Frauen in der Politik: „G’scheit, oder eben gar nicht“. Noch immer ist es eine große Herausforderung, Familie, Job und eine politische Tätigkeit in Einklang zu bringen.

Von Sandra Frank und Sandra Donnerbauer. Erstellt am 06. März 2019 (05:17)
NÖN-Archiv
Elke Stifter, Elisabeth Schüttengruber-Holly und Laura Walzer (v.l.n.r.)

Der Bezirk Hollabrunn ist der einzige in Niederösterreich, der keine Frau Bürgermeister vorzuweisen hat. Die NÖN fragt bei Lokalpolitikerinnen nach, warum es immer noch so schwierig ist, das weibliche Geschlecht für die Politik zu gewinnen.

Elke Stifter (SP) und Elisabeth Schüttengruber-Holly (VP) sind Stadträtinnen in Hollabrunn. Beide sind Vorsitzende der jeweiligen Frauengruppe im Bezirk. Stifter ging in die Politik, weil diese bei ihr zuhause immer Thema war. „Als ich gefragt wurde, waren unsere Kinder schon aus dem Gröbsten draußen“, sagt die 45-Jährige. Zu einem früheren Zeitpunkt hätte sie definitiv abgelehnt. Es sei schon schwierig genug als Frau Familie und Job unter einen Hut zu bringen. Es bedarf schon eines sehr guten Netzwerks, wenn sich eine Frau neben diesen Aufgaben auch noch der Politik widme.

Stifter „hätte gerne mehr weibliche Unterstützung im Gemeinderat“

Schüttengruber-Holly stimmt der Sozialdemokratin zu: „Entweder du wächst als Junge hinein, oder gehst erst später in die Politik, wenn die Kinder schon älter sind.“ Denn wenn Frauen sich einer Sache annehmen, dann „g’scheit oder eben gar nicht“.  Männer agieren hier oft egoistischer, meint die 51-Jährige.

„Ich hätte gerne mehr weibliche Unterstützung im Gemeinderat“, sagt Stifter. Immerhin soll die Bevölkerung in diesem Gremium abgebildet werden. In der Bezirkshauptstadt sind aber  nur acht der 37 Mandatare Frauen.

Schüttengruber-Holly: „Frauen sind einfach zäher“

„Der weibliche Zugang ist einfach ein anderer. Ich melde mich nur zu Wort, wenn ich etwas zu dem Thema sagen kann und darüber Bescheid weiß. Bei Männern ist das oft anders …“, meint Stifter. Diese Meinung lebt auch Laura Walzer. Die 30-Jährige sitzt seit 2015 im Retzer Gemeinderat und gehört den Grünen an. „Ich versuche mich immer über alles zu informieren und ein eigenes Bild zu machen.“  Zu Wort melde sie sich nur, wenn sie weiß, dass sie die entsprechende Expertise hat und diese sinnvoll einbringen kann.

Frauen seien lösungsorientierter, ortet die Sozialdemokratin einen weiteren Unterschied zwischen den Geschlechtern. „Wenn sich eine Frau etwas in den Kopf gesetzt hat, dann wird sie es auch umsetzen. Wir sind einfach zäher“, beschreibt Schüttengruber-Holly die Damenwelt auch als zielorientierter und konsensbereiter.

Zu wenig weibliche Vorbilder in der Politik

Warum es nach wie vor schwierig sei, Frauen für eine politische Funktion zu motivieren, liege daran, dass es an ausreichend Vorbildern fehle, wie Stifter meint. „Mein persönliches Vorbild ist Johanna Dohnal“, hat die Hollabrunnerin in der ehemaligen Frauenministerin, die im Februar ihren 80. Geburtstag gefeiert hätte, jemanden gefunden, den sie nacheifern will. „Ein Mann sagt zuerst ja und überlegt erst dann, ob er das überhaupt kann. Bei Frauen ist das umgekehrt“, weiß Schüttengruber-Holly aus Erfahrung.

Frauen müsse man erst überzeugen, dass sie ebenso für ein politisches Amt geeignet sind.   „Wir müssen einfach selbstbewusster werden“, meint Stifter, dass es Frauen immer noch entsprechenden Auftreten fehle. Dass die Damen eher im Hintergrund arbeiten, macht sie an einem einfachen Beispiel fest: „Bei einem Feuerwehrfest backen die Frauen Kuchen und die Männer halten die Reden.“  „Ja, es ist eine Sache des Auftretens und des Selbstbewusstseins. Das trifft aber auch auf Männer zu“, ist die VP-Frauenchefin überzeugt.

Walzer: „Es ist wirklich nicht lustig Politik zu machen“

Walzer war 26 Jahre, als sie ihr Mandat im Retzer Gemeinderat übernahm.  „Ich habe das als Weg gesehen, um mich in meinem direkten Umfeld einbringen zu können“, erklärt sie ihre Gründe sich der Wahl zu stellen. Gleichzeitig sah sie damals  eine enorme Überalterung in der Lokalpolitik, das wollte sie ändern. Inzwischen sind acht von 25 Mandatare in Retz weiblich, die Zusammenarbeit mit den Männern jedoch nicht immer ganz einfach.

„Als junge Frau wirst du oft nicht ernst genommen. Allerdings wird man sehr oft auch unterschätzt, das kann durchaus ein Vorteil sein“, hebt die 30-Jährige hervor, die auch in ihrem Beruf als Planerin in einem Bauunternehmen überwiegend mit Männern zu tun hat.   „Es ist wirklich nicht lustig Politik zu machen, weil man es nie allen recht machen kann und oft Dinge entscheiden muss, die vielen nicht passen. Aber das ist ebenso in einer Demokratie“, lautet ihre Bilanz nach vier Jahren im Retzer Gemeinderat.