Hollabrunn

Erstellt am 06. Februar 2019, 11:39

von Sandra Frank

Erste Job- und Bildungsmesse in Hollabrunn war Erfolg. 70 Aussteller - darunter Schulen, Unternehmer und Institutionen - stellten ihr Angebot im Hollabrunner Stadtsaal vor. Der "Radiodoktor von Ö1", Markus Hengstschläger, sprach darüber, was Schüler heute lernen müssen, um in der zukünftigen Arbeitswelt zu bestehen.

Als „wesentliche Plattform für Aus- und Weiterbildung“ bezeichnete Bildungslandesrätin Petra Bohuslav die erste Hollabrunner Job- und Bildungsmesse in der Sporthalle und im Südfoyer es Stadtsaals, die Initiatorin Elisabeth Schüttengruber-Holly zur Messe gratulierte. Mehr als 70 Aussteller waren Ende Jänner präsent, um die vielen Besucher über Jobs und Ausbildung zu informieren.

Dieses vielfältige Angebot wurde von etwa 2.000 Besuchern angenommen, Schüler ließen sich an den Ständen beraten.

Messe als Aushängeschild für die Schulstadt Hollabrunn

Stadtchef Erwin Bernreiter zeigte sich ebenfalls stolz, immerhin sei Hollabrunn als Bildungsstadt bekannt, deren Angebot bei dieser Messe gut widergespiegelt werde. 

Um am Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben, könne auf Weiterbildung nicht verzichtet werden, betonte Bohuslav bei der offiziellen Eröffnung. Sie sprach den Facharbeitermangel an, der das ganze Land beschäftige. 

Beim Rundgang durch die Sporthalle konnte sich die Landesrätin vom breiten Angebot in der Region überzeugen. Nicht nur Schulen waren anzutreffen, die ihr Bildungsprogramm vorstellen. Das Bundesheer war ebenso mit einem Infostand vertreten wie Polizei und Justizwache. „Uns steht eine Pensionierungswelle bevor“, erzählt René Zeitlberger, Wirtschaftsleiter der JA Sonnberg, dass die Justiz auf Personalsuche sei. Auch Unternehmen nutzten die Plattform, um mit Schülern ins Gespräch zu kommen, um ihnen eine Lehre schmackhaft zu machen.

"Stadt muss Potenzial noch mehr nutzen"

„Mir gefällt’s sehr gut“, war auch SPÖ-Stadträtin Elke Stifter bei der Messe anzutreffen. Denn für Vereine und Institutionen ergab sich hier ebenso eine gute Möglichkeit zur Vernetzung.

Georg Ecker, Landtagsabgeordneter der Grünen besuchte die Messe ebenfalls. Für ihn zeigte sich hier das große Potenzial des Schulangebots. „Ich glaube, dass dieses Potenzial noch besser für unsere Stadt genutzt werden kann, etwa was die Gründung von Unternehmen aus den Schulen heraus betrifft.“ Der „Maker Space“ der HTL Hollabrunn sei ein guter Anfang. Er würde sich aber wünschen, dass die Stadtgemeinde tätig werde und etwa ungenutzte Räume für junge Gründer zur Verfügung stelle.

„Wir sind mitten in der Digitalisierung“, sprach Landesrätin Bohuslav über das Thema, das die Job- und Bildungsmesse beherrschte. Verschiedene Jobs werde es in Zukunft nicht mehr geben, dafür würden neue entstehen, von denen wir heute noch nicht wissen, wie sie aussehen.

"Es braucht nicht nur Lehrer, sondern auch Talentscouts"

Das war auch Thema des Impulsvortrags vom „Radiodoktor von Ö1“, Markus Hengstschläger. „Ich soll Sie für die Podiumsdiskussion aufwärmen“, so der Genetiker. Er sieht die digitale Transformation als „nichts Besonderes“. Warum? „Es sind immer schon Jobs gekommen und gegangen.“ Die Herausforderung unserer Zeit, der Schulen, sei es, die Jugendlichen so auszubilden, dass sie später in Berufen und Branchen bestehen können, von denen wir heute noch nicht einmal wissen, dass es sie einmal geben wird. 

