat das schon vorhergesehen …?“. Wirtschaftliche Krise bei Christoph Söllners Zulieferbetrieb für die Gastronomie aus dem Bezirk Hollabrunn.

Von Romana Schuler. Erstellt am 05. März 2021 (03:11)
Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie treffen Christoph Söllners Unternehmen hart.
Roman Schuler

Nicht nur die Gastronomie leidet extrem unter dem langen Lockdown, sondern auch Partnerunternehmen wie Zulieferer sind arg betroffen. Christoph Söllner hat sich im November 2019 selbstständig gemacht und auf die Zustellung von Lebensmitteln spezialisiert. Seine Kundschaften sind vorrangig Gastrobetriebe und kleinere Kaufhäuser.

Der erste Lockdown sei für ihn noch problemlos zu verkraften gewesen, die Sommermonaten seien gut gelaufen – bis November 2020. „Heute, nach vier Monaten Lockdown, habe ich einen Umsatzrückgang von bis zu 80 Prozent. Das sind für mein Unternehmen sehr dramatische Aussichten.“

Fünf ehemalige Kunden sperren nicht mehr auf

Söllner hat die Weinbauschule in Retz absolviert und erlernte dann den Beruf des Metzgers. Er war immer im Lebensmittelhandel tätig. Nachdem sein früherer Arbeitgeber Konkurs angemeldet hatte, startete er als Einzelunternehmer durch. Dabei hätte er bei der Unternehmensgründung wohl einen großen Fehler gemacht, nämlich sein Unternehmen als Lebensmittelhandel zu deklarieren, meint er heute.

„Deswegen bekomme ich jetzt keine Unterstützung, den sogenannten Umsatzersatz. Wenn ich mein Unternehmen als Zustelldienst angemeldet hätte, wäre ich jetzt auf der sicheren Seite, aber wer hat das schon vorhersehen können! Ich bin nur froh, dass ich keine Angestellten habe, das würde die Situation noch verschlimmern“, sagt Söllner.

Er wisse von fünf seiner ehemaligen Kunden, dass sie nicht mehr aufsperren würden. Es gäbe auch Gastrobetriebe, die in Zukunft nur noch offen haben würden, um Speisen zur Abholung anzubieten. Das sei von den Kosten nicht sehr aufwendig und wäre in Zeiten der Pandemie sicherer. Söllner selbst kann noch nicht abschätzen, ob er in derselben Weise wie vor Corona weitermachen kann. Finanziell blickt er einer schwierigen Zeit entgegen.

Inzwischen will er seinen kleinen Kastenwagen verkaufen, um über die Runden zu kommen. Den Lkw für die größeren Lieferungen hatte er ohnehin immer angemietet. Er sei ein optimistischer Mensch, sagt der Alberndorfer, doch die Krise werde sich wohl noch hartnäckig halten. Wenn sie dann einmal vorbei ist und es wirtschaftlich wieder besser laufen sollte, möchte er ein Unternehmen mit der Bezeichnung „Zustell- und Lieferdienst“ gründen.