Behinderte am Arbeitsmarkt: „Die Hürde ist im Kopf“. Das AMS wünscht sich mehr Mut von den Betrieben. Förderungen gebe es viele.

Von Sandra Donnerbauer. Erstellt am 25. April 2019 (05:21)
Sandra Donnerbauer
Im Hotel Althof Retz kümmert sich Herbert Rottensteiner (l.) um die Vorbereitung der Seminarräume. Ronald Haas von der Caritas Arbeitsassistenz, Hoteldirektor Bernd Kleinschuster undPeter Kirchner vom AMS Hollabrunn (v.l.) besuchten ihn an seinem Arbeitsplatz.

Herbert Rottensteiner schätzt es, im Hotel Althof Retz der „Mann für alle Fälle“ zu sein. Seit fast drei Jahren kümmert sich der 59-Jährige um die Betreuung der Seminarräume und des Servierkunderaums, sorgt für das Wäschemanagement im VinoSpa und steht bereit, wenn helfende Hände gebraucht werden. Trotz seiner Behinderung und des fortgeschrittenen Alters hat man ihm im Hotel Althof nach einmonatigem Arbeitstraining eingestellt. Der Retzer freut sich über den Arbeitsplatz ohne lange Anreise. Das Selbstwertgefühl steige, wenn man etwas zugetraut bekomme.

„Wir bräuchten mehr Betriebe, die es sich trauen, jemanden persönlich kennenzulernen“Peter Kirchner, stellvertretender Geschäftsstellenleiter des AMS Hollabrunn

Für Hoteldirektor Bernd Kleinschuster sei es wichtig, ehrlich zueinander zu sein, damit die Zusammenarbeit funktioniert. Von Beginn an hat das Retzer Hotel immer wieder Menschen mit Behinderung angestellt; manche arbeiten seit über einem Jahrzehnt im Betrieb. „Wir sind aber auch schon gescheitert, da hat es nicht gepasst“, ist es dem Direktor wichtig auch anzusprechen, wenn Person und Arbeit nicht zueinander passen.

„Wir können es uns nicht leisten, extra Stellen für behinderte Menschen zu schaffen. Die Leistung muss passen“, hebt Kleinschuster hervor, dass der zahlende Gast keine Rücksicht auf die persönlichen Umstände eines Arbeitnehmers nehmen würde. Die gute Zusammenarbeit mit der Arbeitsassistenz – Träger ist die Caritas der Erzdiözese Wien – sorge jedoch dafür, dass flexibles Ausprobieren auf beiden Seiten möglich ist.

Diese Offenheit würde sich Peter Kirchner, der stellvertretende Geschäftsstellenleiter des AMS Hollabrunn, von mehr Unternehmen im Bezirk wünschen. „Behinderte haben es besonders schwer, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“, bestätigt er. Das liege natürlich an den Einschränkungen, die viele Tätigkeiten verunmöglichen. Oft aber auch an fehlenden Informationen zu Unterstützung und Förderung. „Die Hürde ist meist nur im Kopf. Wir bräuchten mehr Betriebe, die es sich trauen, jemanden persönlich kennenzulernen“, weiß Kirchner, dass die Chancen bei persönlicher Vorsprache steigen.

Ende März waren beim AMS Hollabrunn 105 begünstigte bzw. begünstigbare Behinderte vorgemerkt, um 18 Personen mehr als noch im März 2018. Von den landesweit 1.415 behinderten Personen, die man heuer bei einer nachhaltigen Arbeitsaufnahme unterstützen will, sollen es „mindestens 47 arbeitslose Behinderte konkret aus dem Bezirk sein“. Mit neun Arbeitsaufnahmen – drei Frauen, sechs Männer – bis Ende Februar sieht man sich aktuell auf Kurs.

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