Homeschooling: Langsam ist die Luft draußen. Die Rückkehr in die Schulen zögert sich weiter hinaus. Die NÖN fragte Mütter, wie sie mit der Situation klarkommen.

Von Christiane Fürst und Sandra Frank. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:02)
Das Homeschooling funktionieret, sagt die Eltervereinsobfrau der Mittelschule in Pulkau, Ingrid Gratz (kleines Bild). Der soziale Kontakt mit Klassenkameraden gehe den Kindern aber ab.
Fabio Prince/shutterstock.com

„Meine Tochter war heuer erst fünf Wochen in der Schule und hat leider noch wenig Bezug zu den anderen Kindern“, spricht Sandra Nießl von einem Problem, das dieses Schuljahr mit sich bringt: Ihre große Tochter besucht die erste Klasse der Wullersdorfer Mittelschule. Projekttage und Skikurs sind ausgefallen. Da fällt es schwer, eine Klassengemeinschaft zu bilden. „Sie wäre wirklich lieber in der Schule“, sagt die Friseurin, dass sich ihr Kind nicht einmal mehr auf die Ferien freut.

Die kleine Tochter besucht drei Tage pro Woche den Guntersdorfer Kindergarten, um ihre Freundinnen zu treffen. „Ich schicke sie hin, obwohl ich zu Hause bin.“

Das Homeschooling funktionieret, sagt die Eltervereinsobfrau der Mittelschule in Pulkau, Ingrid Gratz (kleines Bild). Der soziale Kontakt mit Klassenkameraden gehe den Kindern aber ab.
privat, Shutterstock.com/Fabio Principe

Die größte Herausforderung sei es, nicht den Schlendrian einkehren zu lassen. „Es ist schwierig, die Kinder noch dazu zu motivieren, etwas Neues zu lernen“, sei die Luft beim Homeschooling langsam draußen. Die Ungewissheit, wann es mit dem Präsenzunterricht weitergeht, nage an den Kindern. „Sie hat sich auf die Schule gefreut und jetzt heißt es wieder, dass der Start verschoben wird. Und selbst der ist nicht sicher.“

Das Homeschooling sei gut angekommen, berichtet Ingrid Gratz, Elternvereinsobfrau der Mittelschule in Pulkau. Man habe Lehren aus dem ersten Lockdown ziehen können. Sollte den Kindern das Dach auf den Kopf fallen, gibt es Ausweichmöglichkeiten: „Unsere Direktorin formuliert ihre Mails immer so, dass jedes Kind – also egal, ob die Eltern arbeiten oder nicht – jederzeit in die Schule kommen kann“, schildert Gratz. Das Lehrerteam sei sehr bemüht und jederzeit für Fragen erreichbar.

„Wir haben das Glück, dass wir eine Medienschule sind und Plattformen wie Office365 und Teams schon vor Corona ein Thema waren“, ist die zweifache Mutter froh über die digitalen Kompetenzen ihrer Töchter. Wie es ihnen mit dem Homeschooling geht? „Der soziale Kontakt mit ihren Freunden und Klassenkameraden geht ihnen natürlich schon ab“, weiß die Elternvereinsobfrau. Dennoch sei der Wunsch, in die Schule zurückzukehren, sehr von der Tagesverfassung abhängig. „Meine Tochter hat mich letztens gefragt, ob ich glaube, dass die Schule an einem bestimmten Tag noch geschlossen bleibt, weil sie an dem Tag eine Präsentation hat und die lieber online absolviert“, schmunzelt die Versicherungsangestellte.

Lernen ist nicht immer ein Selbstläufer …

Anfangs habe es Gratz als Herausforderung empfunden, den Überblick über die Aufgaben ihrer Kinder zu behalten. „Meine Kinder sind sehr selbstständig und deswegen habe ich geglaubt, es geht so weiter wie im Präsenzunterricht. Das war mein Fehler“, meint sie. Die Jüngere habe das ausgenutzt und kurzerhand keine Aufgaben gemacht. Als die Mutter von Lehrern darauf aufmerksam gemacht wurde, habe sie ein klärendes Gespräch geführt: Seitdem laufe wieder alles „wie am Schnürchen“. Wie bei der älteren Tochter. Diese wisse schon eher, was sie beruflich machen möchte, weswegen sie auch besser verstehe, warum sie lernt.

Abschließend sei wichtig, dass man sich Zeit für das Homeschooling nimmt. „Gott sei Dank können wir von zu Hause arbeiten und sind auch gut mit Geräten ausgerüstet“, ist die Elternvereinsobfrau dankbar für diese Vorteile. Ihr sei bewusst, dass die Situation für Eltern in anderen Berufen oder mit weniger technischer Ausstattung schwieriger sei.

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