Schulskikurs? „Das gehört zu unserer Kultur“. Hollabrunner „Flachländer“ wollen Skikurse nicht missen.

Von Sandra Frank, Sandra Donnerbauer und Christoph Reiterer. Erstellt am 15. Januar 2020 (05:45)
Spaß im Schnee: Durch Schulskikurse kommen viele Kinder erstmals auf die Bretter, die die (Ski-)Welt bedeuten.
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Im Wintersportland Österreich sinken die Teilnehmerzahlen an den Schulskikursen. Die NÖN hörte sich um, wie es um die Ski-Euphorie im Bezirk bestellt ist.

Im Hollabrunner Bundesgymnasium wird es Schulskikurse auch weiterhin geben, versichert Direktorin Jutta Kadletz. „Es gibt ja auch einen Lehrplan, der zu erfüllen ist.“ Die Skikurse seien außerdem sehr gut ausgelastet, durchschnittlich liegt die Beteiligung bei über 90 Prozent, manchmal sogar bei 100. „Daran hat sich im Laufe der Jahre nichts geändert.“

Die Direktorin räumt aber ein, dass Skikurse teuer seien. Dennoch seien sie wichtige Schulveranstaltungen, an die die Schüler immer gern zurückdenken. Bei finanziellen Nöten gibt es Unterstützung vom Land, aber: „Ein Teil muss selbst finanziert werden.“ Die Ausrüstung zum Skifahren kann vor Ort ausgeborgt werden. Kadletz spricht von etwa 35 Euro, die zu berappen sind. „Skikleidung braucht aber jeder selbst.“

Auch in der Mittelschule Retz ist man überzeugt davon, dass die Wintersportwoche keinesfalls ein Auslaufmodell ist. Eher im Gegenteil: „Die meisten Schüler sind noch nie zuvor auf Ski oder Snowboard gestanden“, weiß Organisatorin Tamara Weber. Würde man es ihnen in der Schule nicht näherbringen, würde ein großer Teil der Schüler wahrscheinlich nie in Kontakt damit kommen. Als Vorbereitung auf den Skikurs in der zweiten Klasse finde außerdem jährlich ein Skitag in Niederösterreich statt.

„Es ist ein Teil unserer österreichischen Seele“Bernhard Aschinger

In Retz erfreut sich der Skikurs jedenfalls uneingeschränkter Beliebtheit, nahezu alle Schüler nehmen teil. „Sonst könnten wir es auch nicht machen“, ergänzt Sportlehrer Reinhard Waller, der heuer seinen 24. Skikurs begleitet.

Die Erlebnisse auf der Wintersportwoche seien außerdem ein wichtiger Teil der Schulzeit, an die man gerne zurückdenkt. Die Kosten werden in drei Teilbeträgen auf das Semester verteilt eingesammelt, damit nicht auf einmal ein allzu großer Brocken anstehe.

Als Vorstandsmitglied des Elternvereins ist Friedrich Schechtner froh, dass die Wintersportwoche in der Mittelschule nach wie vor angeboten wird; er hält Wintersport für „eine wichtige Freizeitbeschäftigung“. Seine drei Töchter seien immer gerne auf Skikurs gefahren. Der Elternverein zahlt für jeden Schüler einen kleinen Teil dazu.

„Es ist ein Teil unserer österreichischen Seele“, will Direktor Bernhard Aschinger die Tradition des Skisports an seiner Hollabrunner Mittelschule nicht missen. Man könne den Kindern ein kostengünstiges, sehr schönes Quartier anbieten. Die Teilnehmerquote liege bei 70 bis 80 Prozent. Bei finanziellen Engpässen habe man ein Auge auf Fördermöglichkeiten.

Skikurse sind wichtig für die Gemeinschaft, sagt auch HLW-Direktor Leopold Mayer.
NOEN

Das Konzept der HLW Hollabrunn sieht einen Skikurs für die Zweitklässler vor. „Das gehört einfach zu unserer Kultur dazu“, sagt Direktor Leopold Mayer. Immerhin seien die Sportveranstaltungen noch billiger als die Sprachreisen ins Ausland. Für jene, denen es finanziell nicht so gut geht, gebe es den „sehr gut funktionierenden Elternverein“ und Beihilfen.

Er sei ein Verfechter dieser Gemeinschaftbildung, betont Mayer: „Das ist etwas ganz Wichtiges; da lernen sich Lehrer und Schüler einmal ein bisschen anders kennen. So etwas bleibt in Erinnerung“, sagt der Direktor und liefert eine passende Anekdote: „Mein Sohn, der heute 30 ist, war mit dem Gym auf Skikurs und weil es zu viele Leute waren, mussten die Burschen in ein Ausweichquartier ohne Wasser. Er sagt bis heute, dass das der schönste Skikurs von allen war.“

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