"Anger Village": Grüne fürchten ein Verkehrschaos. In der Hollabrunner Steinfeldgasse, am Rande des Brunnenschutzgebiets, soll ein Bauprojekt mit knapp 60 Wohneinheiten realisiert werden werden. Der Projektträger lud diese Woche zu einer Präsentation für die Anrainer, wo auch Bedenken geäußert wurden. Grünen-Klubobmann Georg Ecker meldet solche ebenfalls an. Er fürchtet ein Verkehrschaos. Bürgermeister und Stadtbaudirektor verweisen indes auf ein Konzept, das bereits in der Schublade liegt.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 03. März 2021 (15:51)
Georg Ecker an der Kreuzung Wienerstraße/Steinfeldgasse, die Sorgen bereitet - und umgebaut werden soll.
Die Grünen Hollabrunn

Durch das Abfallsammelzentrum in der Steinfeldgasse komme es an der Kreuzung mit der Wienerstraße schon jetzt – „meist Freitagnachmittags“ – zu chaotischen Zuständen, so Ecker. Er befürchtet durch den Baustellen-Schwerverkehr eine weitere Verkehrsbelastung. „Die Anrainer leiden schon jetzt. Es gibt kein Konzept, wie diese Kreuzung entschärft werden soll“, hadert der Grünen-Gemeinderat.

Der seitens der Gemeinde vorgeschlagene Umweg des Baustellenverkehrs über Raschala sei nicht praktikabel und würde insgesamt für noch mehr Belastung sorgen, ist er überzeugt.

Ecker: "Lösung, bevor drauflos gebaut wird"

Überdies werde das Problem auch nach Vollendung des Baus bestehen bleiben, mahnt Ecker: „Rund 100 Stellplätze sind vorgesehen, viele Menschen werden mit dem Auto in die Wienerstraße einbiegen wollen. Es braucht hier dringend eine Lösung, bevor wild drauflos gebaut wird.“

Die Grünen stehen der Wohnhausanlage am Rande des Brunnenfeldes übrigens generell skeptisch gegenüber: „Was, wenn einmal mehr Wasser benötigt wird und das Brunnenschutzgebiet zu erweitern ist?“, fragt Ecker. Die Stadtgemeinde nehme sich hier eine Möglichkeit „bei der wichtigsten Ressource, die wir haben“. Einmal mehr kritisieren die Grünen in diesem Zusammenhang das Fehlen eines Entwicklungskonzepts, für das bereits viel Geld in die Hand genommen worden sei: „Die vorläufigen Ergebnisse lassen weiter auf sich warten und werden vor der Öffentlichkeit geheim gehalten“, beklagt Ecker.

Stadtchef: "Wunderschönes Projekt"

Für ÖVP-Bürgermeister Alfred Babinsky ist die Sorge der Grünen übertrieben. Man müsse die Kirche im Dorf lassen. Der freitägige Andrang zum Abfallsammelzentrum sei schon jetzt groß. Und: In Zusammenhang mit dem Wohnbau werde man sich den Kreuzungsbereich Steinfeldgasse/Wienerstraße selbstverständlich mit Verkehrssachverständigen anschauen. Es sei jedenfalls ein wunderschönes Projekt, betont Babinsky: „Wir hatten hier schon vor einigen Jahren einen Architektenwettbewerb, der durch unsere Gremien gegangen ist und bieten hier das, was in Hollabrunn gesucht ist.“

In dieselbe Kerbe schlägt Baudirektor Stephan Smutny-Katschnig auf NÖN-Nachfrage. Die Kreuzung sei ein berechtigtes Thema und es gebe bereits Entwürfe eines Verkehrsplanungsbüros, wie dort umgebaut werden könnte. Nächste Woche stehe wieder ein Workshop bezüglich des Entwicklungskonzepts an, wo die Situation mit den Planern aufgearbeitet werden soll.

Gespräch mit "Anger Village"-Anrainern

Das Projekt, dessen Einreichung übrigens noch nicht erfolgt ist, werde nicht von heute auf morgen gebaut, beschwichtigt Smutny-Katschnig. Im Zuge der Baustelleneinrichtung werde mit dem Bauherrn freilich auch abgeklärt, wie die Zu- und Abfahrten erfolgen. „So etwas kann man mit einem Leitsystem steuern“, erklärt der Baudirektor. Er hat weiters einen Termin mit Anrainervertretern, um die Situation sachlich aufzuarbeiten.

Projektträger ist übrigens die Vestwerk Property Partners GmbH, auf deren Website bereits ein Bild des geplanten „Anger Village“ in Hollabrunn zu sehen ist. Für die Planung zeichnet das Hollabrunner Architekturbüro Maurer verantwortlich. „Städtebaulich und architektonisch ein tolles Projekt“, meint auch Smutny-Katschnig. Hier werden qualitative Freiräume und Verdichtung von bestehendem Wohnbauland in Einklang gebracht.

Dass man sich hier eine Chance nimmt, das Brunnenschutzgebiet künftig zu erweitern, sei nicht der Fall, weil dort keine Trinkwasserreserven zu erwarten sind. Der Baudirektor verweist auf entsprechende Bohrungen. Georg Ecker könne sich bei den Stadtwerken über das neue Brunnenfeld erkundigen, mit denen die Trinkwasserversorgung der Gemeinde langfristig gesichert sein soll.