Reaktionen: „Finde das Hundehaltegesetz zu krass“. Die Verschärfung der Beißkorbpflicht stößt auch im Hollabrunner Bezirk auf Unverständnis und Missmut.

Von Belinda Krottendorfer, Romana Schuler und Franz Enzmann. Erstellt am 13. November 2019 (05:24)
Edeltraud Fischer (mit Zeta) und Hanspeter Wenzl (mit Rigo) wollen den Einspruch gegen das Gesetz unterschreiben.
Belinda Krottendorfer

Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie hier die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

„Das Problem sind oft nicht die großen Hunde, sondern die kleinen Haxlbeißer“Edeltraud Fischer

„Ich finde, das Gesetz ist eine Entmündigung. Ich sehe nicht ein, warum mein Hund beim Heurigen zwei Stunden einen Beißkorb tragen muss. Das Problem sind oft nicht die großen Hunde, sondern die kleinen Haxlbeißer“, meint Edeltraud Fischer in der Hollabrunner Hundeauslaufzone. Hanspeter Wenzl meint, dass die Regel mit den 150 Personen („Menschenansammlung“) ein Schwachsinn sei. „Das hat sicher jemand vom Schreibtisch aus beschlossen, der keinen Hund hat. Der Rigo ist mein fünfter Hund, und beim Freilaufen ist nie etwas passiert. Nicht der Hund ist das Problem, sondern der Halter.“

Beim Gebrauchthundesportverein (ÖGV) Hollabrunn verweist Sonja Gruber auf die Stellungnahme des ÖKV (Kynologenverband), der eine Ausweitung der Maulkorbpflicht ablehnt und „Mitarbeit unter Einbringung unserer Fachexpertise“ anbietet. „Um unsere Mitglieder zu unterstützen, haben wir den Antrag auf Einleitung einer Volksabstimmung bei uns im Vereinshaus sowie auf unserer Homepage bereitgestellt“, so Gruber. Kurse und Beratungen zum Tragen von Maulkörben seien ohnehin üblich und es werde versucht, „die Stimmung gegen einen Maulkorb ein wenig zu verbessern“.

Sonja Heilinger hat einen Terrier und einen Kokoni-Mix mit 7,5 bzw. 13,5 Kilo. „Die Hundebesitzer sollten selbst einschätzen, ob ihr Hund entgegenkommenden Fremden gegenüber bissig ist. Das Gesetz finde ich zu krass“, sagt sie.

Die Nappersdorfer Tierärztin Dorit Seibert-Schwarz sieht an sich kein Problem bei der Verwendung eines Maulkorbes, wenn dabei einige Dinge beachtet werden. „Da gibt es viele qualitative Unterschiede, die man sich genau ansehen muss.“ Wichtig sei, dass der Hund ausreichend Luft bekommt und langsam an das Tragen eines Maulkorbs gewöhnt wird.

„Negativer Stress macht auch Hunde krank“

„Einschränkungen ihrer körpersprachlichen und mimischen Signale in dem Maße, wie sie das neue Hundehaltergesetz vorsieht, bedeuten Stress für Hunde. Negativer Stress macht auch Hunde bekanntlich krank. Verhaltensauffälligkeiten – von Leinenaggression bis hin zu Beißunfällen – sind die Folge, egal, ob es sich um geprüfte Führerscheinhunde oder zu Handtaschen diskriminierte Kleinhunde handelt“, ist die lange im Weinviertel lebende Krimiautorin Elisabeth Lexer überzeugt, dass die Verschärfung des Gesetzes keine Probleme lösen, sondern neue schaffen wird.

Zusammen mit ihrem Mann Robert Boulanger war die langjährige Mehrhundehalterin in der Suchhundeausbildung tätig; 2018 waren sie Referenten beim „animal learn“-Symposium 2018 in Bernau (D) zum artgerechten Umgang mit Hunden.

Als Hundeführer bei der Polizei sieht der Untermarkersdorfer Ortsvorsteher Andreas Kornherr, die Verschärfung des Hundegesetzes als eine anlassbezogene Sache. „Wenn etwas geschieht, dann ist der eigentliche Schuldige der Hundehalter, der die Stresssituation für seinen Hund ignoriert hat.“

Ein Hund, der öffentliche Plätze mit vielen Menschen nicht gewöhnt ist, habe enormen Stress, dann sei sicherlich ein Maulkorb als Prävention gut. „Ich selbst würde meinem Hund nicht überall mitnehmen, wie zum Beispiel auch nicht zum Essen in einem Lokal“, so Kornherr.

Appelliert an den Hausverstand:Bürgermeister Martin Reiter mit Hündin Hestha.
Enzmann

Sitzendorfs Bürgermeister Martin Reiter (ÖVP) appelliert als ausgewiesener Tierliebhaber und Hundebesitzer an den gesunden Menschenverstand – „das heißt, den Hund bei größeren Menschenansammlungen entsprechend zu sichern“. Übrigens müsse man seinen Hund nicht überall mitnehmen, sagt auch er.

Gemeinden werden künftig die Möglichkeit haben, weitere sensible Zonen zu definieren, in denen Beißkorbpflicht besteht: „Wir haben derzeit keine weiterführenden Verordnungen erlassen, konnten aber in den letzten Monaten feststellen, dass wir mit dem Thema verstärkt konfrontiert wurden“, erklärt Hollabrunns Stadtamtsdirektor Franz Stockinger. Übrigens: Heuer gab es im Bezirk bisher 59 Anzeigen nach dem NÖ Hundehaltegesetz, im Vergleichszeitraum 2018 waren es 53.

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