„Wir müssen sie so ausbilden, dass sie in jeder Situation wissen, wie man Neues schaffen kann.“ Darum brauche das Bildungssystem nicht nur Lehrer, sondern auch Talentscouts. Hier sei der Staat gefordert, denn: „Jedes Kind hat das gleiche Recht herauszufinden, was es kann.“

"Wir haben zu viele Schüler in der falschen Schule"

Dem konnte Bildungsdirektor Johann Heuras in der nachfolgenden Diskussion nur zustimmen. „Wir haben zu viele Schüler in der falschen Schule“, müsse es dem Bildungssystem unbedingt gelingen, den jungen Menschen beim Entdecken ihrer Talente und der richtigen Berufswahl zu helfen.

„Die Zukunft war noch nie so vorhersehbar wie heute“, meint Hengstschläger. Denn eine solche Datenmenge über Menschen, die zur Verfügung stehe, um Prognosen zu erstellen, habe es noch nie gegeben. Und dennoch würden ständig unvorhersehbare Dinge geschehen, wie der Brexit, Donald Trump oder auch die Migrationsströme: „Hätte ich mich 1986 dazu entschieden, Islamkunde und Orientalistik zu studieren, hätte man mir gesagt, dass ich den Taxischein gleich dazu machen soll. Heute brauchen wir solche Experten wie einen Bissen Brot“, führt Hengstschläger als Beispiel an.  

"Der Mensch speichert mit Vorliebe Blödsinn ab"

Denn keine Datenmenge könne vorhersagen, wie der Mensch Entscheidungen trifft. Weil diese aus dem Bauch heraus aufgrund von Erfahrungen getroffen werden. Warum man dies nicht datenbasiert vorhersagen kann? „Der Mensch speichert mit Vorliebe Blödsinn ab“, schmunzelt der Genetiker.

„Die Zukunft war damals gemütlicher“, denkt er 100 Jahre zurück. Damals erwarb man Wissen und ging mit diesem Wissen in Pension, heute sei lebenslanges Lernen angesagt.

Das Problem dabei sei die Geschwindigkeit. Das Wissen verdoppelt sich seit 2000 einmal innerhalb von zehn Jahren. „Wir erleben aber keine Wissensexplosion, sondern eine Informationsexplosion.“ Wichtig sei, dass man das Wissen, den Wahrheitsgehalt, aus der Information herausfiltern kann.

Utopische Ziele sind wichtig, um zu finden, was man nie gesucht hat

Und weil man nie genau wissen kann, was die Zukunft bringt, hält Hengstschläger das europäische „Bashing der CEOs aus dem Silicon Valley“ für unangebracht. Einer spricht davon, 2025 auf dem Mars leben zu können, der andere von Unsterblichkeit, weil der medizinischen Möglichkeiten immer besser werden. Ein Dritter spricht davon, DAN-Stückchen zusammen zu schütten und daraus einen Menschen zu kreieren.

„Das glaub‘ ich alles nicht, die Ziele sind utopisch“, so der Referent. Aber genau solche utopischen Ziele seien nötig, um „das zu finden, was man nie gesucht hat“. Zum Beispiel? „Amerika. Die Röntgenstrahlen. Und das Penicillin. Das war die beste Lösung für die Zukunft, nach der man nie gesucht hat.“

"Schüler stehen vor extremen Herausforderungen"

Auch für die Diskutanten war eines klar: Das Bildungssystem muss sich ändern, um ihre Schüler fit für die Zukunft zu machen. „Die Schüler stehen vor extremen Herausforderungen“, weiß etwa Wolfgang Bodei, Direktor der Hollabrunner HTL.

Josef Mukstadt, Leiter des AMS-Hollabrunn, hält es mit seinem Blick auf die Zukunft ähnlich wie Hengstschläger: „Es hat immer schon neue Jobs gegeben und andere nicht mehr. Der Mensch hat die Herausforderung immer angenommen.“ Fakt sei aber, dass der Jugendliche von heute in 20 bis 30 Jahten nicht mehr das tun werde, wofür er heute ausgebildet wird.