E-Autos als „Investition in den Frieden“. Die Nachfrage steigt. 25 E-Tankstellen sind im Bezirk gelistet. Im Bezirk Hollabrunn sind Vorreiter unterwegs.

Von Sandra Frank, Christoph Reiterer und Michael Böck. Erstellt am 17. Juli 2019 (03:11)
Michael Böck
Begeisterte sich schon früh für Technik und liebt es, E-Autos zu lenken.„Es ist ein ganz eigenes Fahrgefühl“, schwärmt Unternehmer Jürgen Franz Krammer.

96 E-Autos waren Ende 2018 im Bezirk Hollabrunn gemeldet, mit 1. Juni waren es 110. Der Hollabrunner Autohändler Markus Hager ist allerdings kein Fan davon: „Der Absatz ist verhalten, die Käuferschicht ist nach wie vor klein.“

Das Problem an den E-Fahrzeugen sei, dass sie einfach nicht umweltfreundlich seien, die Anschaffungskosten immer noch zu hoch seien und die versprochene Reichweite nicht erfüllt werde. „Die Politik missbraucht das Thema auf Kosten der Konsumenten“, ärgert sich Hager über die Verbreitung falscher Infos. E-Autos seien lediglich ein zusätzliches Mobilitätsangebot. Einzig der Renault Zoe erfülle die versprochene Reichweite von 350 Kilometern, sagt Hager.

Höhere Tankstellendichte

Jürgen Franz Krammer, Geschäftsführer von JFK Eventtechnik-Elektronik mit Sitz in Haugsdorf und einer Filiale in Mistelbach, war einer der ersten im Bezirk, der mit einem E-Auto unterwegs war. Damals, 2011, war es ein Mitsubishi I-MiEV, der es ihm angetan hatte. Heute fährt er einen BMW i3 und einen Tesla Model X. 2016 schaffte er sich eine eigene E-Tankstelle am Firmensitz an.

„Es macht einfach Spaß, mit so einem Fahrzeug unterwegs zu sein“, schwärmt Krammer von der E-Mobilität. Diese habe aber noch einen weiten Weg zur Massentauglichkeit. Die schweren Akkus und die Reichweiten zählen zu den Mankos. Derzeit müsse man sich eben damit arrangieren. E-Tankstellen seien jedenfalls immer dichter aufzufinden.

Energiespeicherung ist Schlüssel zum Erfolg

Die unterschiedlichen Tankkarten der Anbieter seien jedoch ein weiteres Hindernis, so Krammer, dessen Tesla auf ungefähr 400 Kilometer kommt. Seine Arbeitsstrecken sind damit kein Problem. Um Brennstoff-Autos in allen Lagen zu ersetzen, braucht es jedoch noch eine Weile, meint der Experte.

Zuallererst gehöre das Problem der Energiespeicherung gelöst. „Wenn hier eine Lösung gefunden wird, haben wir es wirklich geschafft.“ Bis dahin bleiben E-Autos eher etwas für den innerstädtischen Verkehr, für technikbegeisterte Kurzstreckenpendler oder ökologisch bedachte Personen mit einem guten Einkommen.

Baumeister spart jährlich 10.000 Euro

Eine Baufirma, die versucht, die neuesten Technologien in ihre Denkmuster hineinzubringen, ist die Alpson GmbH mit ihren Standorten in Horn und Hollabrunn (Amtsgasse). Sie zählt zwei Tesla Model S, einen Nissan Evalia – ein 7-Sitzer mit 140 km Reichweite – sowie ein Elektromoped zu ihrem Fuhrpark. Baumeister Christian Melber ist höchst zufrieden; wenngleich man zunächst die Kinderkrankheiten der Fahrzeuge, die alle 80.000 km serviciert werden, mitgemacht habe.

Heute hat sein Tesla 289.000 km am Buckel, bei 240.000 km wurden die Bremsscheiben getauscht. Motorbezogene Steuer bei 425 PS: null. Energiekosten bei 60.000 km: 1.000 Euro. Heute hat jeder Wagen noch einen Wert von rund 60.000 Euro.

Ich spare mir jährlich 10.000 Euro an Betriebskosten", Baumeister Christian Melber

Getankt wird zumeist in Hollabrunn beim Rathaus sowie in Horn bei der BH. Melber verfügt auch über eine private Ladestation. „Ich spare mir jährlich 10.000 Euro an Betriebskosten. Es hat eine Förderung gegeben. Der Marketingwert beträgt 50.000 bis 100.000 Euro“, rechnet der Baumeister vor. Die Firma, die jährlich rund 150 Baustellen in der Region hat, habe Aufträge aus Imagegründen erhalten, weil sie eben mit E-Fahrzeugen unterwegs ist.

„Es ist ein tolles Gefühl, wenn man mit einem gleich schweren Auto wegfährt und heimkommt“, sagt Melber, der es als eine „Investition in den Frieden“ bezeichnet. Man setze auf eine Technologie, die nicht kriegstreibend sei. Enttäuscht ist er indes von Teslas europäischen Mitbewerbern. Er wäre schon gerne umgestiegen, wollte 2015 eine Pritsche mit einer Reichweite von 500 km anschaffen. Doch das war bis heute nicht möglich, obwohl die Technik bereits marktreif sei.

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