Unterhosen-Affäre: SPÖ fordert Bürgermeister-Rücktritt. Helmut Koch soll seine Hosen vor SPÖ-Stadträtin Elisabeth Germann runtergelassen haben. Der VP-Stadtchef lässt ausrichten, dass dies nicht stimme.

Von Sandra Frank und Christoph Reiterer. Update am 19. Juli 2019 (15:18)
NÖN-Archiv
In der Weinstadt Retz sind dieser Tage die Unterhosen des Stadtchefs Gesprächsthema.

In einem offenen Brief an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner fordert die Retzer SPÖ-Stadträtin Elisabeth Germann am Donnerstagabend den Rücktritt und Parteiausschluss von ÖVP-Bürgermeister Helmut Koch. Dieser habe am 18. Juni bei einem gemeinsamen Termin mit der Volksschuldirektorin die Grenzen des guten Anstands weit überschritten. Die ÖVP spricht von Kreditschädigung und Verleumdung. 

Auf die Frage der Direktorin, ob jemand Kaffee möchte, habe der Bürgermeister geantwortet, dass er diesen selbstverständlich schwarz wolle. Er sei schwarz bis ins Innerste, er habe sogar schwarzes Blut und schwarze Unterhosen an. Dann habe er die Hose geöffnet, bis seine Unterhose sichtbar gewesen sei und gemeint: „Ach schau, heute ist sie gestreift.“


SP-Stadträtin forderte Entschuldigung von VP-Stadtchef

Germann sei schockiert und sprachlos gewesen. „Als ich ihn dann einige Tage danach in der Stadtratssitzung angesprochen und eine Entschuldigung gefordert habe, hat er zwar alles vor Zeugen bestätigt, sich aber nicht entschuldigt“, schreibt Germann. Im Gegenteil, Koch sei ins Wirtshaus gegangen und habe sich auch noch über die Stadträtin lustig gemacht.

Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Koch sie schlecht behandelt habe, so die SPÖ-Mandatarin. Aber der Bürgermeister sei noch nie so weit gegangen, die Hosen runterzulassen. Daher appelliert die Genossin nun an die Landeshauptfrau, „an Sie als Frau“, sich eindeutig zu distanzieren und solche Umgangsformen in der ÖVP nicht zu tolerieren. „Solange dies ohne Konsequenzen bleibt, wird es immer wieder vorkommen, dass Frauen schlecht behandelt werden.“ 

Sie spreche nicht von sexueller Belästigung, so Germann, aber von Ungeheuerlichkeiten und sexistischen Umgangsformen. Johanna Mikl-Leitner sei gefordert, Helmut Koch aus der ÖVP auszuschließen. „Ohne angemessene Folgen machen Sie sich mitverantwortlich.“

Bürgermeister Koch: "Ich habe meine Hose nicht geöffnet!"

„Ich habe vielleicht einen flapsigen Spruch getätigt, aber sicher kein unrechtes Verhalten gesetzt“, lässt Bürgermeister Koch ausrichten. „Ich habe meine Hose nicht geöffnet, das lasse ich mir von niemandem unterstellen. In dieser Frage bin ich auch bereit, meine Unschuld vor Gericht zu verteidigen", betont er. 

VP-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner steht dem Retzer Stadtchef zur Seite: „Wer jemandem zu Unrecht sexistisches Verhalten unterstellt, erfüllt den Tatbestand der Kreditschädigung und der üblen Nachrede. Ich kann die SPÖ-NÖ nur auffordern, ihre Vorwürfe zurückzunehmen".


SPÖ ortet mangelndes Problembewusstsein

SPÖ-Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar stellt sich indes hinter die Retzer Stadträtin: „Für mich zeugt es von mangelndem Problembewusstsein und einem steinzeitlichen Verhalten gegenüber Frauen, wenn der Bürgermeister meint, mit dieser Aktion im Stadtrat und am Stammtisch herumprahlen zu müssen.“

Auch er erwarte sich eine Stellungnahme der ÖVP-Landesparteichefin und den Rücktritt von Helmut Koch. Egal, welche Absichten der Bürgermeister hatte, die Aktion sei sprichwörtlich in die Hose gegangen.

„Es ist ein Problem von Sexismus und fehlender Gleichberechtigung in einem von der konservativen ÖVP dominierten Bundesland“, meint Kocevar. Mikl-Leitner solle den Vorfall zum Anlass für eine Offensive gegen Sexismus und für mehr Frauen in politischen Spitzenpositionen zu starten.

SP-Bezirkschef: "So etwas darf nicht geduldet werden"

„Der Sittenverfall ist traurig“, kommentiert Richard Pregler, Bezirksvorsitzender der SPÖ, den offenen Brief. Dass sich die Retzerin nun an die ÖVP-Landeschefin gewandt hat, hält er für legitim: „Sie hat das persönliche Gespräch mit Koch gesucht, das hat aber leider nichts ergeben.“ Die Landeschefin solle erfahren, wie Vertreter ihrer Partei mit anderen umgehen. „So etwas darf einfach nicht geduldet werden.“ 

Er hält dieses Verhalten eines Stadtchefs unwürdig. „Ich habe acht Jahre in einem Kindergarten gearbeitet, bin jetzt zehn Jahre in der Volksschule, aber selbst bei Kinder habe ich so etwas noch nicht erlebt.“

ÖVP vermutet SPÖ-Retourkutsche 

Dem offenen Brief war in der Stadt Retz übrigens eine Polit-Debatte über die vermeintliche Willkür des Bürgermeisters in Bauangelegenheiten vorausgegangen. Germann hatte in der jüngsten Gemeinderatssitzung diesbezüglich einen Dringlichkeitsantrag eingebracht. 

Den Stein ins Rollen gebracht hatte eine fehlende Fertigstellungsanzeige der SPÖ-Funktionärin und ehemaligen Kabinettschefin von Ex-Kanzler Faymann, Susanne Metzger-Schnopfhagen. In VP-Kreisen wird vermutet, dass es sich hier um eine Retourkutsche handelt, die buchstäblich unter der Gürtellinie sei.

„Das ist eine gemeine Unterstellung, eine gemeine Besudelungskampagne nach Marke Silberstein und zeigt das wahre Gesicht der SPÖ“ÖVP-Bezirksparteichef

Empört zeigt sich ÖVP-Bezirksparteichef Richard Hogl über die Vorwürfe: